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Medizin

Stuhltransplantation übertrug tödliche Erreger

Montag, 17. Juni 2019

Darm im 3D-Model mit Zoom auf Mikrobiom. /Kateryna_Kon, stockadobecom
/Kateryna_Kon, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – In den USA sind zwei unter Immunsuppression stehende Patienten nach einem fäkalen Mikrobiotatransfer (FMT), auch als Stuhltransplantation bekannt, an einer invasiven Infektion mit multiresistenten E. coli erkrankt. Ein Patient starb an den Folgen der Infektion.

Die Übertragung von Spenderstuhl soll bei Patienten mit C. difficile-Infektionen (CDI) oder entzündlichen Darm­er­krank­ungen die Darmflora sanieren. Wenn die durch CDI ausgelöste Diarrhoe wiederholt auftritt, sei der fäkale Mikrobiotatransfer inzwischen das Mittel der Wahl, sagte Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena erst kürzlich bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

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Die beiden schweren Zwischenfälle in den USA zeigen, dass die Behandlung nicht ohne Risiken ist – weshalb sich die US-Arzneimittelbehörde FDA auch zu einer Safety Communication veranlasst sah. Darin fordert sie alle Ärzte, die den FMT durchführen, auf, die Spender sorgfältig auf eine Besiedlung mit multiresistenten Keimen zu untersuchen und positiv getestete Stuhlproben nicht zu verwenden, selbst wenn der Spender gesund ist.

Klinische Studien vorläufig gestoppt

Einem Bericht der New York Times zufolge hat die Behörde außerdem eine unbekannte Anzahl klinischer Studien gestoppt – solange, bis alle betroffenen Studienleiter nachweisen können, dass sie Screening-Verfahren einsetzen, die sicherstellen, dass gespendeter Stuhl keine gefährlichen Mikroorganismen enthält. Maria Vehreschild, Leiterin der AG Klinische Mikrobiomforschung am Universitätsklinikum Köln und Leiterin des Schwerpunktes Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt bemängelt auf Nachfrage, dass die FDA zu wenig Informationen zur Verfügung stelle, um die beiden aufgetretenen Fälle kompetent einschätzen zu können.

Außerdem „mangelt es an Angaben, im Rahmen welcher klinischen Studien die Fäkalen Mikrobiota-Transplantationen erfolgten und aufgrund welcher Erkrankungen“, so Vehreschild. Es habe sich offenbar um immunsupprimierte Patienten gehandelt, aber die Art und das Ausmaß der Immunsuppression würden nicht weiter definiert. Auch stelle sich die Frage, warum die Spender nicht auf eine Kolonisation mit multiresistenten Bakterien hin gescreent worden seien.

Den beiden immungeschwächten Patienten waren nach Angaben der FDA die Darmbakterien desselben Spenders übertragen worden. Beide erkrankten danach an einer invasiven Infektion mit E. coli, die auf keine Antibiotika ansprachen. Die Tests ergaben, dass die Bakterien das Enzym ESBL („Extended-spectrum Beta Laktamase“) produzierten, das sie resistent gegen die meisten verfügbaren Antibiotika macht.

Die Überprüfung weiterer Stuhlproben des Spenders ergaben, dass diese mit ESBL besiedelt waren. Dies führt bei Menschen mit einem intakten Immunsystem nicht notwendigerweise zu einer Erkrankung. Bei Patienten mit einer Immunschwäche können die Bakterien jedoch eine invasive Infektion auslösen.

In Deutschland „sind die Sicherheitsanforderungen an Studien mit FMT-Präparaten sehr hoch, sodass ich hier zuversichtlich bin, dass solche Komplikationen vermieden werden können“, sagte Vehreschild. Sowohl in einer aktuell laufenden als auch in weiteren, sich derzeit noch im Genehmigungsverfahren befindlichen Studien sei ihres Wissens „im Rahmen des Spenderscreenings der Ausschluss einer Kolonisierung mit multiresistenten Bakterien vorgesehen“.

