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Medizin

American-Foot­ball-Profis sterben früher

Mittwoch, 29. Mai 2019

/dpa

Boston – Profis der US National Football League (NFL) haben nach einer Kohorten­studie in JAMA Network Open (2019; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2019.4223) eine kürzere Lebenserwartung als ihre Kollegen von der US Major League Baseball (MLB). Neben einer erhöhten Mortalität an neurodegenerativen Erkrankungen war auch die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Football ist eine Kontaktsportart, bei der es nicht gerade zimperlich zugeht. Um dem Gegner den Ball abzunehmen, sind allerlei Rempeleien erlaubt, die auch den Kopf nicht aussparen. Beim „Spearing“, das in der Profiliga mittlerweile verboten ist, wird sogar der Kopf als Angriffswaffe genutzt, um den Gegner mit einem körpereigenen „Schwert“ zu Boden zu stoßen. Zwar tragen alle Spieler einen Helm, jüngere Unter­suchungen haben jedoch ergeben, dass die Spieler ein erhöhtes Risiko auf neurode­generative Erkrankungen haben.

Die Risiken wurden zuletzt durch eine Studie infrage gestellt, die den Footballspie­lern eine niedrigere Mortalität als dem Bevölkerungsdurchschnitt bescheinigt. Dabei handelt es sich nach Einschätzung von Marc Weisskopf von der Chan School of Public Health in Boston jedoch um einen „Healthy-Worker-Effekt“: Um Footballprofi zu werden, benötigt man insgesamt eine überdurchschnittliche körperliche Konsti­tution. Dies schließt jedoch nicht aus, dass der Sport an sich die Gesundheit gefähr­det.

Für eine fairere Beurteilung hat ein Team um Weisskopf jetzt die Sterbedaten von Football- und Baseballprofis verglichen, die ebenfalls zu Beginn ihrer Karriere über eine überdurchschnittliche körperliche Konstitution verfügen. Die Lebensdaten zu den Footballspielern entnahmen die Forscher den Archiven eines Pensionsfonds. Die Sterbedaten der Baseballspieler fanden sie in der Datenbank des Sportreporters Sean Lahman zu allen Spielern, die jemals an einem Profispiel teilgenommen haben. Die Analyse wurde auf Spieler begrenzt, die an wenigstens 5 Saisons teilgenommen hatten (dies ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in den NFL-Pensionsfonds)

Von den 3.419 NFL-Profis sind bisher 517 im Durchschnittsalter von 59,6 Jahren gestorben. Von den 2.708 MLB-Spielern starben 431 im Alter von durchschnittlich 66,7 Jahren. Diese Zahlen geben zwar nicht die Lebenserwartung wieder, da die meisten Profis noch am Leben sind. Sie deuten jedoch auf einen Überlebensnachteil der Footballprofis hin, der sich in der weiteren Analyse bestätigte.

Weisskopf ermittelt für die NFL-Profis eine im Vergleich zu den MLB-Spielern fast 3-fach höhere Wahrscheinlichkeit, an einer neurodegenerativen Erkrankung zu sterben (Hazard Ratio 2,99; 95-%-Konfidenzintervall 1,64-5,45). Hinzu kam überraschender­weise ein fast 2,5-fach erhöhtes Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben (Hazard Ratio 2,40; 2,03-2,84).

Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko lässt sich kaum auf körperliche Belastungen zurückführen, da Herz und Kreislauf beim American Football in ähnlicher Weise beansprucht werden wie beim Baseballspiel. Footballspieler sind jedoch muskulöser als Baseballspieler. Ihr BMI ist höher, was im späteren Alter (wenn die Muskelmasse infolge von Inaktivität bei gleich bleibender Kalorienzufuhr durch Fettgewebe ersetzt wird) die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas fördert. Sportbedingte Gelenkverletzungen könnten eine ähnliche Wirkung haben.

Bezogen auf die Gesamtgruppe könnten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar das größere Zusatzrisiko für Ex-Footballspieler sein. Nach Berechnungen von Weisskopf sterben von 1.000 NFL-Profis bis zum 71. Lebensjahr 52 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenüber 48 MLB-Spielern. Bei den neurodegenerativen Erkrankungen sind es 2 von 1.000 NFL-Profis gegenüber einem von 1.000 MLB-Spielern. © rme/aerzteblatt.de

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