NewsMedizinWissenschaftler stellen Test für Computerspielsucht vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wissenschaftler stellen Test für Computerspielsucht vor

Donnerstag, 13. Juni 2019

/SteF, stock.adobe.com

Ulm – Einen Test zur epidemiologischen Erfassung von Computerspielsucht, auch „Gaming Disorder“ genannt, haben Wissenschaftler der Universität Ulm um Christian Montag veröffentlicht. Parallel zu ihrer Veröffentlichung im Fachjournal International Journal of Mental Health and Addiction(2019; doi: 10.1007/s11469-019-00088-z) machen die Forschenden den „Gaming Disorder Test“ im Internet auch in deutscher Sprache öffentlich zugänglich.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO hat die Diagnose „Gaming Disorder“ in den neuen Krankheitskatalog ICD-11 aufgenommen, den die Weltgesundheitsver­samm­lung im Mai in Genf beschlossen hat.

Wer sein Gamingverhalten nicht mehr kontrollieren kann, dem Computerspiel Priorität gegenüber anderen Aktivitäten einräumt und an diesem Verhalten trotz negativer Kon­sequenzen nichts ändert, könnte gemäß WHO-Definition unter Computerspiel­sucht lei­den. Laut der WHO kann jedoch erst von Computerspielsucht ausgegangen wer­den, wenn Betroffene dieses Verhaltensmuster über mindestens 12 Monate zeigen und es zu schweren Beeinträchtigungen des Familienlebens, der Ausbildung oder der Arbeitsleistung kommt.

Der neue Onlinefragebogen orientiert sich an den Kriterien der WHO und erfasst Gamingaktivitäten der vergangenen 12 Monate bis zum Tag der Erhebung auf einer Skala von 1 bis 5. Ziel des psychometrischen Instruments ist laut den Forschern we­niger die Diagnose als die Erforschung von Auswirkungen des exzessiven Spielens. Studienteilteilnehmer erfahren daher lediglich, ob ihre Ergebnisse im Vergleich mit allen Probanden eine Tendenz zur „Gaming Disorder aufweisen.

„Exzessives Videospielen ist schon heute ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko in asiatischen Ländern und ein aufkommendes Problem in Europa. Um große, inter­nationale Studien durchführen zu können, haben wir das neue Instrument kulturüber­greifend konzipiert und in China sowie Großbritannien getestet“, erläuterte Christian Montag, Heisenberg-Professor sowie Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm.

Die Stichprobe umfasste 236 junge Chinesen, die an einer Universität in Beijing stu­dierten, sowie 324 britische Studierende aus dem Großraum London und aus den East Midlands. Das Durchschnittsalter betrug 23 Jahre. Ausschlusskriterium für die Teilnahme an der Onlinebefragung war die Angabe, in den letzten 12 Monaten kein Videospiel gespielt zu haben.

Nach Abschluss der Erhebung haben die Forscher überprüft, ob sich das Instrument zur Messung der Computerspielsucht eignet („Validität“) und ob es das Konstrukt zu­verlässig misst („Reliabilität“).

Zudem konnten sie erste Rückschlüsse auf das Gamingverhalten der untersuchten chinesischen und britischen Studierenden ziehen. So unterschied sich das Vorkomm­en der Computerspielsucht nach WHO-Kriterien zwischen beiden nationalen Gruppen nicht signifikant. Im Mittel gaben die Studierenden an, 12 Stunden in der Woche zu spielen.

Dabei verbringen sie fast die Hälfte dieser Zeit (46 %) am Wochenende alleine vor dem Computer oder sonstigen mobilen Endgeräten.36 Teilnehmende (6,4 %) berichteten von großen Problemen im Alltag aufgrund ihres Spielverhaltens und könnten somit die Diagnosekriterien der WHO erfüllen. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #769988
drstst
am Freitag, 14. Juni 2019, 07:40

Verlässlicher Test?

Habe meinen Sohn(19, Student) überredet den Test zu machen: Sein Kommentar: das sind so ungefähr 100 Fragen, als ich gemerkt habe, dass die sich immer wieder wiederholen habe ich einfach irgendwas angekreuzt.
LNS

Nachrichten zum Thema

26. Mai 2020
München − Dürfen Onlinecasinos bundesweit für sich werben, obwohl sie nur in einem Bundesland erlaubt sind? Diese Frage ist gestern am Münchner Landgericht I verhandelt worden. Die Parteien
Streit um TV-Werbung für Onlinecasinos
23. April 2020
Berlin − Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, macht sich in der Coronakrise für eine Eindämmung von Werbung für Online-Glücksspiel stark. „Auf Kosten von suchtkranken
Drogenbeauftragte will Eindämmung von Werbung für Online-Glücksspiel
24. März 2020
Berlin – Humor ist in Zeiten von Pandemie-Panik und Heimquarantäne ebenso wichtig wie das Gruppengefühl. Während auf physische Kontakte weitgehend verzichtet wird, stecken die Menschen in den Sozialen
COVID-19: Die Hashtags der Krise
5. März 2020
Berlin – DAK-Gesundheit und Suchtforscher haben sich erneut gegen eine geplante Zulassung von Online-Casinospielen ausgesprochen. Dies erhöhe die Suchtgefahr für Spieler deutlich und habe hohe
DAK-Gesundheit und Suchtforscher gegen Zulassung von Online-Glücksspielen
18. Februar 2020
Hamburg – Deutsche Nutzer sozialer Medien befassen sich derzeit besonders mit den drei Themen Gesundheit, Familie und Erfolg. Das geht aus dem neuen Werteindex 2020 hervor, den die Beratungs- und
In sozialen Medien wird viel über Gesundheit diskutiert
10. Februar 2020
Erfurt – Die von den Bundesländern geplante Reform des deutschen Glücksspielmarkts stößt bei Suchtexperten weiter auf scharfe Kritik. „Die beabsichtigte Legalisierung von Online-Glücksspielen ist ein
Weiter Kritik an Legalisierung von Online-Casinos
30. Januar 2020
Berlin – Der Gebrauch digitaler Medien ist aus dem Leben, auch von Kindern und Jugendlichen, nicht mehr wegzudenken. Sie bieten durch den Zugang zu Informationen und die Möglichkeit des breiten
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER