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Ärzteschaft

Ärzte in Thüringen wollen mehr Studienplätze für Humanmedizin

Mittwoch, 12. Juni 2019

/dpa

Erfurt – Thüringer Ärztevertreter haben mit der Forderung nach mehr Studienplätzen für Humanmedizin an der Universität Jena Druck auf die Landesregierung in Thürin­gen gemacht. Die Zahl der Studienplätze müsse um mindestens zehn Prozent aufge­stockt werden, verlangten Lan­des­ärz­te­kam­mer, Kassenärztliche Vereinigung und Ver­treter der Krankenhäuser heute in Erfurt.

Die Präsidentin der Ärztekammer Thüringen, Ellen Lundershausen, sprach von 20 bis 30 Plätzen mehr. Derzeit beginnen an der Medizinischen Fakultät der Universität Jena jährlich 260 junge Menschen ein Studium. Die Hochschule ist die einzige in Thüringen mit Medizinstudiengang. Innerhalb der Landesregierung ist die Meinung zu der Forde­rung geteilt.

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Eine Aufstockung in Kombination mit einer Landeskinderquote, die Studienbewerber aus Thüringen bei der Zulassung bevorzugt, sei angesichts des steigenden Bedarfs an Ärzten in Praxen und Krankenhäusern nötig, erklärte Lundershausen vor Beginn eines Fortbildungskongresses für Ärzte und medizinisches Personal. Sie verwies auf eine immer älter und kränker werdende Bevölkerung.

Arztpraxen in Thüringen behandelten bis zu 30 Prozent mehr Patienten als die in an­deren Bundesländern, ergänzte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Annette Rommel. Mit der anstehenden Novellierung der Zulassungsregeln könnten in Thüringen von 2020 bis zu 265 zudem neue Arztpraxen entstehen, die be­setzt werden müssten.

Politik uneins

Für Thüringens Ge­sund­heits­mi­nis­terin Heike Werner (Linke) ist die Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen nachvollziehbar. Eine Aufstockung könne einem mögli­chen Ärztemangel vorbeugen.

Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) äu­ßerte hingegen Skepsis. „Eine steigende Zahl von Studienplätzen ist keine Garantie für mehr Ärzte im Land und auf dem Land“, erklärte er. Absolventen könnten ihren Arbeitsort und Berufsort frei wäh­len. Sinnvoller sei der Ausbau bereits bestehender Förderprogramme wie Stipendien, um in Thüringen ausgebildete Ärzte im Land zu halten. Ohnehin bilde Thüringen, be­zogen auf die Einwohnerzahl, schon überdurchschnittlich viele Mediziner aus, argu­men­tierte Tiefensee.

Während in Thüringen ein Studienplatz auf 8.100 Einwohner komme, liege das Ver­hältnis in Bayern bei 1 zu 9.100 und in Niedersachsen bei eins zu 25.800. 3,9 Prozent der Studienplätze in Thüringen seien Medizin-Studienplätze, der Bundesdurchschnitt liege bei 3,3 Prozent.

Die Jenaer Fakultät steht der Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen offen gegenüber. „Dies bedarf aber erheblicher Investitionen seitens des Landes, denn die Qualität der medizinischen Ausbildung darf darunter nicht leiden“, erklärte sie heute. Laut Tiefensee würde eine Aufstockung um zehn Prozent das Land jährlich mindes­tens rund 5,2 Millionen Euro kosten, die Fakultät geht von langfristig weit über sechs Millio­nen Euro pro Jahr aus.

In Thüringen steigt die Zahl der in Praxen, Kliniken und Gesundheitsbehörden arbei­tenden Ärzte eigentlich seit Jahren an. Ende 2017 waren laut amtlicher Statistik rund 9.500 Mediziner dort tätig, zehn Jahre zuvor knapp 8.000, Mitte der 1990er-Jahre rund 7.200.

Dieser Effekt wird nach Ansicht der Ärzteverbände aber oft dadurch wettgemacht, dass Teilzeitarbeit zunimmt und dass in der jungen Ärzte-Generation die Neigung zur „Selbstausbeutung“ mit überlangen Arbeitszeiten in der eigenen Praxis abnehme. Überdies gehe der Zuwachs hauptsächlich auf mehr Ärzte in Krankenhäusern zurück, wo viele ausländische Mediziner arbeiteten. © dpa/aerzteblatt.de

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Mabued
am Mittwoch, 19. Juni 2019, 18:14

An unsere Politiker und Vordenker!

1972 6 Jahre auf einen Medizin-Studienplatz gewartet. In dieser Zeit 4 Ausbildungen im med. Bereich absolviert = vier jungen Menschen den Ausbildungsplatz weggenommen. Mit 65 Jahren in Rente nach 33-jähriger ärztlicher Tätigkeit. Hätte ich 1972 gleich angefangen zu studieren, hätte der Staat 0,5 Mio. Euro an Steuern eingenommen - wieviel kostet ein Studienplatz? 4 Menschen mehr wären als Transport-, Rettungssanitäter, Krankenpflegehelfer und Krankenpfleger tätig gewesen und hätten Steuern gezahlt.
LNS

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