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Politik

Krankenhäuser missachten Mindestmengen für Operationen

Montag, 3. Juni 2019

/Gennadiy Poznyakov, stock.adobe.com

Gütersloh – Vier von zehn Kliniken, an denen Operationen stattfinden, für die Mindest­mengen gelten, haben diese im Jahr 2017 nicht eingehalten. Das zeigt eine Auswer­tung des Science Media Centers (SMC) und der Weissen Liste der Bertelsmann Stif­tung. „Dass in Deutschland komplizierte OPs trotz fehlender Routine durchgeführt wer­den, darf nicht zum Klinikalltag gehören“, sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Ber­tels­mann Stiftung.

Die Mindestmengenregelung für planbare Operationen soll gewährleisten, dass be­stimmte Eingriffe nur dort stattfinden, wo das Operationsteam Erfahrungen mit den Eingriffen hat. „Aber 458 von 1.152 Kliniken (39,7 Prozent) führten 2017 komplexe Eingriffe durch, obwohl sie die vorgegebenen Fallzahlen unterschreiten. Das ent­spricht bundesweit rund 4.300 Operationen“, berichten SMC und Bertelsmann-Stiftung.

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Die Analyse bezog sich auf folgende Eingriffe: Einsatz von künstlichen Kniegelenken, Stammzellentransplantation, Nierentransplantation, Lebertransplantation, komplexe Eingriffe an der Speiseröhre und komplexe Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse. Die Versorgung von Frühgeborenen wurde in diese Analyse nicht einbezogen.

Dabei gibt es der Analyse zufolge zwischen den Bundesländern erhebliche Unter­schiede. Während in Mecklenburg-Vorpommern 29,2 Prozent und in Baden-Württem­­berg 30,7 Prozent der Kliniken eine oder mehrere der Mindestfallzahlen nicht erreich­ten, sind es in Brandenburg 56,7 Prozent und in Bremen 62,5 Prozent. Auch je nach Art des Eingriffs finden sich deutliche Unterschiede: Bei Bauchspeicheldrüsen-OPs liegen 34 Prozent und bei Speiseröhren-OPs 52,6 Prozent der Häuser unter den ge­setzlich vorgeschriebenen Mindestmengen.

Unvollständige Qualitätsberichte

Die Analyse zeigt auch, dass ein Viertel der Kliniken, die Mindestmengen-Eingriffe durch­führen, 2017 unvollständige Qualitätsberichte abgaben. Den Recherchen zufol­ge erreichte ein Großteil dieser Kliniken die gesetzlichen Vorgaben nicht. So hielten nach weiteren Recherchen nur sechs von 112 Kliniken, die keine Angaben zur Einhal­tung der Mindestmengen bei Speiseröhren-OPs machten, die vorgegebenen Fall­zah­len ein.

Bertelsmann-Stiftung und SMC fordern, der Gemeinsame Bundes­aus­schuss sollte die Qualitätsberichte und Mindestmengen-Angaben der Krankenhäuser auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen. Kliniken, die Mindestmengen nicht einhielten, sollten von den Krankenkassen keine Vergütung für die erbrachten Eingriffe erhalten und dürften die Leistung künftig nicht mehr erbringen.

Zudem sollte der G-BA Mindestmengen für weitere Eingriffe festlegen, bei denen die Qualität des Behandlungsergebnisses nachweislich von der Menge der erbrachten Leistungen abhängig sei. „Jeder, der in Deutschland operiert wird, sollte sicher und gut versorgt sein. Die Verschärfung der Mindestmengen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel“, so Mohn.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärte, wenn solche Operationen un­terhalb der Mindestmengen durchgeführt würden, lägen häufig zulässige Ausnahmen oder Notfallsituationen von Patienten vor. Zum Teil handele es sich auch nur um ge­ringfügige Unterschreitungen. Der Verband schlägt daher „Korridore“ vor, die eine Teilnahme der Kliniken an der Versorgung ermöglichten. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #776021
Frank Wendel
am Freitag, 21. Juni 2019, 11:31

Irrsinn.

wie vor mir schon geschrieben wurde: wie soll eine Klinik '"Nachfrage" schaffen', sicher gibt es genug OPs, die unbedingt erforderlich und planbar sind, sodaß auch ein "Zentrum" aufgesucht werden könnte, wenn man Pech hat, dann gerät man auch "nur" an jemanden, der noch nicht so viel Erfahrung gesammelt hat oder bekommt eine OP aufgeschwatzt, die nicht wirklich erforderlich ist.

Ganz oder gar nicht? Woher kommen dann die spezialisierten Ärzte, die im Fall eines Notfalls die Fähigkeit besitzen, eine OP angemessen durchzuführen?

in meinem bisherigen Leben hatte ich erst eine größere OP, halbwegs geplant, dann doch ganz anders abgelaufen(was Aufklärung und Dauer betraf) diesbezüglich ->

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103826/Spahn-kuendigt-Krankenhaeusern-Konsequenzen-bei-Qualitaetsproblemen-an

Was Transparenz und Nachsorge betrifft, bin ich auch enttäuscht, meine Frage nach dem OP-Bericht wurde abgewimmelt(angekündigt war eine minimalinvasive, im Fall des Falls dann doch größere OP), weitere im Rahmen der Diagnostik getroffene Feststellungen wurden nicht nochmals angesprochen, von geplanter Nachsorge bezüglich regelmäßiger Nachuntersuchungen ganz zu schweigen. Jetzt, 13 Jahre später scheinen mir die nebenbei festgestellten Leber- und Nierenzysten massiv Probleme zu bereiten …

… Hauptsache Betten ausgelastet und auch an Wochenenden geplante Operationen.

Mein Vater war früher in einem kleinen Kreiskrankenhaus tätig, nicht dem einzigen Krankenhaus des Kreises, die Belastung war sicherlich enorm, da sie nur zwei seines Fachbereiches, gegebenenfalls mal eine Urlaubsvertretung "zusätzlich", waren, 24/7 waren da keine Seltenheit, aber …

… mit zwei Kreisreformen, einem Klinik-Neubau und Schließung einiger Häuser wurde das Arbeitsklima wohl schon unerträglich. Technik und Geld können auch nicht alles richten, was kaputtgespart wurde.

Ich kann auch nicht verstehen, daß in einer Notaufnahme eines dieser modernen Krankenhäuser an einem normalen Wochentagsnachmittag die Notaufnahme voll ist, aber sich nur ein Arzt um die "Notfälle" kümmert.
Avatar #763956
dubito
am Montag, 3. Juni 2019, 20:06

Grauzonen?

Erstens: Notfallmedizin muss immer Vorrang haben.
Zweitens: Wie soll eine Klinik denn "Nachfrage" schaffen, wenn es in einem Zeitraum nicht genügend Patienten gibt?
LNS

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