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Wie die „Justinianische Pest“ sich im Frühmittelalter in Europa ausbreitete

Freitag, 7. Juni 2019

Yersinia pestis /dpa

Jena/München – Im Jahr 541 begann im Byzantinischen Reich mit der Justinianischen Pest eine verheerende Seuche, benannt nach dem damals regierenden Kaiser Justini­an I. In der Folge suchte die Krankheit für nahezu 200 Jahre in mehreren Wellen Eu­ro­pa und den Mittelmeerraum heim. Nach den Berichten von Zeitzeugen wurden dabei bis zu einem Viertel der Bevölkerung des Mittelmeerraumes ausgelöscht.

Studien konnten in den vergangenen Jahren nachweisen, dass tatsächlich der Pester­reger, das Bakterium Yersinia pestis, für die Pandemie verantwortlich war. Ein inter­nationales Forschungsteam unter Führung von Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, hat jetzt menschliche Überreste aus Mehrfachbestattungen von 21 archäologischen Fundorten in fünf Ländern analysiert.

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Dabei wurde das Erbgut alter Pestbakterien aus Deutschland, Großbritannien, Frank­reich und Spanien rekonstruiert. Die Forscher konnten so eine bisher unbekannte Viel­falt an Pesterregern aufdecken und unter anderem neue Erkenntnisse über die Pest im frühmittelalterlichen Bayern liefern. Die Arbeit ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America erschienen (PNAS 2019, doi: 10.1073/pnas.1820447116).

Dem Team gelang es, frühmittelalterliche Yersinia-pestis-Genome auch außerhalb Bayerns zu sequenzieren, nämlich aus Großbritannien, Frankreich und Spanien. Wäh­rend historische Berichte eindeutig von frühmittelalterlichen Epidemien in den Mittel­meerländern wie Frankreich und Spanien berichten, galt es laut den Forschern bislang als fraglich ob es die Justinianische Pest auch bis nach Großbritannien geschafft hat. „Mit dem nun vorliegenden Nachweis des Pesterregers in einem angelsächsischen Gräberfeld in England (Edix Hill) dürften die langjährigen Spekulationen darum be­en­det sein“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Die acht im Rahmen der Studie neu rekonstruierten Yersinia-pestis-Genome offenba­ren den Wissenschaftlern zufolge eine bislang unbekannte Vielfalt von Pesterreger-Stämmen im Europa des sechsten bis achten Jahrhunderts.

„Trotz der Vielfalt haben die Genome allerdings nur eine einzige gemeinsame Abstammungslinie. Dies deutet darauf hin, dass die Pest wohl nur einmal in den Mittelmeerraum beziehungsweise nach Europa eingetragen wurde“, erklärte Marcel Keller, einer der Hauptautoren. Vermutlich sei sie dann von Nagetierpopulationen immer wieder auf den Menschen übertragen worden, wodurch es wiederholt zu Epidemien gekommen sei.

Auch in Bayern brach die Pest laut der Studie wohl häufiger aus. „Diese Entdeckung ist sehr bedeutsam, da wir im Gegensatz zu den anderen Regionen für die Pest im frühmittelalterlichen Bayern keinerlei schriftliche Belege haben. Anhand der nun ins­gesamt sechs bayerischen Fundorte mit Pestnachweis können wir sehen, wie um­fassend die Region damals von der Seuche betroffen war“, erläuterte Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München. © hil/aerzteblatt.de

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