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Medizin

Meningoenzephalitis: Metagenomische Gensequenzierung kann Erregerdiagnose beschleunigen

Freitag, 14. Juni 2019

/angellodeco, stockadobecom

San Francisco – Die metagenomische Gensequenzierung, die innerhalb kurzer Zeit den Nachweis von Erregergenen ermöglicht, hat in einer prospektiven Studie im New England Journal of Medicine (2019; 380: 2327-2340) die Liquordiagnose von Hirninfektionen verbessert.

Bei einer akuten Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis ist rasches Handeln erforderlich. Der Erkrankung können Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren zugrunde liegen. Es kann sich aber auch um die akute Exazerbation einer Autoimmunerkrankung handeln. Entscheidend für die Differenzialdiagnose ist die Untersuchung des Liquors.

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Konventionelle Tests (Mikrobiologie oder Polymerase-Kettenreaktion) können nur einzelne Erreger nachweisen. Die Metagenomik („metagenomic next-generation sequencing“, mNGS) ermöglicht die Analyse sämtlicher Gene, aus denen dann auf den Erreger geschlossen werden kann. Die Methode ist genau und eine kulturelle Vermehrung ist nicht erforderlich. Bei einer entsprechenden Ausrüstung des Labors, die derzeit allerdings noch illusorisch ist, könnten die Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit vorliegen.

Ein Team um Charles Chiu von der Universität von Kalifornien in San Francisco hat den praktischen Nutzen der Therapie in einer Studie an 8 US-Zentren untersucht. An der Studie nahmen 204 pädiatrische oder erwachsene Patienten teil, die an einer Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis erkrankt waren. Die Patienten waren schwer krank: 48,5 %  wurden auf einer Intensivstation behandelt, die 30-Tage-Mortalität betrug 11,3 %.

Die Ursache der Hirnentzündung konnte bei 103 Patienten, also nur in etwa jedem zweiten Fall ermittelt werden. Darunter waren 57 Patienten mit 58 Infektionen, von denen 13 nur mit der mNGS und 26 nur mit konventionellen Methoden erkannt wurden. Die übrigen 19 Infektionen wurden mit beiden Methoden diagnostiziert.

Zu den Erregern, die nur durch die mNGS identifiziert wurden, gehörten das Virus der St.-Louis-Enzephalitis, das Hepatitis E-Virus und Streptococcus agalactiae. Es handelt sich um Erreger, die von den Ärzten nicht vermutet wurden, weil sie insgesamt sehr selten sind. Infektionen mit dem Virus der St.-Louis-Enzephalitis waren beispielsweise in Kalifornien seit 1986 nicht mehr beobachtet worden.

Insgesamt 7 der 13 Diagnosen, die durch das mNGS gestellt wurden, hatten laut Chiu Auswirkungen auf die Behandlung. Darunter war ein Patient, dem durch die Diagnose (und Behandlung) der Hepatitis E vermutlich eine Lebertransplantation erspart geblieben ist.

Dass insgesamt 26 Infektionen mit der mNGS übersehen wurden, führt Chiu darauf zurück, dass nicht bei jeder Hirninfektion auch Erreger im Liquor auftreten. Bei 11 der 26 Infektionen führten Antikörpertests zur Diagnose. Darunter waren 4 Infektionen mit dem West-Nil-Virus. Bei 7 Patienten wurden die Erreger in anderen Gewebeproben entdeckt. In 8 Fällen war die Konzentration der Erregergene im Liquor für eine sichere Diagnose zu niedrig. Ein Störfaktor ist körpereigene DNA aus den Leukozyten, die bei einer Entzündungsreaktion häufig im Liquor vorhanden sind. © rme/aerzteblatt.de

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