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Ärzteschaft

Neue Bedarfsplanungs­richtlinie schafft keine zusätzlichen Ärzte

Montag, 17. Juni 2019

/dpa

Düsseldorf – Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) in ihrer jüngsten Sitzung erstmals Zahlen zur neuen Bedarfsplanungsrichtlinie vorgestellt, die ab 1. Juli 2019 gelten soll.

Demnach prog­nostiziert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) für das Rhein­land ein Plus von etwa 320 Arztsitzen, davon rund 110 für Hausärzte. Durch das Ab­senken von Verhältniszahlen für einzelne Arztgruppen sei auch mit mehr Sitzen für Fachinternisten, etwa 30 zusätzlichen Sitzen für Kinder- und Jugendärzte, rund 55 zusätzlichen Sitzen für Nervenärzte und etwa 60 zusätzlichen Sitzen für Psychothera­peu­ten zu rechnen.

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„Wir gehen davon aus, dass diese zusätzlichen Niederlassungsmöglichkeiten voraus­sichtlich ab Anfang 2020 realisiert werden“, betonte Frank Bergmann. Dadurch kann sich nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der KVNO die Versorgung in einigen Be­reichen verbessern. Rein rechnerisch seien keine unterversorgten Planungsbereiche zu erwarten.

Verlust an Flexibilität und Autonomie

Gleichzeitig kritisierte Bergmann die neue Bedarfsplanungsrichtlinie. „Wir verlieren an Flexibilität und Autonomie in der Bedarfsplanung.“ Die Berechnungen der Nieder­lassungs­­möglichkeiten nehme ab jetzt die KBV vor. Die Zahlen würden auch nur alle zwei Jahre aktualisiert. „Wir hängen am Tropf der KBV, was die Aktualisierung der Daten und die Anpassung der Planungsmöglichkeiten angeht“, verdeutlichte der KVNO-Chef.

Darüber hinaus könne die Politik in die Bedarfsplanung eingreifen, zum Beispiel durch das Antragsstellungsrecht des nordrhein-westfälischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums im Landesausausschuss und durch die Möglichkeit des Ministeriums, Teilgebiete von gesperrten Planungsbereichen zu bestimmen, in den Zulassungsbeschränkungen für einzelne Arztgruppen aufgehoben werden können. Dadurch könne es zu einer „Politi­sie­rung der Bedarfsplanung“ kommen, „wie wir das auch von den Krankenhaus-Stand­or­ten her kennen“.

Es werde daher darauf ankommen, „wie wir mit den durchaus konstruktiv aufgestellten Mitarbeitern des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums arbeiten können“. Zudem schaffe die Richt­linie allein noch keine neuen Ärzte. Völlig offen bleibe auch, wie die Finanzierung der zusätzlichen Sitze aussehe. „Darum hat sich niemand gekümmert“, stellte Bergmann fest.

Strukturfonds kommt gut an

Gut an kommt im Rheinland der Strukturfonds, der im Oktober 2018 eingerichtet wur­de, um freie Arztsitze schneller wieder besetzen zu können. „Das ist wesentlich schnell­er angelaufen, als wir das gedacht haben“, freute sich Bergmann. „Wir ver­zeich­nen eine hohe Resonanz auf die Fördermaßnahmen und haben seit Oktober schon fast zwei Millionen Euro bewilligt.“

Mit dem Geld gewährte die KVNO 22 Investitionskostenzuschüsse für die Übernahme und Gründung hausärztlicher Praxen. Zudem förderte sie damit neun Quereinstiege von Ärzten anderer Facharztgruppen in die Allgemeinmedizin. Weitere Maßnahmen wie etwa die Förderung von Famulaturen seien „auf dem Weg“.

Zahlen lieferte der Vorstand auch zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI). Rund 17.500 Arzt­praxen müssen im Rheinland an die TI angeschlossen werden. Bis Ende Mai lag der Anteil der angeschlossenen Praxen bei rund 30 Prozent, hieß es. Bis Ende September sollen etwa 90 Prozent der Praxen angeschlossen sein.

Bis zum 1. Juli dieses Jahres müssen alle Vertragsärzte an die TI angeschlossen sein und einen Stammdatenab­gleich vornehmen können. Ärzte, die bis dahin nicht teil­nehmen, sollen ein Prozent vom Honorar abgezogen bekommen. © ts/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 18. Juni 2019, 16:44

Rechenlehre ist doch Sozialgesetzbuch V pur!

und da ist nun mal die "Gesamtvergütung mit der befreienden Wirkung" gesetzlich verankert ... nur wer liest das?
Höcherl als Inneminister früher "Die Beamten können nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen" ... wer läuft denn in den Körperschaften mit SGB V unter dem Arm herum?
Avatar #105004
sohrab
am Dienstag, 18. Juni 2019, 14:33

Das Ende der Empörung!

Vielen Dank für die erneute tolle Rechenlehre und Belehrung. Man muss einfach anerkennen dass es Personen gibt, die es wirklich besser wissen und mit allem Recht haben. Daher erübrigt sich auch eine weitere Kommentierung... :-)
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 18. Juni 2019, 11:09

Nicht "empören", rechnen und denken :-)

320 zusätzliche Sitze entziehen allen derzeit tätigen Ärzten 65 Mio. Einverstanden?
Ihr Arbeitsvolumen bleibt gegenüber dem Status quo unverändert. Die zusätzlichen Sitze wurden geschaffen, um den Nachfrageüberhang zu beseitigen (Stichwort: Wartezeit) und nicht, um die vorhandene Arbeit auf mehr Ärzte aufzuteilen.

