NewsMedizinKeine Überlegenheit von Dabigatran gegenüber ASS bei der Sekundärprophylaxe nach krytogenen Schlaganfällen
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Medizin

Keine Überlegenheit von Dabigatran gegenüber ASS bei der Sekundärprophylaxe nach krytogenen Schlaganfällen

Montag, 17. Juni 2019

 /freshidea, stock.adobe.com
Kryptogene Schlaganfällen machen 20 bis 30 % der ischämischen Schlaganfälle aus und betreffen oft schon jüngere Menschen unter 55 bis 60 Jahren. /freshidea, stock.adobe.com

Essen – Der Gerinnungshemmer Dabigatran verhindert das Auftreten von Rezidiv-Ereignissen nach einem Schlaganfall unbekannter Ursache nicht effektiver als Acetylsalicylsäure (ASS). Das zeigt eine neue Studie, die jetzt im New England Journal of Medicine erschienen ist (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1813959).

„Ältere Menschen haben oft Gefäßerkrankungen durch Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen“, erläuterte Hans-Christoph Diener von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg Essen. Bei kryptogenen Schlaganfällen ist die Ursache dagegen unbekannt. Bei 5 % der Patienten mit einem kryptogenem Schlaganfall kommt es in den 12 Monaten nach der ersten Erkrankung zu einem erneuten Schlaganfall.

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Unter der Annahme, dass der Löwenanteil der kryptogenen Schlaganfälle eine embolische Ursache hat  – mit jedoch unbekanntem Ursprung des Embolus – wurde ein neuer Terminus eingeführt: ESUS („embolic stroke of undetermined source“ = embolischer Schlaganfall ungeklärter Ätiologie). Die Sekundärprävention erfolgt bisher mit ASS, einem Thrombozytenaggregationshemmer, der die Verklumpung von Thrombozyten hemmt. Experten hoffen, mit Gerinnungshemmern aus der Gruppe der Nicht-Vitamin-K oralen Antikoagulantien (NOAK) einen noch besseren Schutz vor weiteren Schlaganfällen zu erreichen.

Die jetzt publizierte Untersuchung ist eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde Studie, die Dabigatran 150 mg oder 110 mg zweimal täglich mit ASS 100 mg einmal täglich bei Patienten mit ESUS untersuchte. Der primäre Endpunkt war ein rezidivierender Schlaganfall. Wichtigster Sicherheitsparameter war das Auftreten schwerwiegender Blutungen als Nebenwirkung beziehungsweise Komplikation der Behandlung. Insgesamt wurden 5.390 Patienten an 564 Standorten in 46 Ländern randomisiert. Alle hatten vor kurzem einen ESUS erlitten. Zur Rezidiv-Prophylaxe erhielten 2.695 Dabigatran und 2.695 ASS.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 19 Monaten trat ein rezidivierender Schlaganfall bei 177 (6,6 %) der mit Dabigatran behandelten Patienten und bei 207 (7,7 %) der mit ASS behandelten Patienten auf. Dabigatran verhinderte damit das Auftreten von Rezidiv-Schlaganfällen nach ESUS nicht signifikant besser als ASS 100. Schwere Blutungen als Therapienebenwirkung traten bei 77 (2,9 %) Patienten mit Dabigatran und bei 64 (2,4 %) Patienten mit ASS auf. Dabigatran hatte damit statistisch kein signifikant erhöhtes Risiko für schwerwiegende Blutungen verglichen mit ASS.

„Auch wenn die Studie keine Überlegenheit der Therapie mit Dabigatran gegenüber ASS zeigte, so konnte erfreulicherweise die Sorge um durch eine überschießende Gerinnungshemmung ausgelöste schwere Blutungskomplikationen ausgeräumt werden“, erklärte Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.   © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #708350
neurosono
am Montag, 17. Juni 2019, 19:17

Fehler im Titel der Mitteilung

Es wurde nicht die Sekundärprophylaxe nach kryptogenen Schlaganfällen, sondern die Sekundärprophylaxe nach kryptogenen EMBOLISCHEN Schlaganfällen untersucht ("...Prevention of Stroke after Embolic Stroke of Undetermined Source"). Bitte Titel der Mitteilung ändern!
LNS

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