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Listeriose: Kontamination in estnischer Fischfabrik führte zu Infektionen in 5 europäischen Ländern

Donnerstag, 6. Juni 2019

Listeria monocytogenes (Mikroaufnahme, Vergrößerung: 50.000:1) /dpa

Stockholm und Parma – Mit Listeria monocytogenes kontaminierte kalt geräucherte Forellen und Lachse eines Herstellers aus Estland haben in den letzten Jahren in 5 Ländern mindestens 22 schwere Listerioseerkrankungen ausgelöst, von denen 5 tödlich endeten. Dies geht aus einer gemeinsamen Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervor.

Listeria monocytogenes sind im Erdboden weit verbreitet. Sie können über die Rohprodukte, aber auch über Beschäftigte in die Produktionsanlagen für Nahrungsmittel gelangen, wo sie in Biofilmen persistieren. Die Bakterien breiten sich auch in gekühlten Lebensmitteln aus. Zum Gesundheitsrisiko werden sie, wenn sie von älteren oder immungeschwächten Menschen in größerer Menge aufgenommen werden.

Da nur wenige exponierte Menschen erkranken, wurden in der Vergangenheit wahrscheinlich viele Ausbrüche übersehen. Die Situation hat sich in den letzten Jahren durch die Genomsequenzierung verbessert. Sie ermöglicht es, Verbindungen zwischen vereinzelten an unterschiedlichen Orten auftretenden Infektionen herzustellen.

Mitte Dezember 2017 ist den dänischen Gesundheitsbehörden aufgefallen, dass 6 Erkrankungen, die im Verlauf des Jahres auftraten, von einem genetisch identischen Erreger ausgingen. Daraufhin wurden in Dänemark und anderen Ländern archivierte Isolate genetisch untersucht. Es wurden 3 weitere Fälle in Dänemark, 6 Fälle in Estland, 4 in Schweden, 2 in Finnland und einer in Frankreich entdeckt. Die früheste Erkrankung war 2014 in Estland aufgetreten, der jüngste im Februar 2019 in Dänemark.

Dies deutete darauf hin, dass irgendwo in Europa (oder anderswo) über längere Zeit mit L. monocytogenes infizierte Nahrungsmittel in Umlauf gelangten und vermutlich weitaus mehr Erkrankungen ausgelöst haben. Denn nicht alle Listeriosen werden als solche erkannt.

Um die Quelle des Ausbruchs zu ermitteln, wurden die überlebenden Patienten intensiv nach ihren Essgewohnheiten befragt. 8 Patienten (7 in Dänemark und einer in Frankreich) erinnerten sich daran, dass sie kalt geräucherten Lachs oder kalt geräucherte Forelle verzehrt hatten.

Die dänischen Behörden suchten daraufhin bei Fischgroßhändlern nach mit L. monocytogenes kontaminierten Fischen. Im März 2019 wurden sie fündig. In 13 Chargen von kalt geräuchertem Lachs oder kalt geräucherter Forelle fielen insgesamt 49 Proben positiv aus. Die genetischen Analysen zeigten, dass es die gleichen Erreger waren wie bei den erkrankten Konsumenten. Alle 13 Chargen stammten aus derselben Fischfabrik in Estland (deren Identität nicht preisgegeben wird). Sie waren über 2 Großhändler aus Dänemark und einem aus Deutschland (!) vertrieben worden (die 3 Großhändler haben die Waren inzwischen zurückgerufen).

Nur wenige Tage später führten die estnischen Behörden eine Kontrolle in der Fischfabrik durch. Die Erreger wurden in einer nicht mehr ausgelieferten Charge gefunden. Bei der Untersuchung der Produktionsanlage wurden die Erreger in einer Schneidemaschine und in einer Plastikbox nachgewiesen. Die Produktion wurde gestoppt. Vor Wiederaufnahme der Produktion muss der Hersteller nachweisen, dass die Produkte frei von L. monocytogenes sind. © rme/aerzteblatt.de

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