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Medizin

Versorgung mit Bluttransfusionen – eine Frage der Demografie

Freitag, 14. Juni 2019

Ab einem Alter von 18 Jahren darf jeder, der mindestens 50 kg wiegt, Blut spenden. /kasto, stock.adobe.com

Ulm – Die Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland wird aufgrund des demogra­fischen Wandels zu einer immer größeren Herausforderung. Die Zahl der möglichen Blutspender zwischen 18 und 65 Jahren nehme konstant ab, warnt die Deutsche Ge­sellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) anlässlich des heute stattfindenden Weltblutspendentags und ruft zur regelmäßigen Blutspende auf. Den Aufruf bekräftigten auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Blutspendeeinrichtungen.

„Wir beobachten seit einigen Jahren eine Zunahme der Patienten höheren Alters, die mehr Blut brauchen“, erläuterte Hermann Eichler, erster Vorsitzender der DGTI. Stellt diese Altersgruppe mehr als 40 Prozent der Patienten in einer Klinik, verbraucht diese Altersgruppe bis zu 65 Prozent der gesamten Blutprodukte eines Krankenhauses. Über 65-Jährige nehmen in der Bevölkerung zu, während die Zahl der möglichen Blut­spender zwischen 18 und 65 Jahren konstant abnimmt.

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Demografischer Wandel bedroht das Blutspendesystem

Zwar dürfen auch Menschen über 65 Jahren Blutspenden, wenn der voruntersuchen­de Arzt sie für geeignet hält, das ist aber seltener der Fall als bei jüngeren Menschen. „Diese Fakten der demografischen Entwicklung sind entscheidend für die weitere Ver­sorgung Deutschlands mit Blutprodukten“, sagte Eichler, der auch Direktor des Insti­tuts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes ist.

Auch die Sprecherin des DRK-Blutspendendienstes Nord-Ost, Kerstin Schweiger be­stätigt, dass der demografische Wandel das solidarische Blutspendesystem bedrohen würde. „Kurzfristige Wetter- oder Sportereignisse sind weniger gefährlich.“ Die Spen­den­tendenz sei zwar leicht steigend wie im Vorjahr, aber auch nur punktuell. „Wir ver­lieren aus Altersgründen jährlich 100.000 Spender bundesweit und auf der anderen Seite fehlt in vielen Gebieten der Nachwuchs.“ Die Zahl der Vollblutspenden beim DRK liegt laut Schweiger in Sachsen bei 165.000 pro Jahr.

Demografische Prognosen zeigen eine Fortsetzung dieses Trends: 2030 müssen durchschnittlich 2,1 Blutspender zwischen 18 und 65 Jahren einen Menschen der Gruppe der über 65-jährigen versorgen. 2005 lag das Verhältnis bei 3,6 zu 1. Der stärkste Rückgang wird bereits ab dem Jahr 2020 erwartet.

Studien zeigen, dass der Bedarf an Blutprodukten auch von der medizinischen Ent­wick­lung abhängt. Doch diese ist schwer prognostizierbar. „Deshalb müssen wir die Versorgungssituation unbedingt im Blick behalten. Versorgungssicherheit wird nur erreicht, wenn aktuell und in Zukunft ausreichend viele Menschen zur Blutspende gehen“, sagte Eichler.

NRW-Parteien wollen Blutspender mit Gutscheinen locken

Mit Blick auf einen drohenden Rückgang von Blutspendern in Deutschland haben sich CDU, SPD und Grüne im nordrhein-westfälischen Landtag für Anreize zum Blutspen­den nach tschechischem Vorbild ausgesprochen.

Dort erhalten Spender etwa Gutscheine für Erholungsaktivitäten. „Eine Aufwandsent­schädigung in Form von Schwimmbadgutscheinen oder Kinogutscheinen sind für uns durchaus vorstellbar“, sagte der Gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtags­fraktion, Peter Preuß, der Düsseldorfer Rheinischen Post.

Auch Grünen-Gesundheitsexperte Mehrdad Mostofizadeh erklärte, kleine Geschenke als Dankeschön für die gute Tat könnten helfen, die Blutspende attraktiver zu machen. „Ob es sich dabei um ein besonders leckeres Stück Kuchen oder einen Gutschein für den Schwimmbadbesuch handelt, ist zweitrangig“, betonte er. Der gesundheitspo­li­tische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Josef Neumann, nannte das System in Tschechien „ein gutes Modell“. © gie/kna/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #106024
Mabued
am Mittwoch, 19. Juni 2019, 18:30

Verschwendung von Blutkonserven

Nach meiner 45-jährigen Tätigkeit in Kliniken habe ich oft erlebt, dass bei sterbende Patienten aus Alten- und Pflegeheimen und von ambulanten Intensiveinrichtungen noch große Operationen mit erheblichem Blutkonservenbedarf durchgeführt wurden. Eigentlich haben diese Patienten schon lange vor der Operation sich nur noch an ein friedliches Sterben gewünscht. Angehörige, Betreuer, Ärzte … haben diesen Wunsch aber nicht akzeptiert und erkennen wollen. Da kann man mit einer entsprechenden PV, VV und WV sehr viele Konserven einsparen. Und eine BV sollte man gar nicht erst aufgedrängt bekommen.
LNS

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