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Ausland

UN-Nachhaltigkeits­ziele könnten scheitern

Mittwoch, 19. Juni 2019

/dpa

New York – Die Weltgemeinschaft könnte einer neuen globalen Untersuchung zufolge an den selbst gesteckten UN-Nachhaltigkeitszielen scheitern. Vier Jahre nach ihrer Verabschiedung 2015 sei kein Land auf dem Weg, alle 17 übergeordneten Punkte zu erfüllen, teilten die Autoren unter Federführung des UN-Sonderberaters Jeffrey Sachs mit.

„Den historischen Versprechen sind kaum Taten gefolgt“, sagte Aart De Geus, Vor­stands­vorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, die den Bericht mit herausgibt. Man müsse die UN-Ziele in konkrete Maßnahmen überführen. „Armut und ungleiche Bil­dungschancen verschwinden nicht durch Lippenbekenntnisse, sondern nur durch Taten.“

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Die Nachhaltigkeitsziele gelten als die globalen Vorsätze der Vereinten Nationen und seiner Mitgliedsstaaten. Zu ihnen gehört, dass kein Mensch mehr in Armut leben oder Hunger leiden darf, dass der Zugang zu Bildung und der Gesundheitszustand ver­bes­sert werden, die Diskriminierung von Frauen beseitigt und der Klimawandel bekämpft werden sollen. Die Ziele sollen bis 2030 erreicht werden. Im September wollen die Staats- und Regierungschefs bei den UN in New York eine Zwischenbilanz über das bislang Erreichte ziehen.

Großer Nachholbedarf insbesondere bei den reichen Industrieländern

Dabei gibt es der Studie zufolge, für die Daten aus 193 Ländern verglichen wurden, auch und vor allem großen Nachholbedarf bei den reichen Industriestaaten. Zwar kämen sie der Erfüllung der Ziele am nächsten – Schweden, Dänemark und Finnland erreichen die besten Noten, indem sie die Vorgaben zu fast drei Vierteln erfüllt haben –, verursachen durch Massenkonsum und hohe Lebensstandards jedoch hohe ökolo­gische und wirtschaftliche Kosten für andere Länder. So führe die hohe Nachfrage nach Palmöl zu Waldrodungen in den Tropen, die Einlagerung von Geld in Steueroa­sen schade letztlich auch Entwicklungsländern.

Deutschland liegt im internationalen Vergleich auf dem sechsten Platz, stehe aber „symptomatisch“ für das Abschneiden der Industriestaaten. „Deutschland ist bei eini­gen UN-Zielen auf einem guten Weg, doch wir werden die Nachhaltigkeitsagenda ver­fehlen, wenn wir politisch in zentralen Bereichen nicht umsteuern“, meinte Mitautor Christian Kroll.

So hinke die Bundesrepublik zum Beispiel in den Bereichen Klima­schutz und nachhal­ti­ger Konsum hinterher. Auch habe Deutschland in den sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeitszielen noch Nachholbedarf, von Geschlechterge­rechtigkeit bis zur Reduzierung der Armutsquote.

Auch global zeigt der Bericht bei Klimaschutz und nachhaltigem Konsum die größten Nachlässigkeiten. Im Bereich der klimapolitischen Konzepte wird eine weitere Studie zitiert, in der USA, Russland, die Türkei und Saudi-Arabien mit einem „kritisch unzurei­chend“ am schlechtesten bewertet werden. Die Politik von Deutschland und anderen EU-Staaten wird demnach etwas besser, aber noch immer als „unzureichend“ einge­stuft.

Überproduktion von Nahrung ein Problem

Zudem rügen die Autoren die schlechte Vorbildrolle der G20-Staaten. So seien die Industrieländer für rund die Hälfte der globalen Umsetzungslücken zur Erreichung der Ziele verantwortlich. Hier fielen besonders die USA, Brasilien, China, Indien und Indo­nesien negativ auf. Nur wenige der G20-Mitglieder gäben bislang die von den UN ge­forderten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Entwicklungshilfe aus.

Gleichzeitig kritisiert der Bericht das Missverhältnis aus Überproduktion von Nahrung auf der einen und Mangelernährung auf der anderen Seite. Denn während ein Drittel der Lebensmittel weltweit weggeschmissen werde, gälten noch immer 800 Millionen Menschen als unterernährt. © dpa/aerzteblatt.de

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