Im Übrigen, hätte man die Arbeit auf mehr Ärzte, bei gleichem Ausgabevolumen, verteilt, hätte es für jeden einzelnen Arzt eine Honorarkürzung bei GLEICHBLEIBENDEM Angebot bedeutet. Die jetztige Lösung bedeutet Honorarkürzung (für die Ärzte) und steigendes Angebot für die Patienten (und die Kassen).

Sie werden weiterhin 65h pro Woche arbeiten. Dass Sie nicht der Einzige sind, der davon ausgeht, künftig 20% weniger arbeiten zu müssen und dafür nur 2% weniger Honorar zu erhalten, spricht dafür, dass die KV nicht mit Widerstand rechnen muss.

Einer Gruppe, die nicht verstehen WILL, kann man nichts erklären.

Dass Sie sogar Anlass sehen, MIT der KV für irgendetwas anzutreten, ist m. E. ein glatter Witz. Die KV kürzt Ihr Honorar und sie wollen MIT denen, die Sie zuvor grob gefoult haben, zusammen einen trinken gehen?
Sie haben mit Ihren Ausführungen meine Aussage "... und die Ärzte bemerken es nicht einmal." voll umfänglich bestätigt.
:-)
Avatar #105004
sohrab
am Dienstag, 18. Juni 2019, 07:45

Empörend...

am frühen Morgen schon wieder Milchmädchenrechnungen zu lesen. Es gibt keinen Grund auf die KV sauer zu sein, weil es nicht die Idee der KV (als ausführendes Organ) ist 320 Sitze zusätzlich zuzulassen, es gibt aber sehr wohl Grund mit der KV gemeinsam dafür zu kämpfen dass die mit den neuen Zulassungen verbundene Leistung auch entsprechend vergütet wird. Oder wurde bei der Rechnung davon ausgegangen das die Arbeit der neu zugelassenen bei den bisherigen 19.000 gleich dazu führen kann Versorgung in gleichem Verhältnis runter zu schrauben? Wenn ich hier in meiner Praxis entlastet werde und von 65h auf 50h reduzieren kann bin ich zu einer Honorareinbuße von 2% gerne bereit. Dann sehen mich meine Kinder auch mal und ich bin nicht der einzige der so denkt.
Avatar #88767
fjmvw
am Montag, 17. Juni 2019, 19:55

KVNO verzichtet auf 65 Mio

... und die Ärzte bemerken es nicht einmal.

Bevor du eine derartige Beleidigung deines Intellekts empört zurückweist, schließlich bist du nicht so blöd, einen Verlust von 65 Mio nicht zu bemerken, lies einfach ein wenig weiter. Wenn du anschließend immer noch empört sein willst, ok. Solltest du anschließend sauer auf "deine" KV sein, würde ich das sehr begrüßen.

Wenn eine Neufestsetzung der Bedarfsplanungszahlen dazu führt, dass 320 Ärzte in Nordrhein zusätzlich zugelassen werden, freut es vor allem die Patienten. Denn mehr Ärzte steht für kürzere Wartezeit, kürzere Wege usw. Die Kassen freut es auch, denn die Versorgungssituation für ihre Versicherten verbessert sich. Übrigens, weder die Kassen noch die Patienten zahlen einen Cent mehr, obwohl es 320 zusätzliche Ärzte gibt.

Jetzt biegen wir auf die Zielgerade der Erklärung ein. Ein Vertragsarzt setzt ca. 200T€ pro Jahr mit der GKV um. Bei 320 Ärzten summiert sich das auf rund 65 Mio€ pro Jahr.
Derzeit gibt es rund 19.000 KV-Mitglieder in Nordrhein. Die Kassen überweisen an die KVNO eine "Gesamtvergütung mit befreiender Wirkung" in Höhe von X. Wenn statt 19.000 KV-Mitgliedern künftig 19.320 Mitglieder aus der Gesamtvergütung alimentiert werden müssen, dann wirkt das auf die bisherigen 19.000 KV-Mitglieder so, als wenn man die Gesamtvergütung um 65 Mio gekürzt hätte. Pro Arzt bedeutet das eine Honorarkürzung um rund 2%.

Und, bist du immer noch über mich empört? Oder richtet sich deine Empörung jetzt an andere Adressaten?

Übrigens, heißer Tipp: Die KVNO ist nicht blöd. Die weiß natürlich, dass eine Ausweitung der Arztzahlen bei gleichbleibender Gesamtvergütung zu fallen Honoraren bei allen Ärzten führen muss. Der änd meldet dazu:
"Völlig offen bleibe auch, wie die Finanzierung der zusätzlichen Sitze aussehe. „Darum hat sich niemand gekümmert“, stellte Bergmann fest."

Diese Aussage kannst du gleich in die Tonne kloppen. Das ist ein einfaches, aber in der Vergangenheit äußerst erfolgreiches, Ablenkungsmanöver. Denn da die Kassen ihre Gesamtvergütung "mit befreiender Wirkung" gezahlt haben, sind die Kassen aus der Nummer raus. Nirgendwo steht, dass die Kassen für mehr Ärzte auch zusätzlich in die Tasche greifen müssten.
Deswegen bleibt nur übrig, dass sich die 19.320 KV-Mitglieder mit einer um 2% pro KV-Mitglied abgesenkten Honorarsumme zufrieden geben müssen. Die Finanzierungsseite ist also keineswegs offen, Herr Bergmann.

Der einzige Punkt, der bei der KV zur Erledigung anstehen könnte, wäre, die Mitglieder der KV über die finanziellen Auswirkungen zusätzlicher Sitze auf ihr eigenes Honorar zu informieren. Da es die KV nicht macht, habe ich das mit diesem Kommentar für sie erledigt.
LNS

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