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Politik

Krankenkassen verzeichnen geringes Defizit im ersten Quartal

Donnerstag, 20. Juni 2019

/dpa

Berlin – Die Krankenkassen haben im 1. Quartal 2019 ein geringes Defizit von rund 102 Millionen Euro hinnehmen müssen. Die gleichzeitig vorgelegten endgültigen Jah­res­ergebnisse 2018 ergaben einen Überschuss von 2,09 Milliarden Euro – das sind rund 100 Millionen Euro mehr, als in den vorläufigen Werten ausgewiesen wurde, wie das Bundesgesundheitsministerium heute in Berlin mitteilte.

Damit liegen die Finanzreserven der Krankenkassen nach der hohen Überschussent­wicklung in den vergangenen drei Jahren Ende März 2019 weiterhin bei rund 21 Milli­ar­den Euro. Im Durchschnitt entspricht dies mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.

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Kassen sollen finazielle Spielräume nutzen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte dazu, trotz des leichten Defi­zits verfügten die Krankenkassen immer noch über ausreichende Rücklagen. Einige – aber bei weitem noch nicht alle – Kassen hätten ihre Zusatzbeiträge am Jahresanfang endlich gesenkt. Jetzt sollten die anderen Kassen ihre Spielräume auch konsequent nutzen: entweder für bessere Leistungen oder für finanzielle Entlastungen ihrer Versi­cherten.

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten im 1. Quartal einen Überschuss von rund 89 Millionen Euro, die Knappschaft-Bahn-See von 26 Millionen Euro und die Landwirtschaftliche Krankenversicherung von 9 Millionen Euro.

Die Ersatzkassen verbuchten ein Defizit von 151 Millionen Euro, die Betriebskran­ken­kassen (BKKen) von 59 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKKen) von 16 Millionen Euro. Das Defizit beim Ersatzkassen (EKen) ist ausschließlich auf ein ent­sprechendes Minus der größten Ersatzkasse zurückzuführen, die damit einen gerin­gen Teil ihrer hohen Finanzreserven abgebaut hat.

Weniger Einnahmen, mehr Ausgaben

Einnahmen in Höhe von rund 62,3 Milliarden Euro standen im ersten Quartal Ausga­ben von rund 62,4 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Gesamteinnahmen der Krankenkassen um 3,7 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Leistungen und Verwal­tungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von rund 0,6 Prozent einen Zuwachs von 4,5 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,01 Prozent und damit um 0,07 Prozentpunkte unterhalb des Vorjahresquartals.

Weiterhin moderat stiegen im ersten Quartal die Ausgaben für Krankenhausbehand­lung um 2,9 Prozent. Die Arzneimittelausgaben erhöhten sich um 4 Prozent. Im Be­reich der vertragsärztlichen Vergütung wuchsen die Ausgaben um rund 3,5 Prozent.

Deutlich überproportional sind vor allem die Ausgaben für Heilmittel (13 Prozent). Hier gab es in allen Leistungsbereichen (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen) zweistellige Zuwachsraten. Bei Heilmitteln machen sich vor allem vom Gesetzgeber schrittweise vorgegebene Honorarsteigerungen bemerkbar, die zu einer wesentlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Heilmittelerbringer beitragen.

Bei Hilfsmitteln betrug der Zuwachs 5,9 Prozent. Hohe Zuwachsraten gab es auch durch höhere Vergütungen bei extra­budgetären psychotherapeutischen Leistungen, Hochschulambulanzen (plus 21,6 Prozent) und spezialisierter ambulanter Palliativver­sor­gung (plus 23,1 Prozent).

Kassen sorgen sich

Trotz der guten Lage hatten die Krankenkassen allerdings zuletzt vor deutlichen Aus­gabenrisiken gewarnt. Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte, sie erwarte für 2020 zwar „keine dramatische Entwicklung“. Aber eine genaue Ausgaben­prognose sei wegen vieler neuer Gesetze und Gesetzespläne mit Mehrkosten für die Kassen momentan nicht möglich.

Statt gebotener Zurückhaltung gebe es eine große Kreativität, was zusätzliche Ausgaben angehe. Hintergrund sind Pläne unter anderem zur Digitalisierung des Gesundheitswesens oder zu neuen Ausbildungen für Psycho­therapeuten und Hebammen. © kna/dpa/may/aerzteblatt.de

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