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Politik

Pflegepersonal­untergrenzen führen zu Absenkung des Personalschlüssels

Mittwoch, 12. Juni 2019

/sudok1, stockadobecom

Berlin – Derzeit führen die Pflegepersonaluntergrenzen in Deutschland auch zu einer Absenkung des Personalschlüssels in der Intensivmedizin. Darauf hat der Generalse­kretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedi­zin (DGIIN), Uwe Janssens, im Rahmen der Jahrestagung der DGIIN hingewiesen, die bis Freitag in Berlin stattfindet.

„Ich habe von einem anonymisierten Hilferuf aus der Intensivstation eines Kranken­hau­­ses gehört, das in der Nacht einen Pflegeschlüssel von einer Pflegefachkraft pro zwei Intensivpatienten hatte“, sagte Janssens. „Die Verwaltung des Hauses hat dann angewiesen, den Schlüssel auf den geltenden Grenzwert von 1:3 abzusenken.“

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Die guten Krankenhäuser müssten sich nun also an den schlechten orientieren. „Ich finde das skandalös“, sagte Janssens. „Denn wir wissen aus Studien, dass sich die Mortalität auf einer Intensivstation erhöht, wenn sich der Pflegeschlüssel verschlech­tert.“

Anfang dieses Jahres hatte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium Pflegepersonalunter­grenzen in den Bereichen Intensivmedizin, Unfallchirurgie, Geriatrie und Kardiologie festgelegt. Demnach müssen Krankenhäuser Strafen zahlen, wenn sie zum Beispiel in der Nachtschicht einen Personalschlüssel von einer Pflegefachkraft pro drei Intensiv­pa­tienten nicht einhalten können.

Elektive Operationen werden verschoben

Die Grenzwerte könnten schon heute nicht mehr erfüllt werden, sagte Janssens. Denn es gebe das dafür notwendige Pflegepersonal auf dem Markt nicht. Die Konsequenz sei, dass Betten gesperrt werden müssten. „Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen“, betonte der DGIIN-Generalsekretär. „Jeden Morgen kriegen wir eine Wasser­standsmeldung, wie viele Betten wir heute belegen können.“

Würden die Grenzwerte im Rahmen der sogenannten Mitternachtsstatistik nicht erfüllt, müsse das Krankenhaus Strafgebühren zahlen. So seien Verlegungen von elektiven Operationen die Folge. Denn „Notfallpatienten können wir nicht absagen“.

„Die Untergrenzen sind schon gut gedacht“, betonte Janssens. „Parallel dazu müssen wir aber sehen, wie wir die Pflegefachkräfte ans Bett der Patienten bekommen. Das ist eine Riesenaufgabe, die wir nicht in ein oder zwei Jahren schaffen werden. Dafür müssen sich unter anderem die Vergütung und die Arbeitsbedingungen ändern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist zum Beispiel sträflich vernachlässigt worden.“

Verlässliche Dienstpläne

„Pflegekräfte lieben ihren Job“, betonte Carsten Hermes, Sprecher der Sektion Pflege in der DGIIN. Aber die Arbeitsbedingungen müssten sich ändern. „Oft müssen Pflege­kräfte kurzfristig einspringen, sie können keine Pausen nehmen und eine Freizeitpla­nung findet nicht mehr statt, denn viele wissen nicht, wie sie in der nächsten Woche arbeiten werden. Das nagt irgendwann an der Substanz.“ Hermes forderte verlässli­che Dienstpläne und einen Einsatz der Pflegekräfte im Kran­kenhaus, der ihrer Fach­lichkeit entspricht.

Auch Janssens betonte, dass er die Aufwertung des Pflegeberufs befürworte. „Bei uns arbeiten Pflegekräfte und Ärzte auf Augenhöhe zusammen“, sagte er. „Ohne die Pfle­gekräfte können wir Ärzte nichts machen. Nur gemeinsam schaffen wir eine vernünfti­ge Versorgung.“

In anglo-amerikanischen Ländern hätten Pflegekräfte eine ganz andere Position. In Deutschland dürfe nur der Arzt eine Indikation stellen. In diesen Ländern sehe das ganz anders aus. „Daran müssen wir arbeiten“, betonte Janssens. „Ich habe über­haupt kein Problem damit, mit einer akademisierten Pflegekraft zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil: Ich würde mir wünschen, dass es mir akademisierte Pflegekräfte in Deutschland gibt. © fos/aerzteblatt.de

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