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Steuern, Werbeverbot und Nutri-Score gegen Diabetes-Tsunami

Mittwoch, 29. Mai 2019

/dpa

Berlin – Heute gibt es sieben Millionen Diabetiker, in 20 Jahren könnten es zwölf Millionen sein. Die Expertenprognosen sind düster. Dabei wäre ein Großteil der Typ-2-Diabeteserkrankungen nach Auffassung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) vermeidbar.

Die Erkrankung könne vermieden werden, wenn es gelänge, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Menschen besser ernährten und weniger übergewichtig seien, sagte DDG-Präsident Dirk Müller-Wieland heute anlässlich des Auftaktes des dies­jäh­rigen Diabeteskongresses in Berlin. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre der DDG zufolge die Einführung des Nutri-Scores zur Kennzeichnung von Lebensmitteln.

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Um den Diabetes-Tsunami noch zu stoppen, sei die unmittelbare Umsetzung verhält­nis­­präventiver Maßnahmen erforderlich, die die DDG schon seit Längerem fordert. Dazu gehören eine steuerliche Belastung adipogener und eine Entlastung nährwert­güns­tiger Lebensmittel, ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung und eine für Verbraucher verständliche Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebens­mittelverpackungen. Bei letzterer spricht sich die DDG für den Nutri-Score aus und kritisiert Bestrebungen eines möglichen deutschen Sonderweges.

Bei der Anwendung des Nutri-Scores wird für jedes Lebensmittel aus eher günstigen Inhaltsstoffen wie Obst, Gemüse und Ballaststoffen und eher ungünstigen Inhalts­stoffen wie Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren ein Gesamtpunktwert ermittelt, der Score.

„Je nachdem, wie dieser Wert ausfällt, wird das Produkt auf der Vorderseite der Ver­packung gut sichtbar mit einem Buchstaben und einer von fünf Farben gekennzeich­net“, erklärte Müller-Wieland. Anders als beim bisherigen Kleingedruckten auf der Rückseite könne mit dem Nutri-Score jeder Mensch unabhängig von Sprachkennt­nissen und Bildungsstand den Unterschied zwischen dem dunkelgrünen A – für sehr günstige Lebensmittel – und dem roten E – für sehr ungünstige Nahrungsmittel – erkennen.

„Doch die dazu notwendigen Maßnahmen muss die Politik jetzt durchsetzen“, mahnte der Diabetologe. Statt den wissenschaftlich geprüften und europaweit anerkannten Nutri-Score einzuführen, hat das deutsche Ministerium für Ernährung und Landwirt­schaft (BMEL) nun jedoch ein eigenes System ins Spiel gebracht.

Das jetzt durch das Max-Rubner-Institut (MRI) vorgestellte Kennzeichnungssystem hält die DDG für wenig überzeugend. Sie kritisiert vor allem die fehlende farbliche Markierung, die laut MRI-Aussagen das Merkmal ist, das dem Verbraucher hilft, die Höhe der Nährstoffgehalte besonders leicht einzuschätzen. „Der Nutri-Score hat seine Wirksamkeit wissenschaftlich bewiesen und ist sofort ein­setzbar“, sagte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

In Frankreich etwa ist der Nutri-Score bereits etabliert: Tests haben gezeigt, dass Menschen nach seiner Einführung weniger ungesunde und mehr gesunde Produkte kauften. Die Nährwert­qualität verbesserte sich dadurch um durchschnittlich sechs bis neun Prozent. Das überzeugte auch Belgier, Spanier, Portugiesen und Luxemburger. Sie alle planen, den Nutri-Score ebenfalls einzuführen. © nec/aerzteblatt.de

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