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Ärzteschaft

Fragwürdige Gesundheits­informationen aus dem Internet bei Stichprobe

Donnerstag, 23. Mai 2019

/dpa

Berlin – Gesundheitsinformationen, auf die Patienten bei einer Internetrecherche über Google stoßen, sind fragwürdig. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) jetzt hingewiesen.

Hintergrund ist eine Analyse von Friedrich Ihler, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat am Beispiel des Morbus Menière – einer Erkrankung des Innenohrs, die zu anfallartigem Schwin­del führen kann und oft von Hörstörungen und Tinnitus begleitet wird – die Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet stichprobenartig überprüft.

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„Die Diagnose und Therapie des Morbus Menière ist komplex, entsprechend hoch ist der Informationsbedarf der Betroffenen“, erläuterte der Experte der Fachgellschaft. Unter den ersten 30 Internetseiten, die Google zum Suchbegriff „Morbus Meniere“ auflistete, fanden Ihler und seine Kollegen 14 von elektronischen Medien und weitere sieben von Unternehmen, die Medizinprodukte herstellen.

Bei lediglich sechs Seiten waren Ärzte oder Krankenhäuser die Urheber. „Diese Seiten tauchten zudem erst ab Position zwölf der Ergebnisliste auf“, so Ihler. Dies sei be­denk­lich, weil Nutzer in aller Regel nur die ersten zehn Treffer weiterverfolgten. Die Qualität der 30 untersuchten Seiten ließ dem Experten zufolge zudem „insgesamt zu wünschen übrig“: Nach der Discern-Bewertungsskala für Patienteninformationen im Internet erreichten sie im Schnitt nur 2,5 von fünf Punkten.

Diese Skala beruht auf einer Checkliste für gute Patienteninformationen. Zudem ver­fügte nur jede zehnte Seite über ein HON-Zertifikat, erfüllte also die von der Stiftung Health on the Net (HON) formulierten Vorgaben bezüglich Transparenz, Datenschutz für die Nutzer, wissenschaftlicher Belegbarkeit von Behauptungen und Offenlegung der Finanzierung. Außerdem müssen laut HON-Kodex redaktionelle Inhalte klar von Werbung abgegrenzt und die Qualifikation der Verfasser erkennbar sein. Sechs der 30 Seiten enthielten außerdem Falschinformationen.

„Man muss davon ausgehen, dass autonome Patientenentscheidungen nicht allein auf der Basis von Web-Informationen möglich sind“, folgert Ihler. Diese müssten immer von einem Arzt gewichtet und für den Einzelfall interpretiert werden. Aber nur wenige Patienten sprächen ihre Internet-Recherche von sich aus an. Laut Ihler sollten Ärzte daher gezielt nach Vorinformationen fragen und auf diese eingehen. © hil/aerzteblatt.de

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