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Medizin

Stroboskoplicht in Clubs kann epileptische Anfälle auslösen

Donnerstag, 13. Juni 2019

/bennymarty, stockadobecom

Amsterdam – Besucher von Festivals mit elektronischer Musik haben aufgrund der Stroboskopbeleuchtung ein erhöhtes Risiko auf epileptische Anfälle. Dies ist das Ergebnis einer Studie in BMJ Open (2019; doi: 10.1136/bmjopen-2018-023442).

Dass in hoher Frequenz flackernde Lichtquellen epileptische Anfälle auslösen können, ist bekannt. Die photosensitive Epilepsie wurde jedoch bisher für ein äußerst seltenes Phänomen gehalten. Der Fall eines 20-jährigen Ravers erregte deshalb die Neugier eines Ärzteteams von Newel Salet vom VU Medisch Centrum in Amsterdam.

Der junge Mann hatte auf einer Indoor-Veranstaltung zum ersten Mal in seinem Leben einen epileptischen Anfall erlitten. Dem tonisch-klonischen Anfall mit Zungenbiss und Urinverlust war eine Aura vorangegangen, die der Patient mit dem Stroboskoplicht in Verbindung brachte.

Laboruntersuchungen bestätigten den Verdacht. Nach einer durchwachten Nacht konnten die Ärzte durch Stroboskoplicht in der Elektroenzephalo­grafie (EEG) epilepto­gene Signale auslösen. Die gleiche Wirkung hatte das Betrachten eines Videos von der Veranstaltung.

Um herauszufinden, ob es sich um ein häufigeres Phänomen handelt, analysierten die Mediziner die Daten einer Firma, die in den Niederlanden 90 % der Festivals mit elek­tronischer Tanzmusik medizinisch betreut.

Auf 28 Festivals waren 39 Besucher wegen epileptischer Anfälle behandelt worden. Da 7 der 28 Festivals im Freien (und damit ohne Stroboskoplicht) stattfanden und die Zahl der Besucher bekannt war, konnten die Forscher die Inzidenzen ermitteln und vergleichen.

Auf den Indoor-Veranstaltungen war es zu 1,20 Anfällen auf 10.000 Besucherstunden gekommen. Auf den Outdoor-Veranstaltungen waren es nur 0,35 auf 10.000 Besu­cher­stunden. Salet ermittelt eine relative Inzidenzdichte von 3,5, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,7 bis 7,8 signifikant war.

Die Forscher konnten eine weitere häufige Ursache von Epilepsie bei Ravern aus­schließen. Die Besucher halten sich häufig durch den Konsum von Ecstasy wach. Fast ein Drittel der Teilnehmer, die wegen eines epileptischen Anfalls behandelt wurden, hatte Ecstasy oder andere Drogen genommen. Der Anteil war jedoch bei den Teilnehmern, die auf Outdoor-Veranstaltungen einen Anfall erlitten hatten, gleich hoch wie auf den Indoor-Veranstaltungen.

Die niederländischen Mediziner raten allen jüngeren Menschen mit einer bekannten lichtempfindlichen Epilepsie, Indoor-Veranstaltungen zu meiden oder zumindest Vor­sichtsmaßnahmen zu ergreifen. Sie sollten gut ausgeschlafen sein und keine Drogen nehmen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #760435
eyedoc1
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 19:48

Alter Hut

Dass Flackerlicht epileptische Anfälle auslösen kann, haben wir Ende der 60er Jahre im Studium gelernt.
Avatar #38398
weisser
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 18:46

Neuro - Pädiater

Das ist mir seit 40 Jahren bekannt. So auch das fahren durch Alleen bei schräg einfallender Sonne und, und, und ……..
LNS

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