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Politik

Empörungswelle gegen Bundeslandwirtschafts­ministerin

Mittwoch, 5. Juni 2019

Julia Klöckner /dpa

Berlin – Wegen eines gemeinsamen Videos mit einem führenden Nestlé-Manager ergießt sich über Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im Internet eine Welle der Kritik. Beim Kurznachrichtendienst Twitter beklagten zahlreiche Nutzer, Klöckner lasse sich von dem umstrittenen Lebensmittelkonzern für PR-Zwecke aus­nutzen.

Unter den Kritikern sind auch prominente Politiker: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Ministerin heute vor, sie habe ein „Werbevideo“ für Nestlé gedreht, der SPD-Bundestagabgeordnete Karl Lauterbach bezeichnete den Vorgang als „peinlich, ja bitter“.

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Das Landwirtschaftsministerium hatte heute im Internet ein kurzes Video ver­öffentlicht, in dem Klöckner mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch vor der Kamera steht und das Unternehmen dafür würdigt, dass es den Zucker-, Salz und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe.

Hintergrund ist eine vom Bundeskabinett verabschiedete „Reduktions- und Innova­tionsstrategie“, die Vereinbarungen auf freiwilliger Basis mit den Herstellern vorsieht. Für den Kampf gegen Übergewicht sollen viele Fertigprodukte so bis 2025 neue Rezepturen bekommen. Verbraucherschützer kritisieren dies als zu unverbindlich.

Im Internet gab es empörte Reaktionen auf Klöckners Video. Lauterbach twitterte: „Klöckner lässt sich von Nestlé-Lobbyisten erst die Zuckersteuer und die Lebens­mittel­ampel abverhandeln und tritt dann bei PR-Event von Nestlé auf.“ Klöckner verteidigte ihr Vorgehen und bezeichnete Kritiker als „Hatespeaker“.

Das Ministerium äußerte zwar Verständnis für die Kritik, steht aber weiter zu dem Treffen mit dem Nestlé-Chef: „Politik heißt, im Gespräch zu bleiben“, hieß es in einem weiteren Tweet.

Klöckner verteidigte heute grundsätzlich das Vorgehen beim Reduzieren von Zucker, Fett und Salz über freiwillige Vereinbarungen. Wenn dies nicht funktioniere, müssten aber gesetzliche Regelungen her, sagte sie anlässlich einer Veranstaltung der Geträn­kebranche. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #763956
dubito
am Donnerstag, 6. Juni 2019, 15:40

Kommunikations-GAU

Mal unabhängig vom zu Recht kritisierten Inhalt. Entweder: Andrea Zückert wurde beim Thema Nestlé nicht involviert (oder nicht angehört) - dann müsste sie als Leiterin der Presse- und Kommunikationsabteilung jetzt eigentlich völlig frustriert die Brocken hinwerfen. Oder sie war involviert und hatte keine Bedenken - dann müsste man sie jetzt im hohen Bogen rauswerfen. Dies ist ein Kommunikations-GAU, den jeder Zeitungs-Volontär im ersten Ausbildungsjahr vorausgesehen hätte.
Avatar #737153
rodneyprice
am Donnerstag, 6. Juni 2019, 09:02

Empörungswelle gegen Bundeslandwirtschaftsminiterin

"Politik heißt ims Gespräch bleiben" = Lobbyismus heißt die richtigen Leute schmieren?
Avatar #107994
Adolar
am Mittwoch, 5. Juni 2019, 23:05

Sehe kein Problem - weil ja der Auftritt öffentlich war;

viel bedenklicher sind die internen Lobbyabsprachen mit der Landwirtschaft, von denen sicher kein Video gedreht und ins Netz gestellt wird. Außerdem ist es doch völlig wurscht mit Ampel oder sowas: Die Leute interessiert das nicht. Kein Mensch liest, was auf Packungen steht, weil das gekauft wird, was schmeckt und was man kennt. Fertig. Außerdem sind die meisten Lebensmittel schon derartig voll mit Zertifikaten, Siegeln, Bestätigungen, Hinweisen, Prüfstempeln uvam, daß es sowieso niemanden mehr interessiert, wenn da noch was aufgedruckt ist.
LNS

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