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Politik

Die Pflege muss aus der Opferrolle herauskommen

Montag, 27. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die Geschäftsführerin für die Bereiche Finanzen und Infrastruktur des Klinikums Region Hannover (KRH), Barbara Schulte, hat angekündigt, die Zahl der Pflegekräfte, die von Zeitarbeitsfirmen vermittelt werden, in ihrem Krankenhaus zu reduzieren.

„Wir müssen heute Betten und ganze Stationen schließen, weil wir nicht genügend Pfle­ge­kräfte haben“, sagte Schulte in der vergangenen Woche auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. „Deshalb holen wir Zeitarbeitskräfte, die uns dann jedoch unsere ganzen Dienste diktieren. Und unsere eigenen Pflegekräfte müssen dahinter zurücktreten. Das dürfen wir nicht zulassen.“

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In der Vergangenheit sei den Pflegekräften eine zu hohe Interdisziplinarität zugemutet worden, so Schulte. Zudem seien Pflegekräfte zu oft aus der Freizeit geholt worden. Die Folge sei ein enormes Wachstum von Zeitarbeitsfirmen. „Wir werden die Zeitarbeit jetzt sehr stark herunterfahren und schauen, welche Leistungen wir mit unseren eigenen Pflegekräften schaffen“, erklärte Schulte.

Zudem müsse man in den Krankenhäusern schauen, wie Ärzte und Pflegekräfte wieder besser zusammenarbeiten könnten. Denn das Zusammenspiel zwischen diesen beiden Berufsgruppen sei in den vergangenen Jahren – aufgrund des hohen Drucks bei der Arbeit – weit auseinandergegangen. In diesem Zusammenhang meinte Schulte, dass es sehr wichtig sei, dass die Pflege aus ihrer „Opferrolle“ herauskomme und die aktuelle politische Lage nutze, um sich neu aufzustellen.

Augurzky: Pflegekräften sollen Rezepte ausstellen

Auch der Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirt­schafts­­forschung meinte: „Es ist ganz klar: Wir müssen die Pflege stärken. Die Frage ist nur: Wie tue ich das?“. Die von der Bundesregierung beschlossene vollständige Refinanzierung von Pflegestellen durch die Krankenkassen sei der falsche Weg.

„Bei der Selbstkostendeckung setze ich den Preis für die Pflege auf null“, sagte Augurz­ky. „Pflegekräfte zu beschäftigen, kostet mich als Krankenhaus jetzt nichts. Das bedeu­tet, dass Pflegekräfte billiger sind als Hilfskräfte.“ Und so würden sie dann auch im Krankenhaus eingesetzt werden. Dadurch werde nicht erreicht, dass die Pflege inhaltlich gestärkt wird.

Augurzky forderte, dass Pflegekräfte mehr Verantwortung in ihrem Beruf erhalten müss­ten. „Warum sollte eine Pflegekraft nicht auch ein Rezept ausstellen können?“, fragte er. „In Kanada dürfen Pflegekräfte eine Praxis aufmachen und Rezepte ausstellen. Das ist der Weg, den wir gehen müssen.“ Dazu gehöre auch die Akademi­sierung.

Schulte vom KRH zeigte sich überzeugt davon, dass es künftig nicht ausreichend Pfle­gekräfte geben werde, um den Bedarf zu decken. „Wir müssen uns deshalb damit be­schäftigen, wie wir mit weniger Personal auskommen können“, meinte sie. „Dabei kann die Digitalisierung ebenso helfen wie ein Rückgang der bürokratischen Aufgaben.“ © fos/aerzteblatt.de

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