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Medizin

Rotes Fleisch: Steigender Verzehr erhöht Sterberisiko

Donnerstag, 13. Juni 2019

/karepa, stockadobecom

Boston – Der Verzicht auf Steaks, Hamburger und Salami kann möglicherweise das Leben verlängern. Dies kam in einer Analyse von 2 prospektiven Beobachtungsstudien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l2110) heraus, in denen sich Änderungen der Verzehrgewohnheiten bereits nach wenigen Jahren auf das Sterberisiko auswirkten.

Die Idee, dass ein zu hoher Fleischkonsum der Gesundheit schaden könnte, ist in westlichen Ländern, in denen viele Menschen mehrmals täglich Fleisch oder Wurstwaren essen, nicht besonders populär. Eine Reihe von epidemiologischen Studien hat jedoch gezeigt, dass der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch mit einem erhöhten Risiko auf einen Typ-2-Diabetes, auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten einschließlich Darmkrebs einhergeht.

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Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft verarbeitetes Fleisch als „vermutlich krebserregend“ ein. Der häufige Verzehr von verarbeitetem rotem Fleisch (etwa als Bacon, Hot Dogs oder Würstchen) wurde zudem mit einem erhöhten Risiko auf chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck in Verbindung gebracht.  

Wenn diesen Ergebnissen ein wahrer Kern zugrunde liegt, dann sollten Menschen, die ihren Verzehr einschränken, ihre Sterblichkeit senken können. Umgekehrt würde ein vermehrter Verzehr das Sterberisiko steigern. Dieser Frage ist ein Team um Frank Hu von der T.H. Chan School of Public Health in Boston jetzt in einer Analyse der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study nachgegangen, deren Teilnehmer alle vier Jahre einen ausführlichen Fragebogen zu ihren Ernährungs­gewohnheiten ausgefüllt haben. Von den fast 81.500 Teilnehmern sind inzwischen 14.019 gestorben. Die Hauptursachen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen.

Die Analyse ergab, dass Männer und Frauen, die ihren Verzehr von rotem Fleisch innerhalb von 8 Jahren um 3,5 Mahlzeiten pro Woche steigerten, in den folgenden 8 Jahren ein um 10 höheres Sterberisiko hatten. Die gepoolte Hazard Ratio von 1,10 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,17 signifikant. Da die Teilnehmer der beiden Beobachtungsstudien regelmäßig zu verschiedenen Aspekten ihrer Lebensführung befragt werden, konnte Hu verschiedene andere Gründe ausschließen. Die Assoziationen waren zudem in verschiedenen Altersgruppen gleich und sie wurden durch körperliche Aktivität, Ernährungsqualität, Rauch- und Alkoholkonsum nicht beeinflusst.

Für verarbeitetes rotes Fleisch (also beispielsweise Hamburger und Wurstwaren) wäre das Sterberisiko um 13 erhöht (Hazard Ratio 1,13; 1,04 bis 1,23), für unverarbeitetes rotes Fleisch (also Steaks und Braten) ermittelt Hu ein um 9 höheres Sterberisiko (Hazard Ratio 1,09; 1,02 bis 1,17).

Erwachsene, die ihren Verzehr von rotem Fleisch über acht Jahre einschränkten, hatten in den folgenden 8 Jahren ein vermindertes Sterberisiko. Die Assoziationen waren jedoch nicht eindeutig. Die Verringerung des Verzehrs um 3,5 Mahlzeiten pro Woche war lediglich mit einem um 3 niedrigeren Risiko verbunden (Hazard Ratio 0,97; 0,91 bis 1,03). Für verarbeitetes rotes Fleisch ermittelt Hu eine Hazard Ratio von 0,98 (0,90 bis 1,08). Für den Verzicht auf unverarbeitetes Fleisch war keine Auswirkung nachweisbar (Hazard Ratio 1,00; 0,94 bis 1,07). Dass sich die Verminderung des Verzehrs nach 8 Jahren kaum ausgewirkt hat, führt Hu auf die lange Latenzzeit bei der Krebsentstehung zurück. Krebserkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen.  

