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Medizin

Kein erhöhtes HIV-Risiko durch Depot-Kontrazeptiva

Dienstag, 18. Juni 2019

Doctor Applying Injection To Patient / /Andrey Popov, adobe.stock.com
/Andrey Popov, adobe.stock.com

Seattle – Das Depot-Kontrazeptivum DMPA-IM, das als „Dreimonatsspritze“ in Regionen Afrikas mit einer hohen HIV-Prävalenz von vielen Frauen bevorzugt wird, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in mehreren afrikanischen Ländern das Risiko einer HIV-Infektion nicht erhöht. Die jetzt im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31288-7) vorgestellten Ergebnisse dürften zu einer Neubewertung von DMPA durch die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) führen.

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DMPA-IM (für „intramuscular depot medroxyprogesterone acetate“) ist bei vielen Frauen in Afrika beliebt, da es eine unkomplizierte und vor allem diskrete Form der Kontra­zeption ist. Es versteht sich von selbst, dass DMPA-IM keinerlei Schutz vor einer HIV-Infektion bietet, die nur durch die bei vielen Männern unbeliebte Verwendung eines Kondoms erzielt werden kann.

Vor einigen Jahren kamen epidemiologische Studien zu dem Ergebnis, dass Frauen, die DMPA-IM als Kontrazeptivum benutzten, zu 40 bis 50 % häufiger an HIV erkrankten als Frauen, die ein Intrauterinpessar oder ein Levonorgestrel-Implantat erhalten hatten. Dies hat dazu geführt, dass die WHO im März 2017 die DMPA-IM in ihren Empfehlungen zur Kontrazeption von der Kategorie 1 (Empfehlung ohne Einschränkung) auf die Kategorie 2 (Vorteile überwiegen die theoretischen oder belegten Risiken) zurückgestuft hat.

3 Langzeitkontrazeptiva im Vergleich

Wegen der Beliebtheit der DMPA-IM und angesichts von fehlenden plausiblen Gründen für ein erhöhtes Risiko wurden die Auswirkungen von DMPA-IM mit 2 alternativen Langzeitkontrazeptiva (Intrauterinpessar oder ein Levonorgestrel-Implantat) auf das HIV-Infektionsrisiko in einer randomisierten Studie verglichen. An der ECHO-Studie („Evidence for Contraceptive Options and HIV Outcomes“) nahmen an 21 Zentren in Kenia, Sambia, Südafrika und Swasiland 7.830 junge HIV-negative Frauen teil, die eine sichere Kontrazeption nachgefragt hatten. Die Frauen wurden zu gleichen Teilen auf die drei Kontrazeptiva randomisiert.

Obwohl an alle Frauen kostenlose Kondome ausgeteilt wurden und sie über Safer Sex aufgeklärt wurden, war die Infektionsrate hoch. Insgesamt 397 oder 5,1 % infizierten sich innerhalb von anderthalb Jahren mit HIV. Die Gründe kann die Studie nicht klären. Da es – aus verständlichen Gründen – keine Gruppe ohne Langzeitkontrazeption gab, ist unklar, ob die sichere Schwangerschaftsverhütung die Frauen unvorsichtig werden ließ, oder ob es ihnen einfach nicht gelang, sich mit dem Wunsch nach einer Kondombenutzung bei ihren Partnern durchzusetzen.

WHO-Empfehlungen anpassen

Für zukünftige WHO-Empfehlungen ist wichtig, dass es zwischen den 3 Gruppen keine Unterschiede hinsichtlich der HIV-Infektion gab. Nach den von Jared Baeten, Universität Seattle, vorgestellten Daten betrug die Inzidenz in der DMPA-IM-Gruppe 4,19 HIV-Infektionen auf 100 Frauenjahre. Bei den Frauen, die ein Intrauterinpessar erhalten hatten, kam es zu 3,94 HIV-Infektionen auf 100 Frauenjahre und in der Gruppe mit Levonorgestrel-Implantat zu 3,31 HIV-Infektionen auf 100 Frauenjahre. Die Unterschiede zwischen den 3 Gruppen waren minimal und die Hazard Ratios in den Vergleichen zwischen den drei Kontrazeptiva waren nicht signifikant.

Für die WHO gibt es aufgrund der Ergebnisse keine Gründe mehr, DMPA-IM als problematisches Langzeitkontrazeptivum einzustufen. Alle 3 Methoden erwiesen sich als effektiv mit Schwangerschaftsraten von 1 % oder weniger pro Jahr. Nur 7 % der Frauen hatten Komplikationen oder Nebenwirkungen, die zum Absetzen der Methode führten. Es bleibt aber das Problem der hohen HIV-Infektionsrate. © rme/aerzteblatt.de

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