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Ärzteschaft

Kritik an Defiziten in der Schmerzversorgung

Dienstag, 4. Juni 2019

/Monika Wisniewska, stockadobecom

Berlin – Zum „Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden“, hat heute am 8. bundes­weiten „Aktionstag gegen den Schmerz“ die Deutsche Schmerzgesellschaft aufgeru­fen. Gleichzeitig ist das die Devise des bundesweiten Versorgungsforschungs­projek­tes PAIN2020, mit dem Patienten über eine ambulante interprofessionelle Therapie vor chronischen Schmerzen bewahrt werden sollen.

„Bei den meisten Menschen mit chronischen Schmerzen dauert es momentan noch oft mehrere Jahre, bis sie eine wirksame Schmerzbehandlung erhalten“, sagte Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft sowie Leitende Oberärztin und Schmerzforscherin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg, heute in Berlin. Wenn es aber gelänge, „Risikopatienten“ für chronische Schmerzen früh zu identifizieren und auch früh zu behandeln, bliebe ihnen ein jahre­langer Leidensweg erspart.

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Das Projekt PAIN2020 (Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk) setzt dort an: Untersucht wird, ob sich die Versorgungssituation von Patienten verbessern lässt, wenn sie frühzeitig eine interdisziplinäre Diagnostik und entsprechende Thera­pie­­empfehlungen erhalten.

Initiiert hat es die Deutsche Schmerzgesellschaft mit der Barmer und weiteren Part­nern. Gefördert wird es seit einem Jahr durch den Innovationsfonds des Gemeinsa­men Bundesausschusses (G-BA) mit sieben Millionen Euro. Mittlerweile sind bereits 27 Kliniken, Schmerzzentren und Schmerz­ambulanzen PAIN2020-Zentren und haben die ersten Patienten in das Projekt aufgenommen. Rund 6.000 weitere Teilnehmer sollen in den nächsten zwei Jahren folgen.

Anlässlich des heutigen Aktionstags gegen den Schmerz wies der Deutsche Berufs­verband für Pflegeberufe (DBfK) gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft darauf hin, dass trotz des seit Oktober 2017 geltenden „Rahmenvertrages Entlass­management“ immer noch große Defizite bei der Überleitung von Schmerzpatienten aus dem Krankenhaus in die weitere Betreuung gibt.

„Das Risiko von Versorgungsbrüchen ist bei Überleitung zwischen den Sektoren be­son­ders groß und kann gravierende Folgen haben“, sagte DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel heute in Berlin. Gerade Patienten, die sehr starke Schmerzmittel benötigten, seien häufig nach der Entlassung besonders schlecht versorgt, weil diese unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fielen und stark reguliert seien.

„Uns liegen viele Berichte vor, nach denen in solchen Fällen der Einfachheit halber kurzfristig die Therapie umgestellt, deren Wirkung aber nicht abgewartet wird“, sagte sie vor der Presse. Teilweise würden auch Pflegefachpersonen Arzneimittel, die unter das BtMG fallen, mitgegeben, obwohl sie das eigentlich nicht dürften.

„Sie tun es aber dennoch, weil ihre Patienten sonst nicht oder unzureichend versorgt sind“, warnte Knüppel. Die Situation verursache unnötigen Stress und koste Zeit. „Wir fordern zeitnah eine Lösung, die praktikabel und für alle Beteiligten rechtssicher zu handhaben ist“, erklärte die DBfK-Sprecherin.

Auch der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) warnte heute gemeinsam mit Partnerorganisationen vor einer weiteren Verschlechterung der Versorgung von Pa­tienten mit chronischen Schmerzen.

Auch 2019 würden Patienten mit schweren chronischen Schmerzen in Deutschland von einem Arzt zum anderen geschickt, erklärte der BVSD-Vorsitzende Joachim Nad­stawek heute. Aktuelle Daten zur schmerzmedizinischen Versorgungssituation in Deutschland hat der BVSD in seinem kürzlich erschienen „BVSD-Weißbuch Schmerzmedizin 2019“ zusammengefasst. © ER/aerzteblatt.de

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