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Medizin

Ländliche Keime im Wohnzimmer schützen auch Vorstadtkinder vor Allergien

Dienstag, 18. Juni 2019

/galitsin, stock.adobe.com

Kupio/Finnland – Ob Kinder an Allergien oder Asthma erkranken, hängt davon ab, mit welchen Mikroorganismen sie in den ersten Lebensmonaten in Kontakt geraten. Laut einer Studie in Nature Medicine erkranken die Kinder um so seltener, je „bäuerlicher“ die Zusammensetzung des Hausstaubs in der elterlichen Wohnung ist (2019; doi: 10.1038/s41591-019-0469-4). Dies traf auch auf Kinder aus städtischen Regionen zu.

Epidemiologische Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass Kinder von traditionellen Bauernhöfen nur halb so häufig an Allergien und Asthma erkranken wie Kinder in Städten, die keinen Kontakt zu Tieren haben. Immunologen führen dies auf die Exposition mit Mikroorganismen in den ersten Lebensmonaten zurück. In dieser für das Immunsystem wichtigen Lebensphase entscheidet sich, ob die Antigene der Mikro­organismen später als harmlos eingestuft werden oder eine allergische Immunantwort auslösen.

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Ein Team um Pirkka Kirjavainen vom finnischen Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt in Kupio hat jetzt versucht, das protektive Mikrobiom von Bauernhöfen näher zu charakterisieren. Dazu wurden Staubproben aus den Wohnzimmern von Familien untersucht, die ein Kind im Alter von 2 Monaten hatten. Mehr als 200 Kinder hatten an der LUKAS 1-Studie teilgenommen.Sie kamen aus dem ländlichen Raum –  die Hälfte war auf Bauernhöfen aufgewachsen. An der Studie LUKAS 2 hatten ebenfalls gute 200 Kinder teilgenommen, die in den Vororten von Kupio aufgewachsen waren.

Hausstaub mit unterschiedlichen Bakterien

Die Analysen ergaben, dass im Hausstaub aus den Wohnungen der Farmkinder häufiger Bakterien überwogen, die auch in den Ställen verbreitet sind. Dazu gehören Bacteroidales, Clostridiales und Lactobacillales. Auch Methanobrevibacter aus dem Pansen von Kühen wurden in den Wohnzimmern nachgewiesen. In den Wohnzimmern der Vorstädte überwogen dagegen Staphylokokken und Streptokokken.

Es gab in den Vororten aber auch Häuser, in denen ländliche Bakterien ins Wohnzimmer gelangten. Dies waren öfter ältere Häuser mit einer höheren Luftfeuchtigkeit. Die Bewohner dort trugen häufiger ihre Straßenschuhe in der Wohnung. Auch in Familien mit mehreren Kindern waren die Bakterien „ländlicher“ als in klinisch sauberen Häusern mit Einzelkindern.

Laboruntersuchungen zeigten, dass das Immunsystem der Kinder, die in den ersten Monaten landwirtschaftlichen Keimen ausgesetzt waren, eine immunologische Toleranz entwickelt hatten.

Staub in Matratzen ebenfalls mit unterschiedlichen Bakterienmustern

Die Ergebnisse konnten in der GABRIELA-Studie bestätigt werden, die 1.031 Kinder im ländlichen Raum von Ulm und München untersucht hat. Dort waren Staubproben aus Matratzen entnommen worden. Sie enthielten ebenfalls häufiger Bakterien aus den Ställen, wenn die Kinder auf dem Bauernhof aufgewachsen waren.

Die Studie deutet darauf hin, dass die Exposition mit den „richtigen“ Bakterien in den ersten Lebensmonaten vor Asthma und Allergien schützen könnte. Der abschließende Beweis steht allerdings noch aus. Dazu müssten in einer randomisierten Studie Kinder in urbaner Umgebung gezielt mit den Bakterien aus Bauernhöfen exponiert werden, um zu untersuchen, ob sie dann seltener erkranken.

© rme/aerzteblatt.de

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