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Politik

Spahn ruft zum Nachdenken über Organspende auf

Montag, 3. Juni 2019

„Aktion geschenkte Lebensjahre“: Organspenden-Empfänger halten am Tag der Organspende auf einer Bühne in Kiel Schilder mit Zahlen hoch, die zeigen, um wie viele Jahre die Transplantation ihr Leben bis jetzt verlängert hat. /dpa

Kiel – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat den bundesweiten Tag der Organspende als „Tag der Hoffnung“ bezeichnet und zur Auseinandersetzung mit dem Thema aufgerufen. „Wir wollen mehr Menschen dazu bewegen, sich Gedanken über Organspende zu machen“, sagte der Minister.

Er hatte am vergangenen Samstag die zentrale Feier auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel eröffnet. Mehrere Tausend Interessierte kamen nach Angaben der Veranstalter über den Tag verteilt. Einer Umfrage zufolge hält nur die Hälfte der Bundesbürger das Organspendesystem in Deutschland für gerecht. Mehr als ein Drittel halte es sogar für ungerecht, heißt es in der Befragung des Instituts Kantar im Auftrag der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

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Zum Bühnenprogramm in Kiel gehörte auch ein Auftritt des Sängers Michael Schulte, der Deutschland beim Eurovision Song Contest 2018 vertrat und vierter wurde. Außer­dem gab es Infostände, begehbare Organmodelle und einen Spendenlauf zuguns­ten des Netzwerkes Spenderfamilien.

Organempfänger und Angehörige von Organspendern berichteten von ihren berühren­den, dramatischen Erfahrungen. Für die „Aktion geschenkte Lebensjahre“ versammel­ten sich Menschen, die ein Organ erhalten haben, auf der Bühne – zusammen kamen 883 geschenkte Lebensjahre. Sie reichten von einem bis mehr als 30 Jahre.

„Begegnungen mit Organempfängern wie heute in Kiel zeigen: Das Thema Organ­spen­de ist lebenswichtig“, sagte Spahn und appellierte: „Informieren Sie sich, sprechen Sie mit Ihrer Familie und treffen Sie eine Entscheidung! Damit setzen Sie ein Zeichen der Hoffnung für die fast 10.000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Mit einer Entscheidung entlasten Sie zudem ihre Angehörigen, die sonst im Ernstfall diese schwierige Frage beantworten müssen.“

Schleswig-Holsteins Ge­sund­heits­mi­nis­ter Heiner Garg (FDP) betonte, dass jeder Spender statistisch betrachtet drei schwerkranken Menschen eine neue Lebens­chan­ce schenke. Neben der Spendenbereitschaft sei es wichtig, seine Entscheidung in einem Organspendeausweis zu dokumentieren und diesen stets mit sich zu führen.

Im Bundestag wird eine Neuregelung bei der Organspende in Deutschland angestrebt. Bisher müssen sich Organspender als solche ausdrücklich erklären. Eine Gruppe um Spahn und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach wirbt hingegen nun für eine „doppelte Widerspruchslösung“. Alle Volljährigen sollen automatisch als Organspender gelten. Man könnte dazu aber noch Nein sagen. Sonst wäre – als doppelte Schranke – auch bei Angehörigen nachzufragen.

Eine andere Gruppe von Abgeordneten um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baer­bock und Linke-Chefin Katja Kipping will, dass alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema Organspende angesprochen werden. Über die beiden Berliner Entwürfe soll der Bundestag voraussichtlich im Herbst ohne Fraktions­vorgaben entscheiden.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Zahl der Organspender 2018 erstmals seit 2010 wieder gestiegen. Insgesamt haben im ver­gan­ge­nen Jahr 955 Menschen nach ihrem Tod Organe für schwerkranke Patienten gespendet, wie die Stiftung bereits im Januar mitteilte. Im Vergleich zu 2017 mit 797 Spendern ist dies eine Steigerung von knapp 20 Prozent. © dpa/aerzteblatt.de

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