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Endokrine Disruptoren trotz Verboten noch immer in der Nahrungskette

Dienstag, 18. Juni 2019

Plastikflasche und Spielzeug/SkyLine, adobe.stock.com
Endokrine Disruptoren können in geringen Mengen in Pestiziden oder Pflanzenschutzmitteln, verschiedenen Kunststoffen, Kosmetika und Körperpflegemitteln, Gegenständen des täglichen Gebrauchs, Einrichtungsgegen­ständen und Kinderspielzeug, aber auch im Wasser und in unserer Nahrung enthalten sein. /SkyLine, adobe.stock.com

Berlin– Endokrin aktive Substanzen – auch als endokrine Disruptoren oder Umwelt­hor­mone bezeichnet – müssen strenger reguliert werden. Dafür sprach sich heute die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) auf einer gemeinsamen Pressekon­ferenz mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) aus.

„Endokrin aktive Substanzen wie der Weichmacher Bisphenol A stören hormonelle Vorgänge beim Menschen und bei anderen Lebewesen und sie stehen mit dem Risiko für Erkrankungen wie Krebs, Adipositas und Diabetes in Zusammenhang“, warnte DGE-Präsident Josef Köhrle, Berlin.

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Zwar sei bereits 1999 eine EU-Strategie zu endokrin aktiven Substanzen festgelegt worden, aber „diese wurde von der EU-Kommission massiv verschleppt“, berichtete Köhrle. Erst 2018 – und nachdem die EU-Kommission von einigen europäischen Regierungen verklagt worden war– wurden zwei Richtlinien für die Bewertung von Bioziden und Pflanzenschutzmitteln auf endokrine Aktivität verabschiedet.

„Es gibt heute kaum Produkte, die kein Bisphenol A enthalten“, so der DGE-Präsident vom Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. In Babyflaschen sei es zwar mittlerweile verboten, aber „dafür würden jetzt andere Substanzen eingesetzt, die eine ähnliche, teils sogar schlimmere Wirkung hätten.

Umwelthormone weltweit nachweisbar

Einige endokrin aktive Substanzen sind schon seit Jahren verboten, finden sich aber noch immer in der Umwelt und damit in der Nahrungskette. Polychlorierte Biphenyle etwa werden seit Beginn der 1980er-Jahre in vielen Ländern nicht mehr hergestellt, seit 2001 sind sie weltweit verboten.

Trotzdem sind sie noch heute auf der ganzen Welt nachweisbar – auch im mensch­lichen Körper. Mit Luft- und Wasserströmungen sind sie sogar bis in die Polarregionen gelangt – und dort zum Beispiel im Fettgewebe von Eisbären nachweisbar.

Zu den bekanntesten endokrin aktiven Substanzen zählen:

  • Bisphenol A (BPA) und Phtalate, Weichmacher
  • polychlorierte Biphenyle (PCB), früher als Hydraulik- oder Isolieröle
  • Dioxine, entstehen bei Verbrennungsprozessen
  • DDT, früher großflächig zur Insektenbekämpfung

Von mehr als 22.000 in der EU vermarkteten Chemikalien sowie natürlich vorkommen­den Substanzen werden mehr als 1.000 als endokrin aktiv eingeschätzt und gegen­wärtig untersucht. Dass endokrin aktive Substanzen nicht nur nachteilige Wirkungen auf aquatische und terrestrische Lebewesen in der Umwelt haben, sondern auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen, dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Belege.

Deshalb fordert die DGE – wie auch andere endokrinologische Fachgesellschaften weltweit – endokrin aktive Substanzen konsequent aus dem Verkehr zu ziehen – „ebenso wie man es auch bei krebserzeugenden, mutagenen oder keimbahn­schädi­genden Substanzen macht“, so Köhrle.

Insbesondere sei es nicht sinnvoll, bekannte endokrin aktive Substanzen durch verwandte, aber noch wenig untersuchte Verbindungen zu ersetzen, fuhr der DGE-Experte fort. Auch diese können das Hormonsystem aus der Balance bringen. „Nur wenn Produzenten und Vertreiber nachweisen müssen, dass neue Substanzen nicht endokrin aktiv sind, können gesundheitliche Risiken verhindert werden“, sagte Köhrle.

Wir müssen erreichen, dass nicht wie bisher erst nach dem Auftreten von Gesundheitsschäden reagiert wird. Josef Köhrle, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Um das Problem in den Griff zu bekommen, müsste zunächst die einheitliche Definition der WHO für endokrin aktive Substanzen konsequent angewendet und in den noch unterschiedlichen Prüfverfahren für neue Substanzen EU-weit einheitlich umgesetzt werden, fordert Köhrle. Das sei bislang noch nicht der Fall.

Weitere Forderungen der Endokrinologen beziehen sich auf die Verbesserung und konsequente Anwendung der Informations-, Kennzeichnungs- und Meldepflicht für endokrin aktive Substanzen, die Intensivierung und Förderung der Forschung und die Entwicklung von Testmethoden zum schnelleren und sicheren Nachweis der Wirkung von endokrin aktiven Substanzen.

„Wir müssen erreichen, dass nicht wie bisher erst nach dem Auftreten von Gesund­heitsschäden reagiert wird“, sagte Köhrle, „sondern dass das in der EU geltende Vorsorgeprinzip auch auf endokrin aktive Substanzen konsequent angewendet wird.“ © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 18. Juni 2019, 23:12

Wo bleibt der Ge­sund­heits­mi­nis­ter

Ja, da sollte er sich drum kümmern, der Herr Spahn. Würde mehr Sinn machen als für die Impfpflicht zu trommeln.
LNS

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