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Adipositas in der Schwangerschaft erhöht Diabetesrisiko der Kinder

Montag, 24. Juni 2019

schwangere Frau mit Übergewicht /Kletr, adobe.stock.com
/Kletr, adobe.stock.com

Aberdeen – Kinder von adipösen Schwangeren haben ein 3,5-fach erhöhtes Lebenszeitrisiko auf einen Typ 2-Diabetes. Dies kam in einer Studie in Diabetologia (2019; doi: 10.1007/s00125-019-4891-4) heraus.

Es ist bekannt, dass eine Adipositas in der Schwangerschaft mit kurzfristigen Nachteilen für Mutter und Kind verbunden ist. Die Mütter haben ein erhöhtes Risiko auf einen Schwangerschaftsdiabetes und auf eine Präeklampsie. Die Neugeborenen sind häufig für das Gestationsalter zu groß und werden deshalb öfter per Kaiserschnitt geholt.

Die Probleme enden jedoch nicht mit der Geburt. Für die Mütter ist der Schwanger­schaftsdiabetes oft die erste Episode eines Typ 2-Diabetes, aber auch die Kinder scheinen langfristig ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für kardiometabolische Erkrankungen zu haben, wie ein Team um Rebecca Reynolds von der Universität Edinburgh jetzt herausfand.

Die Forscher haben die Daten der „Aberdeen Maternity and Neonatal Databank“ (AMND) mit der „Scottish Care Information – Diabetes Collaboration“ (SCI-DC) verlinkt. Die AMND sammelt seit der Nachkriegszeit Daten zu Schwangeren aus der drittgrößten Stadt Schottlands. Im Zeitraum zwischen 1950 und 2011 wurden 118.201 Kinder nach Einzelschwangerschaften geboren. Ein Viertel der Mütter war übergewichtig und jede 10. adipös. Die SCI-DC verzeichnet seit 2002 alle Diabeteserkrankungen in Schottland. Reynolds konnte ermitteln, dass bisher 319 Teilnehmer der AMND im Alter von bis zu 61 Jahren an einem Typ 2-Diabetes erkranken.

Die Analyse ergab, dass die Kinder übergewichtiger und adipöser Schwangerer ein deutlich höheres Risiko auf einen Typ 2-Diabetes hatten. Für die Kinder übergewichtiger Schwangerer ermittelte Reynolds eine adjustierte Hazard Ratio von 1,39 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,06 bis 1,83. Für die Kinder von adipösen Schwangeren betrug die adjustierte Hazard Ratio 3,48 (2,33 bis 5,06). Aufgrund der geringen Fallzahlen sind die Ergebnisse mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor verbunden. Es könnte aber sein, dass die Kinder adipöser Schwangerer ein 3,5-fach erhöhtes Risiko haben, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken.

Immer mehr Schwangere sind adipös

Sollte die Assoziation kausal sein (was in epidemiologischen Studien nie ganz sicher ist), so wären die Public Health-Folgen enorm. Der Anteil der adipösen Schwangeren ist in der AMND seit den 1950er Jahren von 3 auf 16 % gestiegen. Reynolds stellt keine Berechnungen an, eine Adipositas in der Schwangerschaft könnte jedoch eine wichtige Ursache für die derzeitige Zunahme von Typ 2-Diabetes in der Gesellschaft sein.

Der zugrunde liegende Mechanismus ist nicht bekannt. Eine Vermutung geht dahin, dass die Adipositas der Schwangeren mit einem Anstieg von Blutzucker, Insulin und anderen Metaboliten den Glukosestoffwechsel des Kindes auf Dauer verändert. Eine solche „Umprogrammierung“ könnte über epigenetische Veränderungen erfolgen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass der ungünstige Einfluss der Mutter auch nach der Schwangerschaft anhält. Mütter, die während der Schwangerschaft adipös sind, haben auch danach meistens Gewichtsprobleme, die Folge eines Ernährungsstils sind, der sich in der Familie auch auf die Kinder übertragen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #753980
Michael Odinius
am Sonntag, 7. Juli 2019, 09:03

Zusammenhänge werden nur vermutet?

Die Prozesse der Epigenetik sind doch längst bekannt. Der Begriff der perinatalen Prägung beschreibt Acetylierungen und Methylierungpozesse, die darüber entscheiden welche Gene abgelesen werden und pränatal eine Adaption an die u.a. hyperglykämische maternale Umelt des Embryos bewirken. Hierbei kommt es nicht nur zu funktionellen Anpassungen des Stoffwechsels, sondern auch zu strukturellen neuronalen Veränderung, die u.a. das Appetitzentrum betreffen und z.B eine pätere Hyperphagie des Kindes nachsichziehen.
Michael Odinius Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin
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