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Medizin

Auf bipolare Störung kann Morbus Parkinson folgen

Freitag, 24. Mai 2019

/medistock, stockadobecom

Taipeh – Krankenversicherte aus Taiwan, die wegen einer bipolaren Erkrankung in Behandlung waren, erkrankten in den Folgejahren deutlich häufiger an einem Morbus Parkinson als andere Versicherte. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontrollstudie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000007649) heraus.

Affektive Störungen sind eine sehr häufige Begleiterscheinung des Morbus Parkinson und seit einiger Zeit wird diskutiert, ob sie zu den Prodromalsymptomen der Erkrankung gehören. Für die Depression scheint dies belegt zu sein. Vor 4 Jahren berichteten schwedische Epidemiologen, dass Patienten, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, ein 3-mal höheres Risiko haben innerhalb eines Jahres an einem Morbus Parkinson zu erkranken. Weil die Bewegungsstörung selten ist, ist das absolute Risiko für Patienten mit Depressionen gering. Vor allem bei älteren Menschen könnte eine Depression jedoch ein erstes Zeichen eines bevorstehenden Morbus Parkinson sein.

Jetzt kommt ein Team um Mu-Hong Chen vom Taipei Veterans General Hospital für bipolare Störungen zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Forscher stellten 56.340 Versicherte, bei denen zwischen 2001 und 2009 eine bipolare Störung diagnostiziert wurde, 225.360 Versicherten gleichen Alters und Geschlechts ohne bipolare Störung gegenüber.

Bis Ende 2011 sind 372 Versicherte (0,7 %) mit bipolarer Störung an einem Morbus Parkinson erkrankt. In der Kontrollgruppe waren es nur 222 Versicherte oder 0,1 %. Chen ermittelt eine Hazard Ratio von 6,78, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 5,74 bis 8,02 signifikant war.

Das Risiko war auch erhöht, wenn Erkrankungen im ersten Jahr nach der Diagnose der bipolaren Störung (Hazard Ratio 5,82; 4,89-6,93) oder in den ersten 3 Jahren nach der Diagnose (Hazard Ratio 4,42; 3,63-5,37) aus der Analyse herausgenommen wurden.

Interessanterweise erkrankten Versicherte mit einer bipolaren Störung um 9 Jahre früher am Morbus Parkinson (64 Jahre) als Patienten ohne bipolare Störung (73 Jahre). Auch der Schweregrad der bipolaren Störung beeinflusste das Risiko: Patienten, die mehr als 2-mal pro Jahr wegen der bipolaren Störung im Krankenhaus behandelt wurden, erkrankten 6-mal so häufig an einem Morbus Parkinson wie Patienten, die weniger als einmal pro Jahr hospitalisiert wurden.

Es gibt 3 mögliche Erklärungen. Die bipolare Störung könnte erstens wie die Depression ein Prodromalsymptom des Morbus Parkinson sein, sie könnte zweitens ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Morbus Parkinson sein oder beide Störungen könnten gemeinsame Wurzeln haben. Chen neigt der dritten Ansicht zu. Eine genetische Prädisposition, entzündliche Prozesse oder Störungen auf der Ebene der Neuro­transmitter könnten zu beiden Störungen führen, spekuliert der Epidemiologe. Seine schwedischen Kollegen hatten eine gemeinsame genetische Prädisposition ausgeschlossen. Die Geschwister der Patienten mit Depressionen hatten kein erhöhtes Risiko, an einem Morbus Parkinson zu erkranken, wie dies bei einer genetischen Prädisposition zu erwarten gewesen wäre. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #765298
Shivapriya
am Freitag, 14. Juni 2019, 15:41

Da würde ich auch auf die UAW von Neuroleptika tippen...

...EPMS sind doch bekanntermaßen ein Problem dabei...?
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 24. Mai 2019, 18:59

Die Medizin

unterliegt dem Irrtum, dass Denken würde auf biologischen Prozessen beruhen. Das trifft jedoch nicht zu: http://members.chello.at/meinewebseite/DerGeist.htm
Avatar #735550
rp__bt
am Freitag, 24. Mai 2019, 18:41

Und NW von Med. sind ausgeschlossen?

Wäre doch die einfachste Erklärung - Neuroleptika als Teil der medikamentösen Therapie sind doch sicher nicht so selten?
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