NewsPolitikKliniken drängen auf neue Regeln für Personaluntergrenzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kliniken drängen auf neue Regeln für Personaluntergrenzen

Freitag, 24. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die derzeitigen Regeln für Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) sind untaug­lich. Dieses Fazit hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nach einer Aus­wertung des ersten Quartals mit den PPUG gezogen.

„Die Krankenhäuser, die Mitarbeiter in der Pflege, Verbände und Gewerkschaften sehen in der bestehenden Pflegeuntergrenzenregelung kein zukunftsfähiges Konzept. Wir brauchen eine Personalbemessung die sich am Bedarf für eine qualitativ hochwer­tige Pflege orientiert“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Anzeige

Er bezog sich damit auf Daten zu den PPUG des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus. Die Auswertung umfasst mehr als 23.000 Datensätze aus rund 3.860 Stationen in 803 meldepflichtigen Krankenhäusern.

„Viele Kliniken melden, dass sie die Vorgaben zum Teil nur durch Einschränkungen von Behandlungen insbesondere durch Stilllegung von Intensivversorgungsplätzen erreichen konnten“, sagte Gaß. Übereinstimmend hätten alle Kliniken zudem „die extrem hohe Bürokratielast“ beklagt. 

„Diese Mängel des bestehenden Systems können nur durch eine konzeptionelle Neu­orientierung beseitigt werden“, sagte der DKG-Präsident. Notwendig sei ein Konzep­tionswechsel hin zu Anhaltszahlen, bei der das ganze jeweilige Haus im Mittelpunkt der Betrachtung stehe. „Die DKG hat mit den Verbänden der Pflege und den Gewerk­schaften ihre Bereitschaft zur Erarbeitung eines solchen Konzeptes erklärt“, betonte Gaß.

Die Pflegepersonaluntergrenzen gelten seit Januar dieses Jahres in den Abteilungen Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. Sie schreiben eine Min­dest­zahl an Pflegekräften pro Patient vor. In der Intensivmedizin darf eine Pflegekraft in der Tagschicht zum Beispiel nicht mehr als 2,5 Patienten betreuen.

Erhebliche Probleme bei der Umsetzung wurden auch gestern auf dem Hauptstadt­kongress Medizin in Berlin deutlich: Sie habe schon davon gehört, dass es in Kran­ken­häusern Verlegungen von Patienten gebe, um die ab Mitternacht geltenden Grenz­werte einzuhalten, sagte die Pflegedirektorin des Alexianer Clemenshospitals Münster, Beate Mens. Auch Pflegekräfte würden zwischen den Stationen verschoben. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #772350
D. Teichmann
am Sonntag, 26. Mai 2019, 14:46

PPUGV = aktive Sterbehilfe an Krankenhäusern?

Was hat die PPUGV für die Pflegefachkräfte am Bett gebracht?
Leider kann mir diese Frage auch im 2. Quartal der PPUGV niemand beantworten.

Was hat die PPUGV für die Leitungskräfte auf den sog. pflegesensitiven Stationen gebracht?
Starre Planungssysteme die nichts mit dem tatsächlichen Pflegeaufwand ihrer Abteilung zu tun haben.
Viel Bürokratie und "Glaskugelleserei", um den Monatsverlauf der Belegung und der krankheitsbedingten Ausfälle vorherzusagen.

Was hat die PPUGV bisher für mich gebracht?
Auch hier viel Bürokratieaufwand für das tägliche Monitoring und das daraus abgeleitete Controlling. Nicht refinanzierte Kosten und viele Arbeitsstunden.

Bitte verzeihen Sie mir die vielleicht etwas unsachliche Einleitung. Aber meine Berufsgruppe spricht „Emotional“. Als gelernte Pflegefachkraft kann ich mich nicht immer davon lossagen.

Als Pflegedienstleitung stimme ich Herrn Gaß zu, wir brauchen eine Personalbemessung, die sich am Bedarf orientiert. Sie muss jedoch in ausreichender Weise auch alle anderen Berufsgruppen, wie z.B. Med. Fachangestellte oder hauswirtschaftliche Mitarbeiter berücksichtigen. In den letzten 20 Jahren wurden viele patientenferne Tätigkeiten aus dem Pflegeberuf verlagert. Die derzeitige PPUGV und die viel zu kurz gedachte Finanzierung provoziert eine Kehrtwende bei der Pflegefachkräfte wieder diese Tätigkeiten übernehmen müssen. Der tatsächliche Bedarf muss auch Grundlage einer zukünftigen Pflegebudgetverhandlung sein. Dieser Bedarf wird sich sehr klinikindividuell darstellen. Daher ist auch hier Vorsicht geboten damit Bedarf und Untergrenze nicht gleichgesetzt wird.

