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Vermischtes

Ruf nach Werbeverbot für Tabak- und E-Zigaretten

Donnerstag, 30. Mai 2019

/dpa

Berlin – Kinder sollten vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere geschützt und Rauchern sollte der Ausstieg aus der Nikotinsucht erleichtert werden. Darauf hat die Deutsche Herzstiftung hingewiesen. Sie appellierte anlässlich des morgigen Weltnicht­rauchertags für ein vollständiges Werbeverbot für Tabak- und E-Zigaretten.

„120.000 vorzeitige und vermeidbare Todesfälle pro Jahr in Deutschland durch den Tabakkonsum sollten Grund genug dafür sein, die Werbung für dieses todbringende Produkt zu untersagen, wie es bereits alle anderen EU-Staaten getan haben“, sagte  der Kardiologe Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung.

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Zwar trage der Tabakkonsum jährlich etwa 14 Milliarden Euro an Steuern zum Bun­des­haushalt bei. Die volkswirtschaftlichen Schäden lägen aber mit 79 Milliarden Euro um ein Mehrfaches höher.

Die Herzstiftung wies darauf hin, dass es für ein Werbeverbot eine breite Unterstüt­zung in der Bevölkerung gibt. So seien mehr als 70 Prozent der deutschen Bevölke­rung Nichtraucher. In einer Umfrage des Gesamtver­bands der Deutschen Versi­che­rungswirtschaft, die vom Institut Forsa durchgeführt wurde, hätten sich darüber hinaus 69 Prozent der Befragten für ein vollständiges Verbot der Tabak­werbung ausgespro­chen.

Ein Tabakwerbeverbot sei eine Maßnahme für den Gesundheitsschutz der gesamten Bevölkerung – insbesondere aber für den Schutz der Kinder und Jugendlichen, teilte die Herzstiftung mit. Weil längst auch E-Zigaretten besonders von Kindern und Jugend­lichen konsumiert würden, sollte ein umfassendes Werbeverbot neben her­kömmlichen Tabakprodukten auch für E-Zigaretten, E-Tabakerhitzer und sonstige neue E-Nikotinprodukte gleichermaßen gelten.

Suchtexperten warnten vor dem Welttag heute darüber hinaus intensiv vor den Ge­fahren des Rau­chens. Beim Verbrennen von Tabak entstehe ein Gemisch aus mehr als 4.800 Subs­tanzen, sagte zum Beispiel der Geschäftsführer der Landeskoordinie­rungsstelle für Sucht­themen in Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Siedelberg.

Davon seien mindestens 250 giftig oder krebserzeugend. Die Gefahr, an Lungen-, Mund­boden-, Kehlkopf-, Luftröhren- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken, sei des­halb bei Rauchern erhöht. „Da wäre doch der Weltnichtrauchertag ein guter Anlass, die Zigarette in der Schachtel zu lassen und vielleicht nicht nur an diesem Tag.“

Mecklenburg-Vorpommern hat den bundesweit höchsten Raucheranteil an der Bevöl­ke­rung. Laut Statistischem Landesamt rauchen im Nordosten immer noch 27 Prozent der Menschen ab 15 Jahren. Im Vergleich zu 2009 (30,4 Prozent) und 2013 (28,2 Pro­zent) sei das zwar ein Fortschritt, sagte Siedelberg. Doch bundesweit rauchten nur 22 Prozent der Bevölkerung.

E-Zigaretten seien keine gesunde Alternative. Liquids und Verdampfer von E-Ziga­retten seien mutmaßlich häufig mit bakteriellen Giften und Rückständen von Pilzen kontami­niert. Auch dies könne Folgen für die Gesundheit haben. © dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Montag, 23. September 2019, 20:51

Deutschland steht sich wie immer selbst im Weg!

Zitat: „120.000 vorzeitige und vermeidbare Todesfälle pro Jahr in Deutschland durch den Tabakkonsum sollten Grund genug dafür sein, die Werbung für dieses todbringende Produkt zu untersagen, wie es bereits alle anderen EU-Staaten getan haben“
Ok! Dann sollten wir positiver auf die E Zigarette blicken. Außer in den USA, mit dem Verdampfen von Drogen, gab es in Deutschland keine Probleme!
MfG
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Mittwoch, 19. Juni 2019, 10:17

Werbeverbot bitte nicht für harm reduction!

