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Medizin

IgA-Antikörper in der Muttermilch schützen Frühgeborene vor nekrotisierender Enterokolitis

Dienstag, 18. Juni 2019

 Ein sehr kleines Baby wird gestillt. /dpa
Et­wa 5–10 % der Frühgeborenen unter 1.500 g entwickeln eine nek­rotisie­ren­de En­terokolitis. Frauenmilch kann vor der le­bens­bedroh­lichen Magen-Darm-Erkrankung schützen. /dpa

Pittsburgh – IgA-Antikörper in der Muttermilch binden im Darm des Säuglings potenzielle Krankheitserreger und können dadurch Darminfektionen in den ersten Lebensmonaten verhindern. Dies zeigt eine Studie in Nature Medicine (2019; doi; 10.1038/s41591-019-0480-9). Sie erklärt, warum Frauenmilch Frühgeborene vor einer nekrotisierenden Enterokolitis schützen kann.

Der Darm des Neugeborenen ist in den ersten Lebenswochen noch nicht in der Lage, sich gegen Krankheitserreger zu schützen. Die Produktion von IgA-Antikörpern setzt erst ab dem 2. Lebensmonat ein. In dieser Zeit sind die Säuglinge auf den Schutz von Antikörpern angewiesen, die von B-Zellen in der Brustdrüse gebildet und in die Muttermilch abgegeben werden.

Frühgeborene sind besonders anfällig für Darminfektionen. Bei ihnen kann es zu einer schweren Entzündung mit Absterben von Darmabschnitten kommen, die als nekrotisierende Enterokolitis (NEC) bezeichnet wird und eine häufige Todesursache von extremen Frühgeborenen ist.

Seit längerem ist bekannt, dass der Entzündung häufig die Ausbreitung von Enterobakterien vorausgeht. Ein Team um Timothy Hand vom Children’s Hospital of Pittsburgh hat die Rolle der IgA-Antikörper bei der Erkrankung untersucht. Zunächst verglichen sie Stuhlproben von 30 Frühgeborenen mit NEC und 39 gesunden Frühgeborenen gleichen Gestationsalters. In beiden Gruppen waren einige Säuglinge mit Frauenmilch (von der Mutter oder einer Spenderin) und andere mit Ersatznahrung gefüttert worden.

Ersatznahrung verzögert IgA-Nachweis um Wochen

In den Stuhlproben der Frühgeborenen, die mit Frauenmilch gefüttert wurden, konnten die Forscher Bakterien nachweisen, auf deren Oberfläche sich IgA-Antikörper befanden. Hand deutete dies als Hinweis für die Neutralisierung der Keime durch die Antikörper. Bei den mit Ersatznahrung gefütterten Säuglingen vergingen einige Wochen, bis an IgA-Antikörper gebundene Bakterien im Stuhl nachweisbar auftauchten.

Bei den Frühgeborenen mit NEC war die Konzentration der durch IgA-Antikörper neutralisierten Bakterien im Stuhl vermindert und sie hatte vor Beginn der Erkrankung weiter abgenommen. Offenbar war es im Darm der Säuglinge zur Vermehrung von Keimen gekommen, die von den protektiven IgA-Antikörpern nicht erkannt wurden. Gleichzeitig kam es zu einer Verarmung in der Artenvielfalt der Darmbakterien.

Genetische Untersuchungen der Stuhlproben belegten, dass sich im Darm der Neugeborenen mit NEC tatsächlich Enterobacteriaceae ausgebreitet haben.

Tierversuche bestätigen IgA-Funktion bei NEC

Die Forscher haben den Zusammenhang weiter an Mäusen untersucht, deren Muttertiere aufgrund eines Gendefekts keine IgA-Antikörper bildeten. Bei diesen Tieren kam es zu einer NEC, wenn das Futter mit Enterobacteriaceae kontaminiert war. Mäuse, deren Muttertiere IgA-Antikörper in der Milch hatten, blieben dagegen gesund.

Die Studie zeigt, dass ein Mangel an IgA-Antikörpern eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für die NEC ist. Neben dem Mangel an protektiven Antikörpern müssen weitere Faktoren hinzu kommen, die die Besiedlung mit Enterobacteriaceae begünstigen. Welche Faktoren dies im klinischen Alltag sind, ist unklar.

Dass Frauenmilch die Säuglinge schützen kann, ist dagegen bekannt. Viele Kliniken sammeln deshalb Frauenmilch, um die Frühgeborenen von Müttern, die nicht stillen können, zu schützen. Hand regt an, die Frauenmilch auf ihren IgA-Gehalt zu prüfen, um die beste Milch den Frühgeborenen zur Verfügung zu stellen, die sie am dringendsten benötigen. © rme/aerzteblatt.de

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