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Mutmaßliche Rizin-Bombenbauer vor Gericht

Freitag, 7. Juni 2019

Das Pflanzengift Rizin stammt aus dem Samen von Ricinus communis, auch unter der Bezeichnung Wunderbaum oder Palma Christi bekannt. /RKI

Düsseldorf – Am Oberlandesgericht Düsseldorf hat heute das Hauptverfahren gegen die mutmaßlichen Rizin-Bombenbauer Sief Allah H. und Yasmin H. begonnen. Bislang sind 16 Fortsetzungstermine bestimmt – bis zum 30. August 2019.

Dem Ehepaar wird vorgeworfen, einen islamistisch motivierten Anschlag mit dem To­xin Rizin geplant zu haben. Für die vorsätzliche Herstellung einer biologischen Waffe und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat droht ihnen eine Freiheitsstrafe von maximal 15 Jahren.

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Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hat zur Aufklärung des Falles beigetragen. Die Einsatzgruppe Bio des RKI hatte im Juni 2018 gemeinsam mit dem Bundeskriminal­amt Spuren in der kontaminierten Wohnung gesichert und anschließend Maßnahmen zur Dekontamination der Wohnung in der Kölner Hochhaussiedlung Chorweiler em­pfohlen.

Ein zwölfköpfiges Team aus dem Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pa­tho­gene (ZBS) sei mehr als zwölf Wochen Vollzeit im Einsatz gewesen, berichtete die Leiterin des Fachgebiets für Biologische Toxine (ZBS 3), Brigitte Dorner, vergangene Woche bei einem Pressegespräch in Berlin. Weitere Mitarbeiter der Einsatzgruppe Bio waren zur Unterstützung des Managements  am Tatort vor Ort.

Die Gesundheitsämter sind bei allen Gesundheitslagen primär für das Management verantwortlich. Das Robert Koch-Institut unterstützt und berät die Gesundheitsämter bei der Durchführung ihrer Maßnahmen. Laut BKA-Gesetz können dem BKA Aufgaben der Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus übertragen werden. Dann ist der Bund und somit auch das RKI zuständig.

Schlussendlich konnten sie zahlreiche Asservate positiv auf Rizin testen. Die ersten  Ergebnisse lagen bereits innerhalb von vier Stunden vor. Diese dienten aber nur zur ersten Orientierung, da sie falsch-negative oder fasch-positive Befunde liefern könnten, warnt Dorner. Eine umfangreiche Detektion und Identifizierung von Rizin im Labor beruhe daher immer auf technisch unabhängigen, sich ergänzenden Methoden.

Die Analyse ergab auch, dass es dem Ehepaar gelungen war, 84,3 mg des Toxins aus den Samen zu extrahieren. Auch wenn das Rohextrakt nicht besonders rein war, sei es dennoch funktional aktiv gewesen, berichtete Dorner.

Wie viele Menschen die An­geklagten mit dieser Menge an Rizin tatsächlich hätten tö­ten können, wollen die Experten vom RKI nicht verraten. Man wolle potenzielle Atten­täter ganz bewusst im Unklaren lassen.

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„Die Vorbereitung eines bioterroristischen Anschlags hatte in Deutschland keiner so schnell erwartet. Erst wenige Monate zuvor wurde ein solches Szenario in Berlin ge­übt“, sagte Christian Herzog. Er leitet die Informationsstelle des Bundes für Biologi­sche Gefahren und Spezielle Pathogene am ZBS.

Vergleichbare Einsätze wie in Köln kämen sehr selten vor, erklärte Herzog. „Unsere Einsatzgruppe ist höchstens fünf bis zehn Mal pro Jahr im Einsatz und in der Regel sind es weniger komplexe Lagen.“ Den letzten Vor-Ort-Einsatz mit Analyse von Rizin habe das ZBS 2011 bei einem Suizid in Schleswig-Holstein durchgeführt, erinnert sich Lars Schaade, Vize-Präsident des RKI und Leiter des ZBS.

Bei einer Rizin-Intoxikation können klinische Symptome, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu Leber- und Nierenschäden sowie zerebrale Krampfanfälle auftre­ten. Die Therapie erfolgt symptomatisch.

Eine wissenschaftliche Leitlinie einer Fachgesellschaft liegt nicht vor. Das RKI hat Hinweise zur Therapie in seinem Ratgeber zu Rizin-Intoxikation veröffentlicht. „An Antikörpern zur spezifischen Therapie wird zurzeit geforscht“, sagt Schaade. © gie/aerzteblatt.de

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