In Bezug auf die FDA-Meldung würde ich Patienten, die eine solche Therapie anstreben, raten, sich nach dem Prozedere des Spenderscreenings im Rahmen der Aufklärung genau zu erkundigen. Maria Vehreschild, Universitätsklinikum Köln und Frankfurt

Keine strengen Vorgaben beim individuellen Heilversuch

Allerdings: FMT werden als individuelle Heilversuche auch außerhalb von Studien durchgeführt, viele deutsche Kliniken bieten diese Therapie mittlerweile an. Dabei geht es meist um Patienten, die unter rezidivierenden C. difficile-Infektionen leiden. „In diesem Kontext gibt es keine strengen regulatorischen Vorgaben bezüglich des Spenderscreenings“, so Vehreschild. „In Bezug auf die FDA-Meldung würde ich Patienten, die eine solche Therapie anstreben, raten, sich nach dem Prozedere des Spenderscreenings im Rahmen der Aufklärung genau zu erkundigen.“

Bereits seit 2013 bemüht sich die FDA um eine Regulierung von Stuhltransplantationen. Mit dem Vorstoß, die fäkalen Mikrobiotatransfers wie Medikamente zu behandeln, ist die Behörde jedoch nicht durchgedrungen. Da es wegen der Vielzahl der Darmbakterien keine Möglichkeit gibt, die Präparate zu standardisieren, lassen sich Erfolg und Risiken der Behandlung schwer abschätzen. © rme/nec/gie/aerzteblatt.de

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Avatar #754103
Biochemie
am Dienstag, 18. Juni 2019, 13:15

Stuhltransplantation ???

Die Biochemie ist und bleibt ein sehr kompliziertes und nicht immer vorhersehbares, planbares Gebiet da so viele Reaktionen ablaufen die sich jeder Zeit ändern können.

Jeder Mensch muss einzeln betrachtet werden.
Wenn man die Reaktion der Körper durch die Besiedlung von Bakterien aus einen fremden Darm mit der Reaktion des Körpers auf einen Insekten Gift vergleicht. Dann weiß man leider immer erst nachher, dass eine Reaktion entstanden ist und vieles lässt sich nicht bis auf die letzte Reaktion die Gleichzeitig oder nacheinander ablaufen erklären.

Es bleibt ein Versuch in der Hoffnung es funktioniert. Es gibt einige Menschen die haben unerklärbare oder seltene Krankheiten. Diese kann zum Beispiel kein Mediziner berücksichtigen, weil er sie nicht kennt.

Die Anzahl der Darmbakterien sind abhängig von Körperstoffen, Essen, Pflanzenschutzmittel (Pestizide), Antibiotika, Wetter, Gedanken und Gefühle kurz (Psyche), Hautgifte, Kontaktgifte (Pflanzen und Reinigung), usw.

So muss jeder sein Gleichgewicht halten und versuchen, herauszufinden, wo er wie gegensteuern kann, um den Darmbakterien einen Ort zu schaffen an dem sie gut leben können. So kann der Speisebrei von den Bakterien verstoffwechselt werden und die Nährstoffe durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen wo sie weiter transportiert werden um an andere stelle weiter umgewandelt werden. So das wir bei Leistung und Wohlgefühl bleiben können.

Die einfache Ansiedlung von Bakterien in einen Darm stellt doch die Frage: Warum sind die Bakterien nicht hier?
Es muss doch einen Grund geben, warum diese sich in diesem Darm Körper nicht genug vermehren (wie oben beschrieben).

Also Antibiotika die einige Bakterien abtöten können und die Gabe von Bakterien aus einen anderen Darm würde nicht viel nützen da die Lebensbedingungen in dem Darm für Bakterien nicht gegen sind.

In alle Richtungen ermitteln (wie oben beschrieben) und versuchen ein Lebensumfeld für Bakterien in Darm zu schaffen.
Das bedeutet ein Bewusstsein über die Abhängigkeit Psychologie und Medizin und einige biochemische Reaktionen in Bezug auf die Darmflora.

Wer kann etwas ergänzen oder ist anderer Meinung?

Grüße von Peter














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