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Medizin

Ganglionstimulation Option für Patienten mit Hirnrindeninfarkt

Freitag, 14. Juni 2019

/peterschreiber.media, stockadobecom

Jerusalem – Patienten mit einem Schlaganfall durch die Verstopfung eines Hirngefä­ßes, für die eine Thrombolyse und eine Thrombektomie nicht infrage kommen, können von einer Ganglionstimulation profitieren. Das berichtet eine internationale Arbeits­gruppe in der Fachzeitschrift Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31192-4).

Bei dem Verschluss von Hirnarterien durch ein Blutgerinnsel kommt es darauf an, die Durchblutung des Hirngewebes möglichst schnell wiederherzustellen, da sonst blei­ben­de Schäden entstehen. Leider seien nicht alle Patienten für eine Lysetherapie ge­eignet, sagte der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Mitautor der Studie, Hans-Christoph Diener.

Problematisch sei die Lyse zum Beispiel, wenn ein schwerer Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen vorlägen, bei früheren Schlaganfällen oder wenn die Patienten sehr alt seien. Viele Schlaganfallpatienten könnten zudem nicht mit einer Lysetherapie behandelt werden, weil sie nicht schnell genug eine Klinik erreichten oder weil der Schlaganfall zu schwer sei, so Diener.

Eine andere Therapiemöglichkeit ist die interventionelle Entfernung des Thrombus aus dem Blutgefäß mittels eines Kathetereingriffes. Diese „Thrombektomie“ kommt vor allem bei Verschlüssen der großen proximalen intrakraniellen Arterien infrage, bei denen durch die Lyse eine Rekanalisation meist nicht möglich ist. „Allerdings bedarf diese interventionelle Therapie einer besonderen Expertise und kann nur in speziali­sier­ten Kliniken durchgeführt werden“, erläutert der Generalsekretär der DGN, Peter Berlit.

Laut der jetzt vorliegenden Lancet-Studie können Patienten mit einem Hirnrindenin­farkt auch mittels der Stimulation des Flügelgaumen-Ganglions (Ganglion sphenopala­tinum/GSP) behandelt werden. Die Stimulierung des GSP bewirkt eine Steigerung der Durchblutung durch die Weitstellung kleiner Hirngefäße und stabilisiert die Blut-Hirn-Schranke. Dadurch wird die Restdurchblutung des Infarktareals gesteigert, begleiten­den Ödemen entgegengewirkt und die gesamte Ausdehnung des Schlaganfalls redu­ziert.

Die Forscher untersuchten das Verfahren der Ganglionstimulation an 1.078 Patienten in 73 Zentren aus 18 Ländern. Die eingeschlossenen Schlaganfallpatienten waren zwi­­schen 40 und 85 Jahre alt, hatten keine Lysetherapie oder Thrombektomie erhal­ten und wurden innerhalb von 8 bis 24 Stunden nach dem Ereignis mit der minimal­invasiven, elektrischen GSP-Stimulation oder einem Scheineingriff behandelt.

Dazu wurde direkt am Patientenbett unter örtlicher Betäubung eine dünne, etwa 2 Zentimeter lange Elektrode mittels eines speziellen Injektionsgerätes vom Gaumen aus in den knöchernen Nervenkanal eingebracht, in dem sich das Ganglion befindet.

Die Elektrode verblieb dort über 5 Tage und mit einem außen seitlich an das Gesicht gehaltenen Transmitter wurde täglich eine vierstündige Elektrostimulation durchge­führt. Der Scheineingriff erfolgte entsprechend, ohne jedoch wirklich zu stimulieren. Als primäres Zielkriterium wurde nach 3 Monaten die Zahl der Patienten erfasst, deren Erholung neurologischer Funktionen besser als erwartet verlaufen war.

Patienten, die bei dem Schlaganfall eine Beteiligung der Hirnrinde hatten, zeigten in der Verumgruppe ein besseres Outcome: In der Interventionsgruppe erfassten die Forscher bei 50 % (121/244) und in der Placebogruppe bei 40 % (110/276) einen Be­handlungs­erfolg (p = 0,0258). Die Häufigkeit von Therapienebenwirkungen bezieh­ungs­weise unerwünschten Ereignissen unterschied sich zwischen Interventions- und Placebo­gruppe nicht.

„Bei Patienten mit Schlaganfällen durch einen Hirnrindeninfarkt, bei denen Kontraindi­katio­nen zur Lyse- oder interventionellen Therapie bestehen, könnte diese Ganglion­stimulation eine neue Möglichkeit darstellen, um das Outcome deutlich zu ver­bessern“, so Dieners Fazit. © hil/aerzteblatt.de

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