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Ausland

Behörde sieht in Hochspannungs­leitungen „mögliches“ Leukämierisiko für Kinder

Freitag, 21. Juni 2019

/dpa

Paris – Von Hochspannungsleitungen geht der französischen Gesundheitsbehörde Anses zufolge ein „mögliches“ Leukämierisiko für Kinder aus. Die Experten raten in einer heute veröffentlichten Analyse „vorsorglich“ davon ab, „neue Schulen in der Nähe von Hochspannungsleitungen“ zu errichten. Zugleich betonen sie aber, dass es keinen Beweis für das Leukämierisiko durch Stromleitungen gibt. Hochspannungs­lei­tungen gelten als Quelle für Elektrosmog.

Wo Strom fließt, entstehen elektromagnetische Felder. Die Magnetfeldstärke hängt dabei von der Stärke des Stroms ab. Die französische Gesundheitsbehörde hatte bereits im Jahr 2010 vor einem „möglichen Zusammenhang“ zwischen „elektromag­netischen Feldern mit niedriger Frequenz und einem langfristigen Risiko für kindliche Leukämie“ gewarnt. Angesichts neuer Untersuchungen wiederholten sie die Warnung nun.

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Als niedrig gelten Frequenzen unter 8,3 Kilohertz. Die meisten der vorhandenen Ge­sundheitsstudien konzentrierten sich jedoch auf für die Übertragung von Strom ver­wendeten Frequenzen von 50 bis 60 Hertz, sagte der Anses-Experte Olivier Merckel. Mehrere dieser Studien sähen Belege dafür, dass das statistische Risiko einer Leukä­mieerkrankung für Kinder ab einer bestimmten Magnetfeldexposition steige, sagte Merckel. Verschiedene Studien sehen die Expositionsschwelle bei 0,2 bis 0,4 Mikro­tesla, der Maßeinheit für die magnetische Flussdichte.

Einer gemeinsamen Studie des französischen Forschungsinstituts Inserm und des Universitätskrankenhauses von Caen zufolge sind in Frankreich rund 40.000 Kinder unter 15 Jahren zu Hause einer Magnetfeldstärke von über 0,4 Mikrotesla ausgesetzt. 8.000 Kinder besuchen demnach eine Schule, in der die Expositionsschwelle eben­falls über diesem Wert liegt.

Anses empfiehlt, nicht nur auf den Bau von Schulen, sondern auch von Krankenhäu­sern in der Nähe von Hochspannungsleitungen zu verzichten. Zudem sollte nach An­sicht der Experten geprüft werden, ob Fachkräfte in bestimmten Arbeitsbereichen – und dabei insbesondere schwangere Frauen – möglicherweise starken Elektromag­net­feldern ausgesetzt sind.

Der Gesundheitsbehörde sind die Studien jedoch nach eigenen Angaben „zu unein­heitlich“, um einen wissenschaftlichen Nachweis dafür zu liefern, dass es einen Zu­sammenhang zwischen dem „Expositionsniveau am Arbeitsplatz und dem Auftreten chronischer Krankheiten“ gibt. Die Experten riefen zu weiteren Forschungen zu dem Thema auf.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO hatte bereits 2002 niederfrequente elektro­mag­netische Felder als „möglicherweise krebserzeugend“ eingestuft. Auch die WHO betont jedoch, dass ein wissenschaftlicher Nachweis fehle. © afp/aerzteblatt.de

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