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Ärzteschaft

Kinder erhalten häufig verfrüht Schilddrüsen­medikamente

Freitag, 7. Juni 2019

/Axel Kock, stockadobecom

Altdorf/Düsseldorf – Vor einer Übertherapie mit Schilddrüsenmedikamenten bei Kin­dern und Jugendlichen warnen die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Grundsätzlich sei erfreulich, dass Kinder und Jugendliche immer häufiger auf auffälli­ge Schilddrüsenwerte hin untersucht würden. „Aus Sorge um die Entwicklung der Kinder sind diese Tests gerechtfertigt“, sagte Heiko Krude, Direktor des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

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Denn für Kinder und Jugendliche stelle eine Schilddrüsenunterfunktion eine ernsthafte Gefahr dar: Trete die Hormonstörung bereits im Kindesalter auf, könnten sich die geis­ti­ge und sprachliche Entwicklung sowie das körperliche Wachstum verzögern. Bei einer Erkrankung im Jugendalter entwickelten sich oft Gedächtnis- und Konzentra­tions­­störungen.

Im Fokus der Diagnostik steht der Wert für das thyreoideastimulierende Hormon (TSH). Es stimuliert in der Schilddrüse die Bildung von LT4 und LT3. Bei zu niedrigen Schilddrüsenwerten ist TSH daher häufig erhöht. Ein Trugschluss sei jedoch, bei einer Erhöhung von TSH stets von einer Schilddrüsenunterfunktion auszugehen. Vielmehr liegen die Werte für LT4 und LT3 laut den Fachgesellschaften bei Kindern und Ju­gend­lichen oft im Referenzbereich – trotz auffälligem TSH. Eine Hormonbehandlung sei dann unnötig.

„Dennoch wird meist allein aufgrund des erhöhten TSH-Wertes eine Therapie mit LT4 eingeleitet“, kritisiert Krude. Er plädiert daher dafür, einen leicht erhöhten TSH-Wert nach drei Monaten, einen deutlich erhöhten Wert nach sechs Wochen erneut zu kontrollieren – zunächst ohne eine Behandlung einzuleiten.

Steigen die Werte in dieser Zeit nicht weiter an, empfiehlt der Pädiater lediglich eine weitere Kontrolle. „Große Studien zeigen jedoch, dass der TSH-Wert in der Zwischen­zeit meist spontan wieder im Referenzbereich liegt“, erläutert er.

Eine unnötige Therapie mit Schilddrüsenhormon sei für die jungen Patienten dagegen in mehrfacher Hinsicht schädlich. Zum einen müssten sie die tägliche Einnahme von Tabletten in ihren Tagesablauf einplanen, zum zweiten werde das Gesundheits­be­wusstsein der Jugendlichen gestört.

In einer ohnehin schwierigen Phase der Selbstwahrnehmung empfänden sie sich als krank, obwohl es dafür keinen Grund gebe. Nicht zuletzt bestehe auch das Risiko, durch die Hormongaben eine Schilddrüsen­überfunktion herbeizuführen, so Krude. © hil/aerzteblatt.de

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