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Medizin

Darmkrebs: Joghurt könnte Risiko-Adenome verhindern

Donnerstag, 20. Juni 2019

Ein Mann und eine Frau sitzen am 16.01.2018 in einer Wohnung in Hamburg und essen einen Joghurt. /dpa
Der Verzehr von Joghurt könnte vor allem Männern zugute kommen. /dpa

Boston – Der Verzehr von zwei oder mehr Portionen Joghurt pro Woche könnte – wenigstens bei Männern – die Bildung von Adenomen verhindern, aus denen sich ein Darmkrebs entwickeln kann. Dies kam in einer Studie in Gut heraus(2019; doi: 10.1136/gutjnl-2019-318374).

Dass der Verzehr von Joghurt vor Darmkrebs schützt, hatte der russische Forscher Élie Metchnikoff bereits vor mehr als 100 Jahren vermutet. Bewiesen ist dies bis heute nicht, auch wenn epidemiologische Studien immer wieder gezeigt haben, dass Menschen, die häufiger Joghurt verzehren, seltener erkranken. Die in der verdickten Milch enthaltenen Bakterien Bacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus sollen im Dickdarm Karzinogene binden und ein protektives saures Milieu schaffen.

Bei Mäusen und Ratten konnte durch die Fütterung mit Jogurt tatsächlich die Entwicklung von Darmkrebsvorstufen verhindert werden. Ob die Ergebnisse für den Menschen relevant sind, ist unklar.

Ein Team um Xuehong Zhang von der Harvard Universität in Boston hat hierzu jetzt die Ergebnisse der Health Professionals Follow Up Study (HPFS) und der Nurses Health Study (NHS) ausgewertet, deren Teilnehmer seit Jahrzehnten regelmäßig zu ihrer Gesundheit und ihren Lebensgewohnheiten befragt werden.

Deutlicher Zusammenhang nur bei Männern

Insgesamt 32.606 Männer der HPFS und 55.743 Frauen der NHS haben im Rahmen der Krebsvorsorge Koloskopien durchführen lassen. Bei 5.811 Männern und 8.116 Frauen wurden dabei Adenome entdeckt, die als Darmkrebsvorstufe in der Regel entfernt werden. In beiden Geschlechtern war ein häufiger Verzehr von Joghurt mit einer niedrigeren Rate von Adenomen assoziiert. Der Zusammenhang war jedoch nur bei Männern signifikant.

Männer, die mindestens zweimal pro Woche Jogurt verzehrten, hatten insgesamt ein um 19 % vermindertes Risiko auf ein Adenom. Die adjustierte Odds Ratio von 0,81 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,71 bis 0,94 signifikant. Adenome in einer Größe von mehr als 1 cm oder solche mit einer tubulovillösen/villösen Histologie oder einer hochgradigen/schweren Dysplasie wurden bei den Joghurt verzehrenden Männern sogar zu 26 % seltener nachgewiesen (Odds Ratio 0,74; 0,59 bis 0,92). Die protektive Assoziation war – wie in den tierexperimentellen Studien – auf das proximale Kolon beschränkt.

Wie immer bei epidemiologischen Studien kann aus der verminderten Assoziation nicht zwingend auf eine Kausalität geschlossen werden. Unklar ist auch, warum der Zusammenhang bei Frauen nicht erkennbar war. © rme/aerzteblatt.de

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