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Schulsport ist kein Breitband­antibiotikum

Freitag, 14. Juni 2019

/contrastwerkstatt, stockadobecom

Jena – Schulsport ist kein Allheilmittel. Die gesellschaftlichen Erwartungen an den Sportunterricht dürften nicht zu hoch sein. Darauf hat die Deutsch-Österreichische-Schweizer Gesellschaft für Orthopä­di­sch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) aufmerksam hingewiesen.

„Schulsport scheint zum Breitbandantibiotikum für gesellschaftliche Defizite und Anlie­gen zu avancieren“, erläuterte GOTS-Expertin Brigitta Höger vom Institut für Lehrer­Innenbildung der Universität Wien. Er solle die physische und psychische Gesund­heit fördern, die kognitive Leistungsfähigkeit steigern, soziale Lernmöglichkeiten bie­ten, zu einem gesunden und bewegten Lebensstil erziehen, Grundfähigkeiten für ein lebens­langes Sporttreiben vermitteln und idealerweise gleichzeitig auch noch Spaß machen.

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Zwar ließen sich diese Forderungen grundsätzlich rechtfertigen, da empirische Be­fun­de derartige Wirkweisen des Sportes belegten. „Als problematisch ist jedoch zu wer­ten, dass jene Wirkmechanismen des Sportes, die unter meist hochspezifischen Be­dingungen in empirischen Studien untersucht wurden, häufig uneingeschränkt auf das Unterrichtsfach Sport übertragen werden“, sagte Höger.

Sie kritisiert, dass meist nicht hinterfragt werde, welche spezifische Form von Sport in welchem Umfang tatsächlich notwendig wäre, um eine relevante Verbesserung einer Leistung herbeizuführen. Je nach Schulstufe und Schulform sind laut GOTS in der Regel zwei- bis viermal pro Woche je 50 Minuten für das Fach Sport reserviert. Nach Abzug notwendiger Zeiten für Umziehen, Hin- und Wegräumen, Erklärung und Organi­sation blieben Messungen zufolge nur durchschnittlich acht bis zehn Minuten für eine Bewegung in mindestens mittlerer Intensität. „Dieser Sport kann sich kaum positiv auf die aerobe Ausdauer und Fettverbrennung auswirken“, bilanziert die Fachgesell­schaft.

„Den einen Sportunterricht, der eine gesamte junge Generation gleichermaßen fit, ge­sund, klug, sozial kompatibel und selbstbewusst macht, gibt es nicht“, so Höger. Statt­dessen existierten viele verschiedene Ausprägungs- und Inszenierungsformen von Bewegung, Sport und körperlicher Aktivität. Die erfolgreiche Umsetzung einzelner For­derungen erfolge immer auf Kosten anderer und laufe Gefahr, einen großen Teil der Schüler auf der Strecke zu lassen, so die GOTS-Expertin.

Wichtig sei daher, dass Schulsport den Schülern verschiedene individuelle Möglichkei­ten biete. „Er muss vor allem Gesundheitskompetenz vermitteln, in Form von Wissen, grundlegenden Fähigkeiten und Motivation zu einem reflektierten Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit. Wenn er das schafft, treiben viele Jugendliche auch außerhalb der Schule weiter Sport“, so Höger. © hil/aerzteblatt.de

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