Als Mechanismen kommen laut Hu verschiedene Faktoren infrage. Gesättigte Fetten, Cholesterin und Häm-Eisen im roten Fleisch könnten die Atherosklerose fördern. Diskutiert wird derzeit auch eine Beteiligung von Darmbakterien. Diese verwandeln das im Fleisch enthaltene Carnitin und Cholin in Trimethylamin-N-oxid, dem nach der Resorption im Darm eine proatherogene Wirkung auf die Blutgefäße zugeschrieben wird. Außerdem entstehen beim Erhitzen von Fleisch zahlreiche Karzinogene. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #40520
marcelohlig
am Samstag, 15. Juni 2019, 09:41

Rotes Fleisch und BMMFs

Ich frage mich warum, weder in der aktuellen Studie, noch hier in der Diskussion der neue Aspekt der Auswirkungen der BMMFs, die vom DKFZ in Heidelberg entdeckt und veröffentlicht wurden, in Verbindung mit rotem Fleisch diskutiert werden. Diese erscheinen mir doch eine plausible Erklärung für die höhere Rate von Colon- und Mama-Carcinomen in den Gebieten der Welt zu liefern, in denen mehr Rindfleisch und mehr Kuhmilch konsumiert wird. Es handelt sich somit um eine Infektion mit BMMFs. Dies würde auch erklären, warum eine Reduktion von rotem Fleisch in der vorliegenden Studie keine signifikanten Auswirkungen mehr hatte. Als Prof. zur Hausen den Zusammenhang zwischen HPV-Viren und Gebärmutterhals-Krebs feststellte wurde er zunächst von vielen verlacht. Heute ist er mit seinen Aussagen zu BMMFs genauso umstritten. Ich frage mich nur wie lange es diesmal dauern wird, bis wir alle merken, dass er Recht hat....
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 14. Juni 2019, 13:53

DIE "HAXE DES BÖSEN" - ALLE JAHRE WIEDER?

Seit Jahren versucht die International Agency for Research on Cancer (IARC) "rotes Fleisch" und insbesondere "processed" bzw. "ultraprocessed" meat (verarbeitetes und stark verarbeitetes Fleisch) als "krebserregend" einzustufen. Der häufige Verzehr von verarbeitetem rotem Fleisch (etwa als Bacon, Hot Dogs oder Würstchen) wurde zudem mit einem erhöhten Risiko auf chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck in Verbindung gebracht.

Dazu schrieb ich am 5.11.2015:
"Haxe des Bösen 3.0
‚Carcinogenicity of consumption of red and processed meat‘ war der plakative Titel einer vorläufigen Publikation, die 22 internationale Experten aus 10 Ländern gemeinsam mit der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon/F im Lancet veröffentlicht haben. Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch (‚processed meat‘), insbesondere gebraten, gegrillt und nitrosamin-/acrylamid-haltig wurde mit unbehandeltem Schlachtfleisch (rotem Fleisch) in einen Topf geworfen.
Peinlich für WHO-IARC-Experten! Sie müssen mit ihren voreiligen Schlussfolgerungen und Warnungen (Lancet Oncol 2015, online seit dem 26. Oktober und siehe hier) zurückrudern.
Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch erhöht beim Menschen geringfügig das allgegenwärtig altersabhängige Krebsrisiko. Das wissen wir schon lange. Die Gattung Mensch is(s)t allerdings mit ihrem Gebiss, ihrer Beißmuskulatur, ihren Darm-, Verdauungs- und Ausscheidungs-Tätigkeiten „Allesfresser“ (Omnivore): Vergleichbar mit hochentwickelten Primaten ist der Homo sapiens auf eine obst- und vegetabil betonte Mischkost mit Fleisch, Fisch, Geflügel, Getreide und Milch-(Produkten) angewiesen.
Sein Energiebedarf über Protein, Kohlenhydrat, Fett, Mineralstoffe und Spurenelemente ist wegen der Gehirnentwicklung viel höher als bei anderen Primaten. Der global immer weniger Energie-verbrauchende Lebensstil, mangelnde Anstrengungs- und Aufwands-Kultur bzw. Bewegungsarmut post-industrieller Gesellschaften bei exzessivem Nahrungsmittelüberfluss führt gegenüber Armutsländern zu metabolischer Entgleisung, Diabetes mellitus und wachsendem kardio-pulmonalem bzw. nephro-vaskulären Risiko mit sekundärer Tumorinduktion: Dennoch steigt die Lebenserwartung und deren Abstand selbst gegenüber Armuts- und Schwellenländern immer weiter an.
Das ist der wesentliche Grund für die völlig naiv-empiristisch-heuristische, vorlaute Ableitung eines erhöhten Sterberisikos bei Konsum von rotem Fleisch, wenn man nicht zwischen „processed meat“ und „non-processed meat“ differenzieren will. Wir sterben nicht weil, sondern während wir zu viel rotes Fleisch essen und weil uns der allgemeine Überfluss zu dick macht! Das sogenannte „rote Fleisch“ sieht in Wahrheit blass-grau-braun-rosé aus, wird aber vom Metzger auf Wunsch der Verbraucher extra rot eingefärbt. Es macht statistisch bei normalen Mengen keine Erhöhung des Krebsrisikos...
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/12338-haxe-des-boesen-3-0

