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Kommission der Uni Tübingen wirft Hirnforscher Fehlverhalten vor

Donnerstag, 6. Juni 2019

Niels Birbaumer /dpa

Tübingen – Eine Kommission der Universität Tübingen hat ein wissenschaftliches Fehlverhalten des renommierten Hirnforschers Niels Birbaumer festgestellt. Die Ex­perten empfehlen, dass eine Hirnforschungsstudie, die 2017 Aufsehen erregte, wegen Verdachts auf Datenverfälschung zurückgezogen wird.

Wie die Universität heute mitteilte, haben ein „Seniorprofessor“ und ein weiterer For­scher erhobene Daten teilweise nicht in ihre Analysen einfließen lassen und dies nicht transparent gemacht. Andere Daten und Informationen, die den Analysen zugrunde liegen, seien nicht einsehbar.

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Die Studie war in Plos Biology (2017; doi: 10.1371/journal.pbio.1002593) erschienen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass eine Kommunikation mit vollständig gelähmten Pa­tienten über eine Schnittstelle zwischen ihrem Gehirn und einem Computer möglich sei.

Forscher um den emeritierten Tübinger Hirnforscher Birbaumer testeten dafür eine spezielle Kopfhaube. Patienten beantworteten bei der Untersuchung Fragen in Ge­danken, während Wissenschaftler über die Haube die Hirnaktivität maßen.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte sich 2018 mit Zweifeln an der Studie an die Universität gewandt. Die Hochschule prüft derzeit weitere Konsequenzen. So schlägt die Kommission vor, auch zurückliegende Arbeiten der betroffenen Wissenschaftler wie auch den Status des Seniorprofessors zu überprüfen.

Brain-Computer-­Interface: Vollständig gelähmte Patienten kommunizieren wieder

Genf/Tübingen – Obwohl Patienten mit Locked-In-Syndrom keine motorische Kontrolle über ihren Körper haben, können sie mithilfe einer Gehirn-Computer-Schnittstelle kommunizieren (englisch: Brain Computer Interface, BCI). Einem internationalen Team um den Neurologen Niels Birbaumer von der Universität Tübingen ist es gelungen, vier vollständig gelähmten Patienten Fragen zu stellen, die diese dann (...)

Für die Qualitätssicherung von Publikationen sei das Peer-Review-Verfahren maßgeb­lich, also die Beurteilung durch Fachkollegen, erklärt der Sprecher der Uni Tübingen, Karl Rijkhoek. Auf diese Verfahren und Entscheidungen hätten Universitäten keinen Einfluss.

Dennoch sehe sich die Universität Tübingen bei dem Thema Qualität in der Wissen­schaft in der Verantwortung. Daher gebe es Kommissionen und Vertrauenspersonen, die auch in diesem Fall aktiv wurden. Darüber hinaus sei es wichtig, Studierende ab dem ersten Semester mit sauberem wissenschaftlichen Arbeiten vertraut zu machen.

Heute berichtete zuerst das Schwäbische Tagblatt über die Beurteilung der Birbau­mer-Studie durch die Unikommission. Für eine Stellungnahme war Birbaumer zu­nächst nicht zu erreichen. © dpa/aerzteblatt.de

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