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Gendereffekt: Diabetes bei Frauen schlimmer

Donnerstag, 23. Mai 2019

/dpa

Berlin – Frauen, die nach der Menopause an Typ-2-Diabetes erkranken, trifft die Er­krankung besonders schwer. „Die Konsequenzen der Erkrankung sind schwerwie­gen­der als bei Männern“, sagte Julia Szendrödi, Leiterin des Klinisches Studienzentrum des Deutsches Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Diabeteskongresses 2019 in Berlin.

Während Frauen im jüngeren Alter etwas seltener an Diabetes erkranken als Männer, nimmt die Inzidenz insbesondere nach der Menopause deutlich zu. Die Insulinresis­tenz gehe bei den Diabetespatientinnen mit einem stärkeren prothrombotischen Effekt und mehr Entzündung in den Gefäßen als bei Männern einher, so Szendrödi. Aber neben diesem vermutlich hormonell bedingten Unterschied zwischen den Geschlech­tern gebe es auch Differenzen beim Verhalten.

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„Bei Frauen ist die Selbstfürsorge oft weniger stark ausgeprägt als die Fürsorge für die Familie“, sagte die Düsseldorfer Diabetesexpertin. Während Mann und Kinder umsorgt und zum Arzt geschickt werden, achteten die Frauen selbst weniger auf einen gesun­den Lebensstil, versuchten nicht abzunehmen oder sich mehr zu bewegen.

Doch nicht nur das Verhalten der Frauen begünstigt schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit der Diabetespatientinnen. „Kardiovaskuläre Risikofaktoren werden bei Frauen weniger gut kontrolliert und eingestellt“, berichtete Szendrödi. Und noch immer würden Ärzte bei Frauen nicht rechtzeitig an Herzerkrankungen denken.

Mediziner, die übergewichtige Frauen behandeln, die vielleicht noch Diabeteserkran­kungen in der Familie haben, schon einmal einen Gestationsdiabetes hatten oder an­dere kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen, „sollten nicht warten, bis Symptome auftreten“.

Szendrödi wies darauf hin, dass Störungen des Glukosestoffwechsels bis zu zehn Jahre vor dem Auftreten eines manifesten Diabetes vorhanden sein können. Die Messung des Nüchternblutzuckers reiche nicht aus, um diese Frauen zu identifizieren. „Und auch ein normaler HbA1c-Wert schließt Diabetes nicht aus. Sicherheit gibt nur ein oraler Glukosetoleranztest.“

Das Wissen um geschlechtsbedingte Unterschiede bei Diabetespatienten ermögliche es, Risikofaktoren und Komplikationen geschlechtersensibel zu betrachten, andere Beratungs-, Präventions- und Therapiestrategien zu fahren. Das sei ein wichtiger Schritt in Richtung personalisierte Medizin.

Dies gelte ebenso, wie Michael Roden, Kongresspräsident des Diabetes-Kongresses 2019 und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklini­kums Düsseldorf, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Diabeteskongresses 2019 betonte, für die unterschiedlichen Erkrankungstypen: Schon seit einiger Zeit ist be­kannt, dass die gebräuchliche Einteilung des Diabetes mellitus in Typ 1 und Typ 2 überholt ist und es sich in Wirklichkeit um „eine heterogene Gruppe von Erkrankungen handelt, die unterschiedliche Risiken für Folgeerkrankungen mit sich bringen.“

„Wenn wir Patienten früh besonderen Clustern zuordnen können, ergeben sich neue Möglichkeiten für eine maßgeschneiderte Betreuung und Therapie im Sinne der aktuellen Präzisionsmedizin“, so der Diabetologe.

Mehrere Veranstaltungen werden sich beim Kongress mit der Frage beschäftigen, welche Relevanz Genderaspekte und die neuen Subtypen des Diabetes mellitus für das Management der Erkrankung haben werden. © nec/aerzteblatt.de

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