NewsPolitikEinsatz von Antibiotika in der Tierzucht nur teilweise zurückgegangen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht nur teilweise zurückgegangen

Mittwoch, 29. Mai 2019

/dpa

Berlin – Die Reform des Arzneimittelgesetzes vor fünf Jahren hat den Einsatz von Antibiotika in den deutschen Ställen nur zum Teil verringern können. In der Geflügel­aufzucht werden für Menschen wichtige Wirkstoffe weiterhin in großer Menge einge­setzt, wie aus einem Evaluierungsbericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervorgeht. Diese Mittel gelten aber als letzte Reserve für lebensbedrohlich erkrankte Menschen. Zuerst hatten Süddeutsche Zeitung und NDR darüber berichtet.

Dem Evaluierungsbericht zufolge ging der Antibiotikaeinsatz bei Schweinen und Fer­keln vom zweiten Halbjahr 2014 bis zum zweiten Halbjahr 2017 um mehr als 40 Pro­zent zurück – von knapp über 200 Tonnen auf rund 112 Tonnen. Bei Hühnern und Pu­ten sowie bei Kälbern blieben die verabreichten Mengen hingegen fast unverändert. Problematisch ist, dass rund 40 Prozent der beim Geflügel eingesetzte Menge an Antibiotika zu den Reserveantibiotika gehört.

Anzeige

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, hob hervor, dass die Therapiehäufigkeit in großen Betrieben laut Evaluierungsbericht höher sei als in kleinen und mittleren Betrieben. „Die Entwicklung in der Landwirtschaft, dass kleine Betriebe zumachen und die großen Betriebe immer mehr Tiere halten, wirkt dem Reduktionsziel also entgegen“, sagte er.

„In der intensiven Agrarindustrie leben die Tiere in drangvoller Enge, ohne Einstreu, ohne Beschäftigung und ohne Zugang nach draußen auf ihren eigenen Exkrementen.“ Das sei der Grund, weshalb sie so häufig mit Antibiotika behandelt werden müssten, kritisierte Ostendorff. Die intensive Tierhaltung mache die Tiere krank. Der Grünen-Politiker forderte einen grundlegenden Wandel in der Tierhaltung.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium verwies heute darauf, dass der Evaluierungs­bericht vor der Verabschiedung im Bundeskabinett nicht offiziell veröffentlicht werde. Damit sei im Juni zu rechnen. Aus den Ergebnissen des Berichts „werden wir gege­benenfalls gesetzgeberische Schlussfolgerungen ziehen“, kündigte ein Sprecher von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) an.

Zu viel Antibiotika habe in Ställen und vor allem in den Tieren nichts zu suchen, beton­te der Sprecher. Das Ministerium arbeite intensiv an der Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung. Insgesamt ist der Einsatz der Medikamente in Deutschland bereits gesunken von 2011 bis 2017 um 57 Prozent auf 733 Tonnen. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #73846
Titania Vertrieb
am Montag, 3. Juni 2019, 15:12

Ergebnisse Evaluierungsbericht Bundeslandwirtschaftsministerium weiter verdeckt

der früheren pfälzischen Weinkönigin Julia Klöckner gelingt es immer wieder, in Tradition des Vorgängers aus Cadolzburg ( Franken) Clyphosat Christian Schmidt, die Bevölkerung an der Nase herumzuführen. Seit Jahrzehnten sind die menschenverachtenden Praktiken der Massentierhalter zu Lasten der kleinen und mittleren Betriebe selbst jedem Laien bekannt.
LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juli 2020
Köln – Die Kombination der beiden Wirkstoffe Ceftolozan und Tazobactam erweitert das Spektrum der Antibiotikatherapie bei Erwachsenen mit schweren Infektionen in Lunge, Harnwegen, Nierenbecken und
Kombination von Ceftolozan mit Tazobactam erweitert Antibiotikatherapie
2. Juli 2020
Oakland/Kalifornien – Werden die Risiken von Makrolid-Antibiotika weiter unterschätzt? Obwohl seit langem bekannt ist, dass die Mittel über eine Verlängerung des QT-Intervalls das Risiko auf tödliche
Studie: Azithromycin kann Herz-Kreislauf-Todesfälle provozieren
16. Juni 2020
Baltimore − Eine Behandlung mit dem Antibiotikum Doxycyclin, das über eine Inhibition der Matrix-Metallopeptidasen das weitere Wachstum eines Bauchaortenaneurysmas hemmen soll, hat sich in einer
Studie: Doxycyclin kann Vergrößerung eines Bauchaortenaneurysmas nicht aufhalten
9. Juni 2020
Genf – Die Antibiotikatherapie einer unkomplizierten Bakteriämie mit gramnegativen Erregern kann ohne Nachteile für den Patienten von 14 auf 7 Tage verkürzt werden. Dies kam in einer randomisierten
Bakteriämie: CRP-Wert kann Dauer der Antibiotikatherapie steuern
3. Juni 2020
Bristol − Die Bemühungen des National Health Service (NHS), den Einsatz von Antibiotika in der hausärztlichen Versorgung zu verringern, hat laut einer Studie in PLOS ONE (2020; DOI:
Großbritannien: Verminderte Antibiotikaverordnung senkt Häufigkeit bestimmter Resistenzen
2. Juni 2020
Genf – Laut der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) überwacht mittlerweile eine Rekordzahl von Ländern Antibiotikaresistenzen und erstattet darüber Bericht. Aus den von ihnen vorgelegten Daten geht
Antibiotikaresistenzen weltweit auf dem Vormarsch
29. Mai 2020
Berlin – Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sollen interdisziplinäre Teams aus Ärzten und Apothekern an Krankenhäusern passende Strategien entwickeln. Das ist eine Empfehlung der Kommission
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER