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Politik

Max-Rubner-Institut schlägt eigenes Modell zur Nährwert­kennzeichnung vor

Donnerstag, 23. Mai 2019

Modellentwurf zur Nährwertkennzeichnung /Max-Rubner-Institut

Karlsruhe – In der Debatte über eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln hat das staatliche Max-Rubner-Institut (MRI) gestern einen Vorschlag für ein eigenes Mo­dell vorgelegt. Damit solle eine „Brücke zwischen den verschiedenen Interessen“ ge­schlagen werden, erklärte das Bundesinstitut, das von Bundeslandwirtschafts­minis­te­rin Julia Klöckner (CDU) im April mit weiterer Forschung zum Thema Lebensmittel­kenn­zeichnung beauftragt worden war.

Der Entwurf des MRI erinnert stark an das Health Star Rating Modell, das in Australien und Neuseeland seit 2014 empfohlen wird. Das MRI-Modell sieht – anders als etwa der farbig abgestufte Nutriscore – keine Ampelfarben vor, sondern basiert auf waben­förmigen Feldern zu fünf Inhaltsstoff-An­gaben wie Fett, Zucker oder Salz. Außerdem ist eine ebenfalls sechseckige „Gesamt­bewertung“ vorgesehen. Bei dieser sollen dem Institut zufolge Sterne, wie sie aus der Hotelbewertung bekannt sind, sowie eine zunehmende Farbintensität je nach Qualität der Lebensmittel „leicht nachvollziehbare Signale“ an die Verbaucher senden.

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Insgesamt solle jeder Mensch weiter seine Lebensmittelauswahl „frei und ohne Stig­ma­tisierung“ treffen können, betonte das MRI. „Aber es soll ihm so leicht wie möglich gemacht werden, die Entscheidung zu treffen, die seine Gesundheit unterstützt.“ Ent­sprechend bleibe das Modell des Instituts für ein Nährwertkennzeichen „sachlich und informativ in der Darstellung“.

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Kritik äußerte die Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie für eine farbliche Kennzeichnung einsetzt. Klöckner wolle „mit Gewalt farblos bleiben“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Mit den „blassen Waben“ lasse sich noch nicht mal auf den sechsten Blick erkennen, was mit der Nutriscore-Ampel auf den ersten Blick klar werde.

Unzufrieden ist auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast. Ein weiterer Vorschlag komme lediglich der Wirtschaft zupass, aber verursache bei den Verbrau­chern „maximales Chaos“, sagte sie. „Was wir in Deutschland sowie europaweit brau­chen, ist eine einheitliche, transparente und leicht verständliche Ampelkennzeich­nung“, forderte Künast. Das alles leiste der Nutriscore. Klöckner müsse ihre „Hinhalte­taktik“ deshalb endlich beenden.

Die Ministerin hatte in der Vergangenheit betont, eine vereinfachte Nährwertkenn­zeich­nung sei ein „zentraler Baustein“ ihrer Politik. Denn angesichts der Zahlen zu Übergewicht in Deutschland sei ausgewogene Ernährung ein drängendes Thema. 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und bereits 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden demnach an Übergewicht. © afp/gie/aerzteblatt.de

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