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Medizin

Asthma: Antikörper, der Proteinkristalle auflöst, könnte Schleimproduktion vermindern

Dienstag, 28. Mai 2019

/psdesign1, stock.adobe.com

Ghent Belgische Forscher haben einen Antikörper entwickelt, der die Charcot-Leyden-Kristalle auflöst, die sich beim Asthma bronchiale in der Schleimhaut bilden. Bei einem Mäusemodell der Erkrankung verminderte die Behandlung laut einem Bericht in Science (2019; 364: eaaw4295) die Schleimproduktion.

Im Jahr 1853 fertigte der Pariser Nachwuchsarzt Jean-Martin Charcot, später einer der führenden Mediziner des Jahrhunderts, detaillierte Skizzen von Bipyramidkristallen an, die er im Auswurf von Asthmapatienten entdeckt hatte. Der Internist Ernst Viktor von Leyden, ebenfalls einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, bestätigte 1872 die Beobachtung. Die Charcot-Leyden-Kristalle wurden zum Lehrbuchwissen – dem heute wenig Bedeutung beigemessen wird. Sie gelten heute als Marker für eosinophile Entzündungen ohne speziellen Krankheitswert. 

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Im Jahr 1993 wurde entdeckt, dass die Kristalle aus Galectin-10 bestehen, einem der häufigsten Glykoproteine in eosinophilen Granulozyten, die offenbar beim Zerfall der Zellen freigesetzt werden, vielleicht aber ein Bestandteil der Immunabwehr dieser Zellen sind.

Die Kristalle bleiben nach einem Entzündungsschub über längere Zeit im Gewebe nachweisbar. Da sie wie die Uratkristalle bei der Gicht im Prinzip das Gewebe schädigen können, hat ein Team um Bart Lambrecht von der Universität Ghent die medizinische Bedeutung der Kristalle neu untersucht. 

Die Forscher bauten das Gen für Galectin-10 in das Erbgut von E. coli ein, um größere Mengen des Proteins zu produzieren. Im Labor erzeugten sie Kristalle, die in ihrer Struktur mit den Charcot-Leyden-Kristallen identisch waren. Im nächsten Schritt wurden die Kristalle in die Atemwege von Mäusen eingebracht. Es kam zu einer asthma­ähnlichen Entzündung mit einer vermehrten Schleimproduktion. Diese Entzündungs­reaktion blieb aus, wenn die Tiere mit einer Variante von Galectin-10 exponiert wurden, die keine Kristalle bildet.

Die Forscher haben dann in Lamas einen Antikörper erzeugt, der im Labor in der Lage war, die Kristalle innerhalb weniger Minuten aufzulösen. Die Behandlung von Mäusen, in denen eine menschliche Asthmaerkrankung nachgestellt wurde, führte zu einer starken Verringerung der Entzündungsreaktion in den Atemwegen und einer verminderten Schleimproduktion.

Die Experimente werfen ein neues Licht auf die Pathogenese der Erkrankung. Die vermehrte Mukusproduktion könnte der Versuch des Körpers sein, die störenden Charcot-Leyden-Kristalle zu eliminieren. Sollte diese Hypothese zutreffen, dann könnte eine Behandlung mit dem Antikörper die Mukusproduktion senken und damit die Symptome der Patienten lindern. Es bleibt abzuwarten, ob dieser therapeutische Ansatz von der Arzneimittelforschung aufgegriffen wird. © rme/aerzteblatt.de

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