NewsVermischtesHeroinabhängige besser versorgt als nikotinabhängige Menschen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Heroinabhängige besser versorgt als nikotinabhängige Menschen

Mittwoch, 5. Juni 2019

Bier und Zigarette /exclusive-design, stock.adobe.com
/exclusive-design, stock.adobe.com
Berlin – Unter den Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial sind vier Substanzgruppen für 25 Prozent der Störungen der erwachsenen Bevölkerung verantwortlich. An erster Stelle stehen dabei legale Drogen, Nikotin und Alkohol. Das zeigen epidemiologische Daten, auf die die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) heute anlässlich ihres Symposiums in Berlin aufmerksam gemacht hat.

Die psychotherapeutische Behandlung und Prävention von Suchterkrankungen sollten nach Ansicht der Bundesvorsitzenden der DPtV, Barbara Lubisch, mehr in den Blick genommen und ergänzt werden. Dabei müsse nicht immer die Abstinenz im Vorder­grund der Therapie stehen, ist Lubisch überzeugt: „Auch geringerer Konsum ist ein lohnendes Therapieziel.“

Die in der Psychotherapierichtlinie festgelegte Begrenzung einer Psychotherapie auf zehn Sitzungen hält Lubisch für unzureichend, um eine Abstinenz zu erreichen – auch nicht als Nachbehandlung einer Entgiftung. „Wie viele Sitzungen notwendig sind, sollte im Ermessen des Behandlers liegen“, forderte sie.

Anzeige

25 Prozent der Störungen entfallen auf vier Substanzgruppen: Nikotin, Medikamente, Cannabis, Kokain und Amphetamine – das entspricht rund 12,5 Millionen erwachse­nen Menschen.

Die Versorgung von Abhängigkeiten legaler Drogen ist nach Ansicht der DPtV weit schlechter, als die der illegalen Drogen. „Die Kosten einer Behandlung der Nikotinab­hängigkeit wird zurzeit nicht von Krankenkassen übernommen“, kritisierte die Bun­des­vorsitzende der DPtV.

Die schlechte Versorgung Nikotin- und Alkoholabhängiger verdeutlichte Tim Pfeiffer-Gerschel, Geschäftsführer des Instituts für Therapieforschung München: Schätzun­gen zufolge sind mindestens 80 Prozent der Heroinabhängigen an Beratungs-oder Substitutionsstellen angebunden. Von einer Alkoholabhängigkeit und -missbrauch seien bis zu vier Millionen Menschen betroffen. „Alle Suchtbehandlungen der Rentenversicherung kommen aber nur auf ein paar 100.000 Behandlungen im Jahr. Eine systematische Behandlung erhalten die wenigsten“, schlussfolgerte Pfeiffer-Gerschel.

Noch dramatischer sei das Ungleichgewicht bei der Tabakabhängigkeit, fährt der Ex­perte vom IFT Institut für Therapieforschung und der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) in München fort. Eine klare Absage für die Ent­wöhnung erteilte er E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Shishas. Sie seien nur eine Substitution und würden die gleiche Abhängigkeit beibehalten. 

Pfeiffer-Gerschel vertraut auf gut evaluierte Behandlungen zur Tabakentwöhnung in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Er­folgsquoten lägen bei mehr als 30 Prozent (Abstinenz). Hierbei findet eine psycho­therapeutisch begleitete Gruppentherapie über 10 bis 15 Sitzungen statt. © gie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Juni 2019
Erfurt/Leipzig – Thüringen drängt bei kommerziellen Sportwetten auf einen besseren Schutz gegen Wett- und Glücksspielsucht. Dabei geht es zum Beispiel um räumliche Beschränkungen für Sportwettbüros,
Thüringen will strengere Regeln zur Bekämpfung von Wettsucht
27. Mai 2019
Magdeburg – In Ostdeutschland hat die Zahl der Tabaksüchtigen nach Krankenkassenangaben in den vergangenen zehn Jahren überproportional zugenommen. Wie die Kaufmännische Krankenkasse KKH heute unter
Ostdeutsche Spitzenreiter unter Tabaksüchtigen
16. Mai 2019
Berlin – Unter dem Motto „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“ beginnt übermorgen die bundesweite Aktionswoche Alkohol. Zehn Prozent der Beschäftigten konsumierten zu viel Alkohol – von der Aushilfskraft bis
Aktionswoche beleuchtet Alkoholproblematik am Arbeitsplatz
16. Mai 2019
Paris/Berlin – Auch in einigen Staaten Europas sterben immer mehr Menschen am Missbrauch von Opioiden. Das berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf
OECD warnt vor Opioidkrise auch in Europa
15. Mai 2019
Rochester – Tramadol soll weniger suchterregend sein als andere Opioide. US-Patienten, die nach einer geplanten Operation zur Schmerzlinderung mit Tramadol behandelt wurden, benötigten jedoch später
US-Studie sieht Abhängigkeitspotenzial bei Tramadol
17. April 2019
Berlin – Durch technische Tricks an Geldautomaten hebelt die Automatenindustrie geltende Gesetze aus. Die Folgen: Das Suchtpotenzial beim legalen Glücksspiel an Geldspielautomaten sind enorm
Suchtforscher werfen Glücksspielindustrie Gesetzesverstöße vor
16. April 2019
Berlin – Das Risiko für eine Opioidkrise wie in den USA ist in Deutschland gering. Diese Auffassung vertritt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER