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Medizin

Ebola-Wirkstoff könnte auch gegen Nipah-Viren helfen

Montag, 3. Juni 2019

Das Nipah-Virus gehört neben dem Lassa-Virus und dem MERS-Coronavirus zu den potenziellen Pandemie-Viren. Gewebeprobe mit einer Nipah-Virus-Infektion (Mikroskopaufnahme) /dpa

Hamilton/Montana – Der experimentelle antivirale Wirkstoff Remdesivir hat in einer tierexperimentellen Studie Affen vor einer tödlichen Infektion mit dem Nipah-Virus geschützt. Die Ergebnisse wurden in Science Translational Medicine publiziert (2019; doi: 10.1126/scitranslmed.aau9242). Remdesivir wird derzeit zur Behandlung chronischer Ebola-Infektionen klinisch getestet.

Das Nipah-Virus wurde erstmals 1999 als Auslöser einer Epidemie unter Schweinehirten in Malaysia identifiziert. Sein natürliches Reservoir sind Flughunde, die in Südasien verbreitet sind. Dort ist es in den letzten Jahren an verschiedenen Orten zu kleineren Epidemien gekommen.

Die Infektiosität des Nipah-Virus ist vermutlich gering, doch bei einer Ansteckung endet die Erkrankung meist tödlich. In Kerala/Indien starben im letzten Jahr 21 von 23 Patienten. Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht. Einzig mit dem Antikörper 102.4, der allerdings noch nicht zugelassen ist, wurden bei Primaten gute Erfahrungen gemacht.

Als weitere Behandlung ist der Wirkstoff Remdesivir (GS-5734) in der Diskussion. Das Prodrug hemmt nach seiner Aktivierung die RNA-Polymerase, die verschiedene RNA-Viren zur Replikation benötigen. Remdesivir könnte ein Breitband-Virostatikum sein, das gleichzeitig gegen Filoviren (Ebola), Coronaviren (SARS/MERS) und Paramyxoviren (Nipah) aktiv ist.

Die Wirksamkeit gegen Ebola wird derzeit in einer Phase 2-Studie in Westafrika an Dauerausscheidern der Ebola-Viren getestet. Den möglichen Einsatz bei Nipah-Viren haben Forscher jetzt in einem Hochsicherheitslabor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Hamilton/Montana untersucht.

Remdesivir-Injektion schützt Grünmeerkatzen nach einer Infektion

Ein Team um Emmie de Wit infizierte 8 afrikanische Grünmeerkatzen, die zu den non-humanen Primaten gehören, mit einer tödlichen Dosis des Nipah-Virus. 4 Tiere erhielten 12 Stunden später eine erste intravenöse Behandlung mit Remdesivir, die täglich über 12 Tage wiederholt wurde. Alle 4 Tiere überlebten die Infektion, während die 4 unbehandelten Tiere der Kontrollgruppe starben.

Alle 4 behandelten Tiere entwickelten IgM-Antikörper, die anzeigen, dass es tatsächlich zu einer Infektion gekommen war. Bei einem Tier war kurzzeitig Virus-RNA im Blut nachweisbar. Bei einem anderen Tier wurde später eine Entzündung des Gehirns diagnostiziert. Bei diesem Tier kam es bis zur Tötung nach 91 Tagen zu einem Anstieg der Antikörperkonzentration im Liquor, was nach Einschätzung von de Wit auf eine persistierende Infektion hindeutet, die jedoch folgenlos blieb. Alle 4 Tiere erholten sich unter der Behandlung mit Remdesivir innerhalb weniger Wochen von der Erkrankung, die symptomarm bis asymptomatisch verlief.

Als nächstes wollen die Forscher an Tieren untersuchen, bis zu welchem zeitlichen Abstand zur Infektion eine Behandlung noch erfolgreich sein kann.

© rme/aerzteblatt.de

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