Zwei Beobachtungsstudien wurden als "Follow-Up"-Studien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; 365: l2110) neu interpretiert um zu prüfen, inwieweit sich Änderungen der Verzehrgewohnheiten bereits nach wenigen Jahren auf das Sterberisiko auswirken könnten.

Eine Analyse der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study, deren Teilnehmer alle vier Jahre einen ausführlichen Fragebogen zu ihren Ernährungs­gewohnheiten ausgefüllt hatten und von den fast 81.500 Teilnehmer/-innen inzwischen 14.019 gestorben waren, wurde retrospektiv und nicht prospektiv durchgeführt.

Wenn Männer und Frauen, die ihren Verzehr von rotem Fleisch innerhalb von 8 Jahren um 3,5 Mahlzeiten pro Woche steigerten, in den folgenden 8 Jahren ein um 10 % höheres Sterberisiko hatten, reflektiert dies in 16 Jahren eher einen gesteigerten Wohlstand, Bewegungsarmut, zunehmende Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, KHK, pAVK, höhere Harnsäurewerte. Der gesteigerte Fleischkonsum ist daher eher ein Surrogat-Parameter.

Für verarbeitetes rotes Fleisch (also beispielsweise Hamburger und Wurstwaren) war das Sterberisiko um 13 % erhöht (Hazard Ratio 1,13; 1,04 bis 1,23), und für unverarbeitetes rotes Fleisch (also Steaks und Braten) sogar nicht signifikant nur noch um 9 % (Hazard Ratio 1,09; 1,02 bis 1,17) erhöht.

Die Darstellung im Deutschen Ärzteblatt: "Erwachsene, die ihren Verzehr von rotem Fleisch über acht Jahre einschränkten, hatten in den folgenden 8 Jahren ein vermindertes Sterberisiko" ist insignifikant und überhaupt nicht haltbar. Denn diese Assoziationen mit "Verringerung des Verzehrs um 3,5 Mahlzeiten pro Woche waren lediglich mit einem um 3 % niedrigeren Risiko verbunden (Hazard Ratio 0,97; 0,91 bis 1,03)" und damit nicht signifikant. Selbst "für verarbeitetes rotes Fleisch ermittelten Hu et al. eine Hazard Ratio von 0,98 (0,90 bis 1,08)". Und "für den Verzicht auf unverarbeitetes Fleisch war keine Auswirkung nachweisbar (Hazard Ratio 1,00; 0,94 bis 1,07)."

Somit sind die letzten drei Aussagen gar nicht signifikant gewesen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #713867
ihilger
am Freitag, 14. Juni 2019, 11:17

Sterberisiko

Es sollte ich - nicht nur bei Ärzten - herum gesprochen haben, dass eines Jeden "Streberisiko" exakt 100% beträgt. Die Aufmachung des Beitrags ist einer ernst zunehmenden Zeitschrift unwürdig.
Avatar #5504
straif
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 19:16

Korrekte IARC-Einstufung

Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft den Verzehr von verarbeitetem Fleisch als „krebserregend“ (Gruppe 1) ein, der Verzehr von rotem Fleisch ist als "wahrscheinich krebserregend" (Gruppe 2A) ein. http://publications.iarc.fr/564
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 16:17

… vermehrte Verzehr von rotem Fleisch mit einem erhöhten Risiko auf einen Typ-2-Diabetes … einhergeht.

Typ-2-Diabetes ist so wie Gicht eine Krankheit, die entsteht, wenn ein großer Teil des verzehrten Eiweißes als Energieträger eingesetzt wird. Indem der hierbei als Müll anfallende Stickstoff nicht so wie das Kohlendioxyd über die Lunge entsorgt werden kann, kommt es zu einer Überlastung der Organe für die N-Ausscheidung. Verstopfung der Transportwege im Körper ist die Folge. Das Insulin kommt nur sehr mühsam an die Insulinrezeptoren heran. Alles Weitere ist bekannt. Nachzulesen auf http://www.dr-schnitzer.de/diabetes-studie-einfuehrung.html
LNS

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