NewsMedizinKörperliche Inaktivität als Risikofaktor für Demenz möglicherweise überschätzt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Körperliche Inaktivität als Risikofaktor für Demenz möglicherweise überschätzt

Mittwoch, 19. Juni 2019

ältere Menschen beim Joggen. /Robert Kneschke, stock.adobe.com
/Robert Kneschke, stock.adobe.com

London/Helsinki – Der Zusammenhang von körperlicher Bewegung und der Entwicklung einer Demenz ist offenbar weniger eindeutig als oftmals angenommen. Das legt eine Metanalyse von Studien mit rund 400.000 Teilnehmern nahe, die im British Medical Journal erschienen ist (2019; doi: 10.1136/bmj.l1495).

Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) haben verschiedene Studien gezeigt, dass körperliche Aktivität und sportliche Betätigung zu besserer kognitiver Leistungsfähigkeit führen – ob jedoch umgekehrt die körperliche Inaktivität die spätere Entwicklung einer Demenzerkrankung begünstigt und in welchem Umfang, sei dagegen nicht abschließend geklärt. „Körperliche Inaktivität könnte auch ein frühes Vorzeichen der Demenzerkrankung sein und kein ursächlicher Risikofaktor wie bislang angenommen, zumal die meisten Studien dazu eine Nachbeobachtungszeit von weniger als 10 Jahren hatten“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Die jetzt publizierte Metaanalyse sollte daher klären, ob körperliche Inaktivität Vorzeichen oder Ursache einer Demenz ist. Dazu haben die Wissenschaftler um Mika Kivimäki vom Department of Epidemiology and Public Health, University College London, nur Studien mit sehr langen Nachbeobachtungszeiten eingeschlossen. Insgesamt sichteten die Forscher 9.741 Studien. Aus 19 prospektiven Beobachtungsstudien extrahierten sie dann die Daten von 404.840 einzelnen Studienteilnehmern aus elektronischen Patientenakten und werteten sie als gemeinsame Studienpopulation in der vorliegenden Metanalyse aus.

Die Teilnehmer waren initial demenzfrei, das mittlere Alter lag bei 45,5 Jahren, 57,7% waren weiblich. Bei allen war zu Studienbeginn die physische Aktivität bewertet worden.

Hinsichtlich des Demenzrisikos scheinen bisherige Beobachtungsstudien den Faktor physische Inaktivität wegen zu kurzer Studiendauern überschätzt zu haben. Thomas Duning, Universitätsklinikum Münster

Bei Messungen, die weniger als 10 Jahre vor einer Demenzdiagnose erfolgten, war physische Inaktivität mit einer um 40 % höheren späteren Demenzinzidenz assoziiert. Ähnlich verhielt es sich speziell mit der Alzheimerdemenz. Die Forscher untersuchten dann die Aktivitätsmessungen, die mehr als 10 Jahre vor einer Demenzdiagnose erfolgt waren. Dabei zeigte sich kein statistischer Zusammenhang zwischen physischer Inaktivität und Demenzrisiko.

„Hinsichtlich des Demenzrisikos scheinen bisherige Beobachtungsstudien den Faktor physische Inaktivität wegen zu kurzer Studiendauern überschätzt zu haben“, erläutert der DGN-Experte Thomas Duning, Oberarzt an der Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster. Denn in der vorliegenden Meta-Analyse zeige sich kein direkter Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und späterer Demenzerkrankung.

Die Fachgesellschaft rät dennoch weiterhin zu körperlicher Aktivität. Denn Sport schütze vor kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen, die wiederum Demenzen begünstigen könnten. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2020
Münster – Die Maßnahmen der neuen nationalen Demenzstrategie müssen verlässlich finanziert werden. Das fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). „Punktuelle Maßnahmen, die nach einer gewissen
Demenzstrategie: Ärztekammer für langfristige Finanzierung
6. Juli 2020
Chicago – Senioren, die körperlich aktiv und geistig rege waren, sich gesund ernährten und auf Tabak und übermäßigen Alkoholgenuss verzichteten, hatten in 2 prospektiven Beobachtungsstudien in
Lebensstil könnte Alzheimer-Risiko beeinflussen
1. Juli 2020
Berlin – Angesichts der alternden Gesellschaft in Deutschland will die Bundesregierung künftig bessere Rahmenbedingungen für Menschen mit Demenz schaffen. Das Kabinett beschloss heute eine „Nationale
Bundesregierung will mehr für Demenzerkrankte tun
30. Juni 2020
Berlin – Jedes Jahr gibt es in Deutschland mehr als 300.000 neue Alzheimer- und andere Demenzerkrankungen. Insgesamt seien es derzeit 1,6 Millionen Patienten. Das berichtete die Deutsche Alzheimer
Neue Zahlen machen Alzheimer Gesellschaft Mut
16. Juni 2020
Köln – Patienten mit einer Demenz unklarer Ursache könnten möglicherweise von einer Amyloid-PET-Untersuchung zusätzlich zur Standarddiagnostik profitieren. Diese PET-Diagnostik könnte möglicherweise
IQWiG empfiehlt Studie zu Amyloid-PET bei Demenz unklarer Ursache
12. Juni 2020
Minneapolis/Davis – Migräne steht in keinem direkten Zusammenhang mit der Entwicklung einer Demenz. Das berichten Wissenschaftler der University of California und anderer Hochschulen in der
Studie findet keinen Zusammenhang zwischen Migräne und Demenz
11. Juni 2020
Berlin – Nur neun Prozent der von angeborenen Herzfehlern betroffenen Kinder und Jugendlichen treiben täglich eine Stunde Sport. Bei den Herzkindern mit schweren angeborenen Herzfehlern sind es nur
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER