NewsPolitikAOK rechnet mit Milliardenkosten durch verordnete Gesundheits-Apps
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

AOK rechnet mit Milliardenkosten durch verordnete Gesundheits-Apps

Dienstag, 11. Juni 2019

/BillionPhotos.com

Berlin – Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) wird aus Sicht des AOK-Bundesverbandes vor allem eins: zu teuer. Der Kassenverband warnt jetzt vor „hohen Folgekosten“ und Gefahren für Patienten – ins­besondere bei Gesund­heits-Apps, die Ärzte verordnen sollen.

Es sei zwar richtig, dass digitale Gesundheitsanwendungen in die Patientenversor­gung aufgenommen werden, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundes­ver­bandes, Martin Litsch. Insbesondere die erweiterten Möglichkeiten für die Kassen, ihren Versicherten geeignete Apps zur Unterstützung der Versorgung im Wettbewerb anzubieten, wären im Sinne der Kassen.

Anzeige

Kritisch zu sehen sei aber, dass digitale Ge­sundheitsanwendungen in Zukunft ohne ausreichende Überprüfung ihres Gesund­heits­nutzens ohnehin von den Kassen über­nommen werden müssten – und das zu einem vom Hersteller frei gesetzten Preis.

Dieser Freifahrtschein nach Vorbild des Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetzes (AMNOG) habe „schon bei den Arzneimitteln zu überhöhten Preisen geführt“, kriti­sier­te Litsch. Hinzu komme, dass die Hersteller an­­gesichts beliebig wählbarer Produkt­zy­klen für Gesundheitsanwendungen jedes Jahr „neue“ Produkte auf den Markt bringen und damit den Preisvereinbarungen auch komplett ausweichen könnten.

Litsch be­zeichnete diesen direkten Zugriff einer Gruppe von Leistungsanbietern auf die Ressourcen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) als „einzigartig“. Durch die im DVG-Entwurf vorgesehenen Finanzierungsregelungen entstehe ein erhebliches Kostenrisiko für die gesetzlich Versicherten. „Schon bei einer stichprobenartigen Be­trachtung des Angebotes von drei Anbietern und einer geschätzten Verschreibungs­quote von 25 Prozent kommen wir auf geschätzte Mehrkosten für die GKV von jährlich 2,5 Milliarden Euro“, rechnet Litsch vor.

Gleichzeitig appelliert der AOK-Bundesverband an den Gesetzgeber den Nachweis des Nutzens zu regeln. „Zumindest für digitale diagnostische oder therapeutische An­wendungen, die über reine Servicefunktionen hinausgehen, müssen Studien Pflicht werden“, mahnte Litsch.

Ohne die Verpflichtung, belastbare Studien durchzuführen, werde man nie wissen, ob der Nutzen einer solchen Anwendung tatsächlich größer sei als der Schaden. Litsch sprach sich daher für eine Bewertung des Nutzens der digi­ta­len Gesundheitsanwen­dungen durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss aus.

Zudem sollte der Preis für diese digitalen Anwendungen aus Sicht der AOK nicht über ein Verfahren auf Bundesebene vereinbart werden, sondern analog zum Hilfsmittel­be­reich in wettbewerblichen Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Anbietern.

„Die Erwartungen der Versicherten an ein gutes Angebot werden dazu führen, dass alle Krankenkassen ein Interesse haben, mit den Herstellern zügige Vereinbarungen zu schließen“, hieß es vom AOK-Vorstand. © may/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juni 2019
Berlin – Markus Leyck Dieken soll neuer Chef der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte werden. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland
Transparency kritisiert Spahns Pläne für gematik-Chefposten
18. Juni 2019
Berlin – Die katholischen Krankenhäuser in Deutschland haben Bund und Ländern zu einem Investitionsprogramm für die Digitalisierung im Krankenhaus aufgerufen. In führenden Wirtschaftsbranchen wie der
Krankenhausverband wünscht sich Investitionsschub für Digitalisierung
18. Juni 2019
Berlin – Ärzte und ihre Verbände müssen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens „unbedingt“ in die Prozesse mit einbezogen werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass Lösungen etabliert
Hausärzte wollen bei Digitalisierung intensiver beteiligt werden
18. Juni 2019
Berlin – Der Praxissoftwarehersteller Medatixx hat damit begonnen, die elektronische Gesundheitsakte von Vivy in einem Pilotprojekt in seine Software einzubinden. Das haben Vivy und Medatixx heute
Medatixx bindet elektronische Gesundheitsakte von Vivy ein
17. Juni 2019
Berlin – Der Arzt und Pharmamanager Markus Leyck Dieken soll neuer Geschäftsführer der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte werden. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn
Arzt und Pharmamanager soll neuer gematik-Chef werden
17. Juni 2019
Düsseldorf – Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) in ihrer jüngsten Sitzung erstmals Zahlen zur neuen Bedarfsplanungsrichtlinie vorgestellt,
Neue Bedarfsplanungsrichtlinie schafft keine zusätzlichen Ärzte
17. Juni 2019
Düsseldorf – Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dem Gesetzesmarathon beschäftigt, den die Bundesregierung derzeit im
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER