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Politik

Kliniken drängen auf neue Regeln für Personaluntergrenzen

Freitag, 24. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die derzeitigen Regeln für Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) sind untaug­lich. Dieses Fazit hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nach einer Aus­wertung des ersten Quartals mit den PPUG gezogen.

„Die Krankenhäuser, die Mitarbeiter in der Pflege, Verbände und Gewerkschaften sehen in der bestehenden Pflegeuntergrenzenregelung kein zukunftsfähiges Konzept. Wir brauchen eine Personalbemessung die sich am Bedarf für eine qualitativ hochwer­tige Pflege orientiert“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

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Er bezog sich damit auf Daten zu den PPUG des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus. Die Auswertung umfasst mehr als 23.000 Datensätze aus rund 3.860 Stationen in 803 meldepflichtigen Krankenhäusern.

„Viele Kliniken melden, dass sie die Vorgaben zum Teil nur durch Einschränkungen von Behandlungen insbesondere durch Stilllegung von Intensivversorgungsplätzen erreichen konnten“, sagte Gaß. Übereinstimmend hätten alle Kliniken zudem „die extrem hohe Bürokratielast“ beklagt. 

„Diese Mängel des bestehenden Systems können nur durch eine konzeptionelle Neu­orientierung beseitigt werden“, sagte der DKG-Präsident. Notwendig sei ein Konzep­tionswechsel hin zu Anhaltszahlen, bei der das ganze jeweilige Haus im Mittelpunkt der Betrachtung stehe. „Die DKG hat mit den Verbänden der Pflege und den Gewerk­schaften ihre Bereitschaft zur Erarbeitung eines solchen Konzeptes erklärt“, betonte Gaß.

Die Pflegepersonaluntergrenzen gelten seit Januar dieses Jahres in den Abteilungen Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. Sie schreiben eine Min­dest­zahl an Pflegekräften pro Patient vor. In der Intensivmedizin darf eine Pflegekraft in der Tagschicht zum Beispiel nicht mehr als 2,5 Patienten betreuen.

Erhebliche Probleme bei der Umsetzung wurden auch gestern auf dem Hauptstadt­kongress Medizin in Berlin deutlich: Sie habe schon davon gehört, dass es in Kran­ken­häusern Verlegungen von Patienten gebe, um die ab Mitternacht geltenden Grenz­werte einzuhalten, sagte die Pflegedirektorin des Alexianer Clemenshospitals Münster, Beate Mens. Auch Pflegekräfte würden zwischen den Stationen verschoben. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #802897
T30317378
am Sonntag, 8. Dezember 2019, 13:22

Köpfe zählen?

Wo sollen denn die Pflegekräfte herkommen, die gefordert werden?
Die ganze Diskussion zeigt doch nur, dass der Mangel da ist. Von 40 Azubis schaffen doch nur knapp 20 die Ausbildung. Also liegt doch die Ursache weit vor der Ausbildung im Schulleben.
Wie kann man für mehr PK sorgen, wenn die Köpfe gar nicht vorhanden sind.
Gleiches Problem: Hebammen.
Da wird die Ausbildung verlängert, um den Mangel zu beseitigen. Kann man denn an den Schreibtischen nicht rechnen?
Längere Ausbildung bringt doch nicht schnell Hebammen an die Basis.
Wenn man Bewerbungsgespräche für den Pflegeberuf begleitet bekommt man schon Bauchschmerzen, wer da alles antritt. Traurig.
Ich finde übrigens, dass auch in der Kinderkrankenpflege Untergrenzen nicht stimmen!
Das ist doch auch ein sehr sensibler und intensiver Bereich.
Avatar #772350
D. Teichmann
am Sonntag, 26. Mai 2019, 14:46

PPUGV = aktive Sterbehilfe an Krankenhäusern?

Was hat die PPUGV für die Pflegefachkräfte am Bett gebracht?
Leider kann mir diese Frage auch im 2. Quartal der PPUGV niemand beantworten.

Was hat die PPUGV für die Leitungskräfte auf den sog. pflegesensitiven Stationen gebracht?
Starre Planungssysteme die nichts mit dem tatsächlichen Pflegeaufwand ihrer Abteilung zu tun haben.
Viel Bürokratie und "Glaskugelleserei", um den Monatsverlauf der Belegung und der krankheitsbedingten Ausfälle vorherzusagen.

Was hat die PPUGV bisher für mich gebracht?
Auch hier viel Bürokratieaufwand für das tägliche Monitoring und das daraus abgeleitete Controlling. Nicht refinanzierte Kosten und viele Arbeitsstunden.

Bitte verzeihen Sie mir die vielleicht etwas unsachliche Einleitung. Aber meine Berufsgruppe spricht „Emotional“. Als gelernte Pflegefachkraft kann ich mich nicht immer davon lossagen.

Als Pflegedienstleitung stimme ich Herrn Gaß zu, wir brauchen eine Personalbemessung, die sich am Bedarf orientiert. Sie muss jedoch in ausreichender Weise auch alle anderen Berufsgruppen, wie z.B. Med. Fachangestellte oder hauswirtschaftliche Mitarbeiter berücksichtigen. In den letzten 20 Jahren wurden viele patientenferne Tätigkeiten aus dem Pflegeberuf verlagert. Die derzeitige PPUGV und die viel zu kurz gedachte Finanzierung provoziert eine Kehrtwende bei der Pflegefachkräfte wieder diese Tätigkeiten übernehmen müssen. Der tatsächliche Bedarf muss auch Grundlage einer zukünftigen Pflegebudgetverhandlung sein. Dieser Bedarf wird sich sehr klinikindividuell darstellen. Daher ist auch hier Vorsicht geboten damit Bedarf und Untergrenze nicht gleichgesetzt wird.

Um eine valide Personalbemessung zu erarbeiten braucht es eine wissenschaftliche Herangehensweise unter Einbezug von Experten. Diese Experten können Pflegedirektionen, Pflegedienstleitungen, Stationsleitungen und Pflegefachkräfte sein. Es geht um Patientensicherheit und die Interessen dieser Pflegefachkräfte. Wer, außer der Berufsgruppe selbst, kann den pflegerischen Bedarf für Patienten beurteilen.

Ja, wir haben unsere Vertreter in Form von Berufsverbänden und Gewerkschaften und demnächst vielleicht auch in Form einer Bundes­pflege­kammer. Aufgrund der frühen „Schwangerschaftswoche“ der Pflegekammer, verzichte ich aber noch darauf diese mit aufzuzählen. Leider hat meine Berufsgruppe es immer wieder versäumt selbst ausreichend aktiv zu werden. Die Zahl der Pflegefachkräfte, die in Berufsverbänden oder Gewerkschaften organisiert sind, ist im Vergleich zur Gesamtzahl aller Pflegefachkräfte überschaubar geblieben. Daher mögen mir diese Organisationen verzeihen, wenn ich Sie als alleinige Vertreter nicht gelten lassen kann. Nein, auch ich gehöre keinem Verband oder Gewerkschaft an.

Und lieber Pflegerat, ihr habt uns schon PKMS eingebrockt. Wir brauchen jetzt bestimmt nicht die PPR 2.0.

Um eine valide Personalbemessung zu erarbeiten braucht es Zeit. Diese Zeit benötigen wir ebenso für die Ausbildung und für das Recruiting von Fachkräften.
Herrn Spahn stellte bereits fest, dass er nicht mit einer schnellen Verbesserung der Situation für Patienten und Pflegefachkräfte rechnet. Warum werden dann trotzdem Krankenhäuser für einen Mangel bestraft, den sie nicht verursacht haben, den sie beim aktuellen Mangel an Fachkräfte auch nicht beheben können. Die Konsequenz daraus ist, Abteilungen und ganze Krankenhäuser werden in die Knie gezwungen.

Schneller hat das Kliniksterben noch niemand reformiert.

Dies geschieht auf dem Rücken der Patienten und den Pflegefachkräften für die Herr Spahn eigentlich die Situation verbessern möchte.

Ein sofortiges Aussetzen der PPUGV und der damit verbundenen Sanktionsverordnung ist der einzig richtige Schritt.
LNS

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