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Politik

Debatte um Psychiatrien in Hessen reißt nicht ab

Dienstag, 18. Juni 2019

/dpa

Wiesbaden – Nach Berichten über Missstände auch in der Akutpsychiatrie des Frank­furter Universitätsklinikums haben Sozial- und Wissenschaftsministerium Abhilfe ver­sprochen. Es sei „unstrittig“, dass das Gebäude nicht mehr zeitgemäß und dadurch auch schwer instand zu halten sei, sagte Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) gestern in Wiesbaden. Die Psychiatrie solle „so bald wie möglich saniert und erweitert werden“.

„Nicht bestätigen“ wollte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne), dass Patienten dort „nicht ordnungsgemäß untergebracht und behandelt werden“. Ausgelöst durch einen Bericht des Hessischen Rundfunks habe man ein „fachaufsichtliches Gespräch“ mit der Klinikleitung geführt, in dem die meisten Punkte ausgeräumt worden seien. Klose warnte davor zu unterstellen, dass es in allen psychiatrischen Kliniken Miss­stände gebe.

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Gestern beschäftigte sich der Sozialausschuss des Landtags auf Antrag der Linken mit den Vorwürfen. Auch die Psychiatrie des Klinikums Frankfurt-Höchst war nach einem TV-Beitrag in die Kritik geraten. Für die Linke sind beide Fälle „symptomatisch für die immer wiederkehrende Kritik an Arbeitsbedingungen und Behandlungs­situatio­nen in vielen stationären Einrichtungen“.

Der Hessische Rundfunk hatte unter Berufung auf Mitarbeiter über Überbelegung und marode Gebäude berichtet. Überlastungsanzeigen und Beschwerdebriefen werde nicht nachgegangen, Patienten würden fixiert, zum Teil durch nicht ausreichend ausgebildete Leiharbeiter. „Erste Überprüfungen“ hätten das nicht bestätigt, sagte Klose.

Zeitweise Überbelegungen seien in Akutstationen nicht zu vermeiden, „und das ist auch gut so, denn die Alternative wäre, Patienten abzuweisen“. Die Frankfurter Psy­chi­a­trie sei Anfang 2019 überbelegt gewesen, aktuell sei sie es nicht und auch hessen­weit gebe es keine dauerhafte Überbelegung. Fixierungen würden „fast ausschließlich von examinierten Pflegepersonen wahrgenommen“.

Auf dem Gelände der Uniklinik ist ein „Psychiatriecampus“ geplant, der laut Dorn „bei der Projektierung neuer Maßnahmen die höchste Priorität genießt“. Es geht um die Sanierung der alten Gebäude und einen Erweiterungs-Neubau für 140 Millionen Euro. Frühester Baubeginn des ersten Bauabschnitts ist 2022. Zum Abfedern von Bele­gungs­­spitzen sollen bis dahin Räume eines anderen Gebäudes auf dem Campus mit­genutzt werden.

Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge steigt die Zahl der Men­schen, die sich in Hessen in stationäre psychiatrische Behandlung begeben, kontinu­ierlich an. Zwischen 2000 und 2017 sei die Zahl laut Hessen Agentur von gut 47.000 auf knapp 58.000 gestiegen, private Kliniken nicht eingerechnet. © dpa/aerzteblatt.de

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