Um eine valide Personalbemessung zu erarbeiten braucht es eine wissenschaftliche Herangehensweise unter Einbezug von Experten. Diese Experten können Pflegedirektionen, Pflegedienstleitungen, Stationsleitungen und Pflegefachkräfte sein. Es geht um Patientensicherheit und die Interessen dieser Pflegefachkräfte. Wer, außer der Berufsgruppe selbst, kann den pflegerischen Bedarf für Patienten beurteilen.

Ja, wir haben unsere Vertreter in Form von Berufsverbänden und Gewerkschaften und demnächst vielleicht auch in Form einer Bundes­pflege­kammer. Aufgrund der frühen „Schwangerschaftswoche“ der Pflegekammer, verzichte ich aber noch darauf diese mit aufzuzählen. Leider hat meine Berufsgruppe es immer wieder versäumt selbst ausreichend aktiv zu werden. Die Zahl der Pflegefachkräfte, die in Berufsverbänden oder Gewerkschaften organisiert sind, ist im Vergleich zur Gesamtzahl aller Pflegefachkräfte überschaubar geblieben. Daher mögen mir diese Organisationen verzeihen, wenn ich Sie als alleinige Vertreter nicht gelten lassen kann. Nein, auch ich gehöre keinem Verband oder Gewerkschaft an.

Und lieber Pflegerat, ihr habt uns schon PKMS eingebrockt. Wir brauchen jetzt bestimmt nicht die PPR 2.0.

Um eine valide Personalbemessung zu erarbeiten braucht es Zeit. Diese Zeit benötigen wir ebenso für die Ausbildung und für das Recruiting von Fachkräften.
Herrn Spahn stellte bereits fest, dass er nicht mit einer schnellen Verbesserung der Situation für Patienten und Pflegefachkräfte rechnet. Warum werden dann trotzdem Krankenhäuser für einen Mangel bestraft, den sie nicht verursacht haben, den sie beim aktuellen Mangel an Fachkräfte auch nicht beheben können. Die Konsequenz daraus ist, Abteilungen und ganze Krankenhäuser werden in die Knie gezwungen.

Schneller hat das Kliniksterben noch niemand reformiert.

Dies geschieht auf dem Rücken der Patienten und den Pflegefachkräften für die Herr Spahn eigentlich die Situation verbessern möchte.

Ein sofortiges Aussetzen der PPUGV und der damit verbundenen Sanktionsverordnung ist der einzig richtige Schritt.
LNS

Nachrichten zum Thema

14. Juni 2019
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Versorgung von Frühgeborenen akut gefährdet. Grund sind die Pflegepersonalanforderungen auf den neonatologischen Intensivstationen zum 1.
Krankenhäuser wollen Lockerung der Personalvorgaben für Frühgeborenenversorgung
14. Juni 2019
Berlin – Mehrere große Pflegeanbieter und -verbände haben heute einen bundesweiten Arbeitgeberverband gegründet. Mit der neuen Bundesvereinigung Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) werde die
Pflegeanbieter rufen bundesweiten Arbeitgeberverband ins Leben
13. Juni 2019
Hamburg/München – Wie viele Pflegekräfte im Krankenhaus auf einer Station eingesetzt werden müssen, ist seit Anfang des Jahres genau vorgeschrieben. Die Krankenhäuser in Deutschland beklagen sich
Krankenhäuser klagen über Bürokratie durch Pflegeuntergrenzen
12. Juni 2019
Berlin – Derzeit führen die Pflegepersonaluntergrenzen in Deutschland auch zu einer Absenkung des Personalschlüssels in der Intensivmedizin. Darauf hat der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft
Pflegepersonaluntergrenzen führen zu Absenkung des Personalschlüssels
11. Juni 2019
Berlin – Die Ersatzkassen in Deutschland haben ein Konzept zur betrieblichen Gesund­heits­förder­ung in den Pflegeberufen entwickelt. Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland, die
Kassen wollen Gesundheit in Pflegeberufen verbessern
4. Juni 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franzisky Giffey (beide SPD) haben heute in Berlin die Ergebnisse der sogenannten
Konzertierte Aktion Pflege legt Abschlussbericht vor
4. Juni 2019
Berlin – In psychiatrischen Kliniken ist mehr therapeutisches Personal notwendig. Dafür hat sich die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) ausgesprochen. Die stationäre Versorgung von Menschen mit
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER