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Medizin

Meditations-App fördert Aufmerksamkeit und Gedächtnis

Dienstag, 4. Juni 2019

/antgor, stockadobecom

San Francisco – Ausgerechnet eine App für Tablets soll jungen Menschen helfen, ihre durch den ständigen Internetkonsum verminderte Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Eine Studie in Nature Human Behaviour (2019; doi: 10.1038/s41562-019-0611-9) zeigt, dass die Meditationsübungen mit der App tatsächlich eine positive Wirkung erzielten. Die Probanden schnitten in  Konzentrationstests besser ab, und physiologische Untersuchungen dokumentierten eine Veränderung in der „Hardware“ des Gehirns.

Seit es Videospiele, Computer und Smartphones gibt, sinkt die Konzentrationsfähigkeit junger Menschen. Die Folge sind schlechtere Leistungen in der Schule und auf der Universität. Viele Studenten greifen zu chemischen Stimulanzien, um den Anforderungen des Lernens gerecht zu werden. In den USA sollen 43 Prozent der Collegestudenten regelmäßig zu Methylphenidat und anderen „Aufputschmitteln“ greifen. 

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Eine weitere Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern, könnte eine fokussierte Meditation sein. Bei den Übungen geht es darum, sich auf die Atem­bewegungen zu konzentrieren und dadurch den Geist gegen die ständig wechselnden Zerstreuungen abzuschirmen, denen gerade viele jüngere Menschen ausgesetzt sind.

Meditationen sind jedoch schwer zu erlernen und einen persönlichen Trainer können sich die wenigsten jungen Menschen leisten. Forscher der Universität von Kalifornien in San Francisco haben deshalb eine App entwickelt, die es jungen Menschen ermöglichen soll, ohne Schwellenängste eine Meditationstechnik zu erlernen. Sie haben sich dabei von dem langjährigen Lehrer für buddhistische Meditationen und ausgebildeten Psychologen Jack Kornfield beraten lassen. 

Die App startet mit einer einfachen kurzen Atemübung. Am Ende werden die Nutzer aufgefordert, mitzuteilen, wie lange es ihnen gelungen ist, sich allein auf die Atmung zu konzentrieren und andere Gedanken auszublenden. Von diesem Ergebnis hängt ab, ob die Teilnehmer beim nächsten Mal eine um 10 % längere oder eine um 20 % kürzere Meditation durchführen.

Laut Studienleiter Adam Gazzaley von „Neuroscape“, einem Institut der Universität von Kalifornien in San Francisco, hat der einfache Algorithmus Wirkung gezeigt. Die 59 Studienteilnehmer im Alter von 18 bis 35 Jahren konnten die Dauer der erfolgreichen Meditationen von Anfangs 20 bis 47,5 Sekunden auf im Durchschnitt 346 Sekunden am Ende der sechsten Woche steigern. Um diesen Fortschritt zu erreichen, mussten die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten am Tag mit der Meditations-App üben. 

Die „Belohnung“ bestand in zunehmend besseren Ergebnissen in einem Vigilanztest (bei dem die Teilnehmer auf ein selten erscheinendes Symbol reagieren mussten). Je länger die Meditationsphasen der Teilnehmer waren, desto besser wurden die Ergebnisse in dem Vigilanztest.

Diese Veränderungen konnten die Forscher mit der Elektroenzephalografie (EEG) messen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die andere Apps (etwa eine Sprachlern­software) verwendet hatte, bestanden signifikante Unterschiede, die vor allem in den EEG-Ableitungen über dem mittleren Frontalhirn auftraten. 

Die Analyse von ereigniskorrelierten Potenzialen, bei denen die EEG-Reaktionen auf bestimmte Reize untersucht werden, bestätigte, dass die Meditationen eine Veränderung im Frontalhirn erzielt hatten. Die sogenannte Pb3-Latenz verminderte sich, während es in der Placebogruppe (unter Einfluss der anderen Apps) eher zu einer Verlängerung kam.

Die Studie zeigt, dass Schüler und Studenten mit der Meditations-App ihre Konzentrations­fähigkeit verbessern und im Gehirn etwas „bewegen“ können. Den Beweis, dass sich dadurch die akademischen Leistungen verbessern, blieb die Studie jedoch schuldig. Die Forscher haben die App patentieren lassen. In den App-Stores wird
„MediTrain“ zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht angeboten. © rme/aerzteblatt.de

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