NewsPolitikWeniger Beschäftigte durch Betriebsärzte versorgt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Weniger Beschäftigte durch Betriebsärzte versorgt

Donnerstag, 20. Juni 2019

/dpa

Berlin – Der Anteil der Betriebe mit Unterstützung durch einen Betriebsarzt ist von 2011 auf 2015 von 40 Prozent auf 35 Prozent gesunken. Das geht aus einer Antwort der Bun­desregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Dem­nach wurden 2011 74 Prozent der Beschäftigten durch einen Betriebsarzt betreut – zwei Jahre später (2015) waren es noch 72 Prozent.

Grund ist auch, dass die Zahl der Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde zwischen 2008 und 2017 nahezu unverändert geblieben ist und lediglich ein Plus von zwei Pro­zent verzeichnete. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Erwerbstätigen laut Statisti­schem Bundesamt von knapp 41 Millionen auf knapp 44 Millionen (plus 8,4 Prozent). Zudem hatte 2017 die Hälfte aller Arbeitsmediziner in Deutschland das Ren­tenalter erreicht und war 65 Jahre oder älter.

Anzeige

Der Anteil der Beschäftigten in Betrieben mit Gefährdungsbeurteilung lag 2015 der Antwort zufolge bei 80 Prozent. Psychische Belastungen wurden dabei für weniger als der Hälfte der Be­schäftigten berücksichtigt. Wie die Zahlen weiter zeigen, wurde in etwa der Hälfte der Betriebe (52 Prozent) in Deutschland überhaupt eine Gefähr­dungs­beurteilung durchgeführt. Der Anteil ist 2011 und 2015 mit knapp der Hälfte konstant geblieben. In nur etwa jedem fünften Betrieb (22 Prozent) wurde 2015 eine Gefähr­dungs­beurteilung unter Berücksichtigung psychischer Belastungen durch­geführt, hieß es weiter.

Dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz bei der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung oft durchs Raster fallen, hatte zuletzt auch eine Forsa-Um­frage im Auftrag der Dekra unter rund 300 mittelständischen Betrieben gezeigt. Dabei gaben vier von zehn Unternehmen (41 Prozent) an, eine Gefährdungs­beurteilung zu psychischen Belastungen für die Beschäftigten vorzunehmen. Das ist mehr als die Zahlen der Betriebsbefragung von 2015 zeigen.

Ob die neueren Zahlen ein zunehmendes Bewusstsein zeigen, bleibt aber unklar. Die Bundesregierung will erst 2020 eine weitere Betriebsbefragung starten. Im Rahmen der Ge­meinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) wolle man dann den Deckungs­grad von Gefährdungsbeurteilungen, Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebs­ärzten ermitteln.

Jutta Krellmann, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit der Linken im Bundestag, sieht das Thema von der Bundesregierung vernachlässigt. „Mut zur Lücke, dass scheint das skandalöse Motto der Bundesregierung beim Arbeitsschutz zu sein“, sagte sie. Notwendig sei mehr Personal beim Arbeitsschutz und eine Anti-Stress-Verord­nung. Der Forderung nach einer Anti-Stress-Verordnung hatte die Bundesregierung aber bereits in einer anderen Anfrage der Linken eine Absage erteilt. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Juli 2019
Berlin – In Deutschland existieren zu wenige Schutzstrukturen zur Erholung und Aufarbeitung von Belastungssituationen für Mädchen und junge Frauen, die aus Krisengebieten flüchten mussten. Das zeigt
Mädchen und junge Frauen mit Fluchterfahrungen benötigen mehr Unterstützung
12. Juli 2019
Berlin – Berufstätige, die bei einer Betriebskrankenkasse (BKK) versichert sind, waren 2018 so häufig krank wie in den letzten zehn Jahren nicht. Das geht aus dem BKK Gesundheitsreport 2019 hervor.
Betriebskrankenkassen verzeichnen hohen Krankenstand
8. Juli 2019
Hannover – Mehr als 2.500 Geflüchteten mit psychosozialen Störungen hat das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen im vergangenen Jahr geholfen. 2017 waren es knapp 1.500, 2016
Traumatisierte Flüchtlinge suchen verstärkt Hilfe
3. Juli 2019
Frankfurt am Main – Ein neues Angebot für Patienten mit Depressionen und Angststörungen wird in Hessen erprobt. Das „eHealth gestützte Case-Management für psychisch Erkrankte in der hausärztlichen
Modellprojekt zur Versorgung von Depressions- und Angstpatienten angelaufen
3. Juli 2019
Berlin – Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter, aber nicht bei allen gleich: Wer während seines Arbeitslebens höheren Belastungen ausgesetzt ist, könnte nach dem Eintritt ins Rentenalter
Hohe Arbeitsbelastung mit geringerer Lebenserwartung assoziiert
2. Juli 2019
Bonn – Die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat eine neue Liste der MAK- und BAT-Werte erarbeitet. „MAK“ steht für
Neue Grenzwertliste für gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe vorgelegt
27. Juni 2019
Berlin – Zwischen 2009 und 2017 haben ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland deutlich häufiger depressive Störungen diagnostiziert und dokumentiert. Die Diagnoseprävalenz in diesem
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER