NewsPolitikNeuauflage globaler Klimaproteste vor der Europawahl
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Neuauflage globaler Klimaproteste vor der Europawahl

Freitag, 24. Mai 2019

/dpa

Kopenhagen/Berlin – Zwei Tage vor dem Haupttag der Europawahl sind weltweit er­neut Menschen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gegangen. Die Organisa­toren des Netzwerks Fridays for Future hatten Kundgebungen an mehr als 1.600 Orten in mehr als 120 Ländern geplant. Mindestens 218 deutsche Städte von Flens­burg bis nach Lindau im Bodensee waren dabei, so viele wie in keinem anderen Land.

Allein in Berlin zogen nach Angaben der Veranstalter mehr als 15.000 Demonstranten vom Brandenburger Tor durch das Regierungsviertel. Die Polizei sprach von mehreren Tausend Teilnehmern. Immer wieder riefen die Anwesenden die Parole: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“

Anzeige

Das deutsche Gesicht der Klimabewegung, Luisa Neubauer, rief dazu auf, bei der Stimmabgabe bei der Europawahl ans Klima zu denken. „Wir brauchen ein EU-Parla­ment, das angesichts der größten Krise der Menschheit die Ärmel hochkrempelt und nicht die Augen verschließt.“

Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf forderte, die Pariser Klimaziele kon­se­quent umzusetzen. „Wir müssen darauf vertrauen, dass endlich ernsthafte Anstren­gungen unternommen werden, um die globale Erwärmung noch auf 1,5 Grad zu begrenzen.“ Nicht weniger als die Zukunft „unserer Zivilisation“ stehe auf dem Spiel.

Schäuble zeigt Verständnis

Die Politik müsse den jungen Menschen „endlich zeigen, dass sie die Herausforde­rung gemeinsam und europäisch annimmt“, sagte heute die Mitgründerin Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Die Klimaaktivistin Neubauer ist zwar Grünen-Mitglied, kritisiert aber deren klimapolitische Ziele als nicht ehrgeizig genug.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat unterdessen eine entschlosse­nere Klimapolitik der Bundesregierung gefordert. „Wir brauchen Entscheidungen, in der Klimapolitik wie anderswo“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deutsch­land habe sich bereits unter der Ägide von Angela Merkel als Umwelt­minis­terin in den 1990er-Jahren in Kyoto zu Klimazielen verpflichtet.

„Es geht nicht, dass man Vereinbarungen trifft, und sie dann nicht erfüllt. Ich kann ver­stehen, dass junge Leute das nicht akzeptieren“, sagte Schäuble. „Es ist gut, dass junge Leute Druck machen. Das ist ein Mut machendes Zeichen und es kann für Be­wegung sorgen.“ Die Regierung dürfe in der Klimapolitik auch nicht vor Entscheidun­gen zurückschrecken, die als Belastung aufgefasst werden könnten.

Fridays for Future geht auf eine Protestaktion der 16-jährigen schwedischen Klima­ak­tivistin Greta Thunberg zurück, die seit August 2018 vor dem Parlament in Stockholm für besseren Klimaschutz demonstriert. Ihr Schulstreik hat weltweit Menschen zu De­mon­strationen inspiriert.

Fridays for Future fordert, dass die Politik beim Thema Klima auf die Wissenschaft hört, die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens einhält und mit entschiedenen Maß­nahmen dazu beiträgt, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen. Schon heute ist es auf der Erde etwa ein Grad Celsius wärmer als vor der Industriellen Re­volution.

Der zweite „globale Klimastreik“ heute nahm wegen der Zeitverschiebung seinen Anfang in Neuseeland. Nach asiatischen Ländern wie Indien und Indonesien wird dann auch in allen 28 EU-Staaten sowie in mehreren afrikanischen Staaten de­mons­triert, ehe Nord-, Mittel- und Südamerika dran sind. © dpa/may/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2020
Berlin – Ein wissenschaftliches Beratergremium der Bundesregierung hat deren eher kurzfristig ausgerichtetes Konjunkturpaket in der Coronakrise als klimapolitisch ungenügend kritisiert. Die durch das
Regierungsberater kritisieren Konjunkturpaket mit Blick auf den Klimaschutz
7. Juli 2020
Moskau – Klimaforscher sind besorgt wegen der in Sibirien und im äußerten Osten Russlands wütenden Waldbrände und Rekordtemperaturen. Allein im Juni hätten die Brände geschätzt 59 Megatonnen
Forscher besorgt wegen Bränden und Temperaturrekorden in Sibirien
1. Juli 2020
New York – Angesichts der fortschreitenden Klimakrise macht Deutschland einen Vorstoß für ein entsprechendes Frühwarnsystem bei den Vereinten Nationen (UN). Die UN müsse in die Lage versetzt werden,
Deutschland will UN-Frühwarnsystem für Kampf gegen Klimakonflikte
22. Juni 2020
Halle/Brüssel – Im Kampf gegen den Klimawandel sprechen sich die deutschen Wissenschaftsakademien für einen einheitlichen und stabilen Preis für jeglichen Ausstoß von Kohlendioxid in Europa aus. Ein
Klimaschutz: Wissenschaftler für allgemeinen CO2-Preis in Europa
11. Mai 2020
Berlin − Die Unionsfraktion bremst die Klimaschutzambitionen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus. Merkel hatte sich kürzlich in ihrer Rede beim Petersberger Klimadialog hinter die
Unionsfraktion bremst Merkels Klimaschutzambitionen aus
6. Mai 2020
Wageningen − Wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht gemindert wird, könnten in 50 Jahren 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden. Sie würden in Gebieten leben, in der die jährliche
Ein Drittel der Weltbevölkerung könnte 2070 unter großer Hitze leiden
4. Mai 2020
Berlin – Beim ersten Onlineparteitag der Grünen haben die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck am vergangenen Samstag in der Coronakrise den Schwerpunkt auf soziale Fragen, Klimaschutz und
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER