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Medizin

Erhöhter Blutdruck und Blutzucker für die meisten AV-Blocks verantwortlich

Montag, 27. Mai 2019

/Syda Productions, stock.adobe.com

San Francisco – Chronische Herzinsuffizienz und Herzinfarkt waren neben Alter und männlichem Geschlecht in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit dem höchsten Risiko auf einen AV-Block zweiten oder dritten Grades verbunden. Die wichtigste Ursache der Herzrhythmusstörung, die für einen Großteil der Implantationen von Herzschrittmachern verantwortlich ist, könnten nach einer Studie in JAMA Network Open (2019; 2: e194176) jedoch der zu hohe Blutdruck und der zu hohe Blutzucker in weiten Teilen der Bevölkerung sein.

Der Mini-Finland Health Survey hat zwischen 1978 und 1980 eine repräsentative Stichprobe der über 30-Jährigen untersucht. Die Teilnehmer wurden nicht nur zu ihren Krankheiten befragt. Es wurden auch Größe und Gewicht bestimmt und einfache medizinische Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehörten Labortests zu Blutzucker und Blutfetten. Außerdem wurde der Blutdruck bestimmt und ein EKG durchgeführt.

Ein Team um Gregory Marcus von der Universität von Kalifornien in San Francisco hat jetzt in einem nationalen Klinikregister ermittelt, dass 58 der 6.146 Teilnehmer (0,9 %) bis April 2018 wegen einer neu diagnostizierten atrioventrikulären Weiterleitungsstörung (AV-Block zweiten oder dritten Grades) im Krankenhaus behandelt wurden.

Ein AV-Block ist eine häufige Herzrhythmusstörung. Sie führt typischerweise zu einer Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardie). Die Folgen sind eine Minderdurchblutung des Gehirns (Symptome: Ermüdbarkeit, Schwindel, kognitive Störungen) und eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit. Die Behandlung besteht in der Regel in der Implantation eines Herzschrittmachers.

Die Forscher haben jetzt untersucht, welche Befunde bei der Erstuntersuchung mit einem erhöhten Risiko verbunden waren. Auf der Ebene des EKGs waren dies die typischen Vorläuferbefunde wie ein langes PR-Intervall (Hazard Ratio pro Anstieg um 10 ms: 1,27), eine längere QRS-Zeit (Hazard Ratio pro 10 ms: 1,45), Rechtsschenkelblock (Hazard Ratio 33,32) und Linksschenkelblock (Hazard Ratio 23,16).

Die häufigsten Vorerkrankungen waren ein Herzinfarkt (Hazard Ratio 3,54) und eine chronische Herzinsuffizienz (Hazard Ratio 3,33). Die Studie bestätigt zudem, dass Männer doppelt so häufig erkranken wie Frauen (Hazard Ratio 2,04) und dass das Alter seinen Tribut fordert (Hazard Ratio pro 5-Jahres-Abschnitt: 1,34).

Weitere Risikofaktoren waren ein erhöhter systolischer Blutdruck (Hazard Ratio 1,22) und ein erhöhter Nüchternblutzucker (Hazard Ratio 1,22). Da viele Finnen (wie andere Europäer auch) im Alter einen erhöhten Blutdruck und zunehmend viele auch einen erhöhten Blutzucker haben, war der Einfluss der beiden Faktoren auf Bevölkerungsebene größer als der von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz.

Marcus ermittelt ein attributables Risiko (population-attributable Risk) von 47 % für den erhöhten Blutdruck und von 11 % für einen erhöhten Blutzucker. Diese beiden Störungen könnten demnach für mehr als die Hälfte aller AV-Blocks verantwortlich sein. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker die Zahl der AV-Blocks deutlich senken könnte. Beweisen kann die Studie dies allerdings nicht. Es bleibt möglich, dass erhöhter Blutdruck und erhöhter Blutzucker Marker für andere Störungen sind, die in der Studie nicht erfasst wurden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #26589
nordman
am Dienstag, 28. Mai 2019, 00:18

Attributables Risiko?

...das höchste Unfallrisiko besteht auf Bevölkerungsebene vermutlich für Personen mit Führerschein und eigenem KFZ....
Die Schlagzeile ist doch wohl ganz großer Unsinn bzw. völlig praxisirrelevant! Ein exzellentes Beispiel wie Assoziation und Kausalität ("Diese beiden Störungen könnten demnach für mehr als die Hälfte aller AV-Blocks verantwortlich sein.") verwechselt werden...
LNS

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