Sehr geehrter Herr Prof. Baethge, sehr geehrter Damen und Herren,


Kinder vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere zu schützen und Rauchern den Ausstieg aus der Nikotinsucht zu erleichtern sind absolut unterstützenswerte Ziele. Die Aussage in diesem Kontext jedoch, dass E-Zigaretten „besonders von Kindern und Jugendlichen“ konsumiert würden, ist falsch. Und die Verknüpfung dieser falschen Behauptung mit der Forderung nach einem Werbeverbot auch für E-Zigarette und Tabakerhitzer ist nicht sinnvoll. Im Gegenteil – sie verhindert, dass Raucher über die Ausstiegsmöglichkeit durch E-Zigaretten und Tabakerhitzer erfahren und deshalb Chancen ungenutzt lassen.

E-Zigaretten und Tabakerhitzer werden zum Großteil von erwachsenen (Ex-)Rauchern genutzt, um von Zigaretten weg zu kommen, und nicht von Jugendlichen bzw. jugendlichen Nichtrauchern, wie von Kritikern oft suggeriert wird. Der Anteil der vormaligen Nichtraucher (inkl. Jugendlicher), die solche Produkte nutzen, liegt gemäß verschiedener Studien im kleinen, einstelligen Prozentbereich. (vgl. u.a. DEBRA-Studie, Prof. Kotz, 2018; Bauld et al., 2017)

Generell führen E-Zigaretten/Tabakerhitzer zum Rückgang des klassischen Rauchens und erhöhen auch nicht die Attraktivität des Rauchens. Sie sollten daher im Sinne der Harm Reduction eingesetzt und von der Politik differenziert reguliert werden. Auch dazu gibt es mittlerweile hinreichend Untersuchungen, die diesen Effekt belegen. (vgl. u.a. Beitrag im Bundesgesundheitsblatt des Bundesinstituts für Risikobewertung (Ende 2018); Hallingberg et al., 2019 – siehe Zitat Prof. J. Britton)

Das eigentliche Problem ist die Fehlinformation der Raucher (und Ärzte), die Produkte wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer für gleich schädlich halten wie Verbrennungszigaretten. Solche Fehlinfos sorgen dafür, dass Raucher E-Zigaretten nicht als Hilfsmittel nutzen, um von Tabak-Zigaretten weg zu kommen, und Ärzte Rauchern solche Produkte nicht empfehlen. (vgl. u.a. Atzendorf et al., 2018; DEBRA, Kotz & Kastaun, 2018; ASH 2018 [Link unten])

Hier drängt sich die Frage auf, wann sich in Deutschland endlich Institutionen der gesundheitlichen Aufklärung (DKFZ, BZgA, usw.) und medizinische Fachgesellschaften an der Korrektur der o.g. Fehlwahrnehmung sichtbar beteiligen, z.B. nach dem Vorbild von Public Health England?

Quellen
DEBRA-Studie, Prof. Kotz, Tabakkontrollkonferenz des DKFZ, DEZ 2018 (www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Deutsche_Konferenzen_fuer_Tabakkontrolle/16_Deutsche_Konferenz_fuer_Tabakkontrolle/Vortrag_Kotz.pdf?m=1545312235)

DEBRA; Kotz & Kastaun, E-Zigaretten und Tabakerhitzer: repräsentative Daten zu Konsumverhalten und assoziierten Faktoren in der deutschen Bevölkerung (die DEBRA-Studie), 2018, Bundesgesundheitsblatt, https://doi.org/10.1007/s00103-018-2827-7

Bauld, L. et al. Int. J. Environ. Res. Public Health (2017) Young People’s Use of E-Cigarettes across the United Kingdom: Findings from Five Surveys 2015–2017 (Link)

Bundesinstitut für Risikobewertung, Beitrag im Bundesgesundheitsblatt (Ende 2018)

Ärzte Zeitung, WHOs "Die or Quit"-Ansatz im Kritikerhagel, 2018 (Link)

Hallingberg et al., 2019 (Link), z.B. Zitat von Prof John Britton, Director of the UK Centre for Tobacco & Alcohol Studies, University of Nottingham (Link zum Science Media Centre)

Atzendorf et al., 2018, Bundesgesundheitsblatt, E-Zigaretten: Einschätzung von Gesundheitsgefahren und Nutzung zur Tabakentwöhnung

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